Teenager-Skelett in England gefunden: Experten vermuten eine rituelle Opferung

Archäologen haben Anfang des Jahres 2025 in Dorset, einer Grafschaft im Südwesten Englands, eine ebenso faszinierende wie grausame Entdeckung gemacht. Dort stieß das Team um den Archäologen Miles Russell von der Bournemouth University auf das Skelett eines rund 2.000 Jahre alten Teenager-Mädchens. Die Fundumstände sind alles andere als gewöhnlich.

Das Mädchen wurde mit dem Gesicht nach unten in einer Grube begraben. Spuren an den Knochen und die Position des Körpers lassen darauf schließen, dass sie vor ihrem Tod an den Händen gefesselt war. Ihr Grab lag auf einem kleinen Friedhof, der in eine eisenzeitliche keltische Siedlung des Stammes der Durotriges eingebettet ist.

Hinrichtung in England sorgte für Rätsel

Russell äußerte sich beim Fund schockiert über die ungewöhnliche Bestattung. „Dies scheint die Hinrichtung einer Person zu sein, die auf sehr theatralische Weise vollzogen wurde“, erklärte der Archäologe. Das Fehlen von Grabbeigaben sowie die Art der Bestattung deuten laut Experten auf einen gewaltsamen Tod hin – möglicherweise im Rahmen eines rituellen Opfers.

Das Team fand zuvor bereits drei weitere Skelette weiblicher Jugendlicher mit auffälligen Merkmalen in Dorset – ebenfalls bäuchlings begraben. Ein Mädchen, das 2010 entdeckt wurde, zeigte eine tiefe Schnittverletzung am Hals. Ein anderes Skelett aus dem Jahr 2024 wies Verletzungen an Armen und Oberkörper auf. Gab es in England gezielte Opferungen von Frauen?

England: DNA-Analysen sollen Aufschluss geben

Die Untoten sorgen für Unbehagen und werfen viele Fragen auf. Mithilfe von DNA- und Isotopenanalysen hoffen Wissenschaftler, Herkunft und Lebensumstände der Opfer zu rekonstruieren: Kommen die getöteten Frauen aus der Umgebung? Oder wurden sie aus anderen Regionen in England nach Dorset gebracht?

Die Durotriges lebten etwa 100 Jahre vor der römischen Invasion und waren eine fortschrittliche keltische Gemeinschaft. Sie wohnten vorzugsweise in Hügelburgen, handelten mit den Süden Europas und prägten ihre eigenen Münzen. Es gilt als gesichert, dass die Durotriges den Römern heftigen Widerstand leisteten – und trotzdem unterlagen.

Frauen spielten in England bedeutende Rolle

Neue genetische Untersuchungen belegen erstmals, dass die Gesellschaft der keltischen Durotriges matrilinear organisiert war. Dies bedeutet, dass Frauen die zentrale Rolle in Erbfolge und sozialer Ordnung spielten. Männer zogen nach der Heirat zu den Familien ihrer Ehefrauen. Fotos und Berichte der Römer zeigen Frauen als Anführerinnen und Grundbesitzerinnen.

Angesichts dieser Struktur sind die rituellen Opferungen junger Frauen besonders verstörend. „Wir wissen jedoch nicht, welche sozialen, politischen oder ökologischen Faktoren diese Handlungen ausgelöst haben“, sagte Russell. Es deutet vieles darauf hin, dass die Opfer der unteren Schicht angehörten – und für die Gemeinschaft von England damals von geringerem Wert gewesen sein könnten.

Dieser Artikel wurde teils mit maschineller Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.