Gewalt an Schulen: Neue Studie über jugendliche Täter passt nicht ins Weltbild vieler

Nachschlagen im Unterricht, zuschlagen in der Pause: Gewalt unter Jugendlichen gehört vielerorts immer noch zum deutschen Schulalltag. Forscher von der Universität Köln haben sich der Frage angenommen, von wem die meiste Aggression ausgeht – und kamen zu überraschenden Ergebnissen.

Heftiger Gewaltanstieg seit Corona

Laut dem Studienleiter Clemens Cronenberg sind die aktuellen Gewaltausbrüche an Schulen eine der vielen negativen Folgen der Corona-Pandemie. Jugendliche hätten heute „ein Defizit an sozialen und emotionalen Kompetenzen“, sagte er in einem Focus-Interview.

Schon gelesen? ++Polizeieinsatz an Gesamtschule in NRW – mindestens 19 Schüler verletzt++

Während der Pandemie sank der soziale Austausch unter Jugendlichen auf ein Rekordtief, was die Entwicklung von sozialen Kompetenzen gehindert habe. Deswegen konnten auch die Lehrkräfte nicht rechtzeitig erkennen, wenn ein Kind aggressiv wurde und Unterstützung brauchte. „Insofern ist es auch nicht ganz überraschend, dass wir es jetzt mit so einem Anstieg zu tun haben“, lautet Cronenbergs Schlussfolgerung.

Diese Erkenntnis macht viele baff

Die überraschendste Erkenntnis aus der Studie macht deutlich: Migrationshintergrund hat wenig mit Gewaltbereitschaft zu tun. Vielmehr werden diejenigen handgreiflich, die in Deutschland geboren wurden. „Der Anstieg ist eher unter Jugendlichen, die in Deutschland geboren wurden. Ob jetzt ihre Eltern eingewandert sind oder nicht, ist eine andere Frage, aber es ist sozusagen nichts, was neu zugewanderte Jugendliche verursacht hätten.“

Auch lesenswert: ++Schülerin aus Gelsenkirchen klaut 10.000 Euro aus Abi-Kasse – mit harten Konsequenzen++

Auch der soziale Status kann die Aggression bei Jugendlichen nicht zwangsläufig erklären. Laut dem Studienleiter könnten auch Jugendliche „aus Villenvierteln“ gefährlich werden, wenn Eltern nicht präsent seien.

Schulen am Limit

Forscher verzeichneten ebenfalls einen rasanten Gewaltanstieg unter Mädchen. Cronenberg vermutet, dass der Rückgang von traditionellen Rollenerwartungen hinter der erhöhten Gewaltbereitschaft stehen könnte.

Besonders frustrierend ist laut dem Studienleiter der Zustand der Lehrkräfte. Enorme Herausforderungen von inklusiver Beschulung über Sprachbarrieren bis hin zu familiären Belastungen der Jugendlichen bringen sie an ihre Grenzen.