Die Grünen gehen auf Konfrontationskurs mit dem Kanzler: Offene Briefe, Protestaktionen, lautstarke Kritik – alles wegen des umstrittenen „Stadtbild“-Satzes von Friedrich Merz. Doch einer aus der grünen Spitze stellt sich gegen den Empörungssturm: Cem Özdemir, Ex-Landwirtschaftsminister und Spitzenkandidat der Partei für die Landtagswahl in Baden-Württemberg. Das berichtet die Bild.
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In der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ mahnte Özdemir zur Mäßigung. Er warnte vor Pauschalisierungen und betonte, das Thema müsse „unglaublich sensibel“ behandelt werden, schließlich „redet man über Menschen“. Gleichzeitig machte er klar: „Viele Menschen scheuen öffentliche Verkehrsmittel nachts, insbesondere Frauen haben spätabends Angst, in Bahnhöfe zu gehen.“
Merz erhält Rückendeckung von Özdemir
Özdemir forderte, solche Probleme offen anzusprechen. „Wenn wir es nicht machen, dann ist es quasi ein Wahlaufruf, AfD zu wählen“, erklärte er. Seine Worte treffen einen wunden Punkt: Laut einer aktuellen Infratest-dimap-Umfrage liegt die AfD in Baden-Württemberg erstmals vor den Grünen. Özdemir und seine Partei rutschen auf 20 Prozent ab.
Bei der Landtagswahl 2021 holten die Grünen noch starke 32,6 Prozent. Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist bis heute der einzige grüne Regierungschef in Deutschland. Doch in Baden-Württemberg gelten die Grünen traditionell als konservativer – was ihnen in der Bundespartei oft Kritik einbringt. Özdemir jedoch bleibt bei seiner Linie.
Er will Migrationsprobleme klar benennen und spricht von „unerträglichen Zuständen“, vor allem in Bahnhöfen und öffentlichen Verkehrsmitteln. Seine Parteikollegen sehen das ganz anders. Grünen-Co-Chefin Franziska Brantner wetterte: „Merz stellt Millionen Deutsche unter Generalverdacht!“ Das sei inakzeptabel und unverantwortlich.
Grüne wettern gegen den Bundeskanzler
Auch Grünen-Chef Felix Banaszak reagierte empört. Merz sende ein „fatales Signal“, das „respektlos“ und „gefährlich“ sei. Er forderte den Kanzler zur Entschuldigung auf. Co-Fraktionschefin Katharina Dröge nannte die Äußerung „verletzend, diskriminierend und unanständig“. Viele Abgeordnete der Grünen schlossen sich dieser Kritik mit einem offenen Brief an.
In dem Schreiben heißt es, Merz’ Aussage sei „rassistisch, diskriminierend, verletzend und unanständig“ – und „eines Bundeskanzlers unwürdig“. Özdemir hingegen wählte einen anderen Ton. Er betonte, Merz trage als Kanzler besondere Verantwortung: „Er ist ja nicht teilnehmender Beobachter, sondern ist der Kanzler des Landes.“
Merz könne, so Özdemir, „einen Beitrag dazu leisten, dass irreguläre Migration runtergeht“. Damit grenzt sich der Grüne deutlich von der Empörungswelle seiner Partei ab – und zeigt, dass auch innerhalb der Grünen der Umgang mit Merz längst zum Faktor geworden ist.
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