Per Losverfahren zur Bundeswehr? Was soll denn der Quatsch?

Es gibt eine Einigung im Wehrdienststreit. Das ist doch zumindest schon mal ein Zeichen. Ob es jetzt ein Gutes ist, da habe ich so meine Zweifel. Ich bin jetzt 38 Jahre alt. Ich komme noch aus der Generation, in der es für junge Männer normal war, sich entscheiden zu müssen: Bundeswehr oder Zivildienst.

Viele meiner Freunde machten Zivildienst. Meine Entscheidung fiel damals auf die Bundeswehr. Neun Monate diente ich in Augustdorf, inmitten der ostwestfälischen Provinz. Ob ich jede Sekunde davon genossen habe? Nein, auf keinen Fall. Schikanen wie die Bodenreinigung mit dem Radiergummi oder stundenlanges Putzen ungenutzter (und damit sauberer) Gewehre war an der Tagesordnung. Doch die Bundeswehr hat mich auch viel gelehrt.

Zur Bundeswehr per Losverfahren

Zum Beispiel das Miteinander mit den unterschiedlichsten Menschen, wie man in einer Gruppe agiert, dass Fleiß und Durchsetzungsvermögen am Ende zum Ziel führen. Es ist nicht unbedingt der Dienst an der Waffe, der die Bundeswehr so wichtig macht. Die Bundeswehr erdet einen. Sie zeigt, dass man auch mit dem Nötigsten auskommt. Vereint Menschen aller sozialer Schichten auf wenigen Quadratmetern, macht sie zu einer Gemeinschaft.

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Umso überraschter war ich, als ich las, dass die große Lösung nun sei, weiterhin auf Freiwilligkeit, und wenn die nicht ausreicht, auf Glücksspiel zu setzen. Ein Losverfahren, so heißt es nach Informationen der „Bild“ solle, sofern sich nicht genügend Wehrtaugliche nach der Musterung freiwillig melden, entscheiden, wer den Dienst an der Waffe antritt.

Was soll denn der Quatsch? Das ist doch wahnsinnig unfair. Warum kehren wir nicht einfach zu dem Modell zurück, das jahrelang in Deutschland bestens funktioniert hat? Und zwar den jungen Menschen die verpflichtende Wahl zwischen Bundeswehr und Zivildienst zu geben.