Inflation: Supermarktkunden müssen tiefer in die Tasche greifen – diesmal sieht es richtig bitter aus

Die Ruhe täuscht. Im August stiegen die Nahrungsmittelpreise laut Statistischem Bundesamt nur um 0,1 Prozent. Doch die Europäische Zentralbank warnt: Höhere Energie- und Rohstoffkosten erreichen bald den Supermarkt. Im zweiten Quartal 2027 dürfte die Teuerung im Euroraum bei 3,7 Prozent liegen.

Auch die Welternährungsorganisation FAO schlägt Alarm. Ihr Preisindex für Getreide, Fleisch und Milchprodukte erreichte im Juli den höchsten Stand seit 2023. FAO-Chef Máximo Torero spricht von „einer weiteren Welle der Nahrungsmittelinflation“. Schuld sind Krisen und miese Witterung in manchen Weltregionen.

📌 Das steckt hinter der Inflation Definition: Inflation ist der allgemeine, anhaltende Anstieg des Preisniveaus von Gütern und Dienstleistungen. Die Kaufkraft des Geldes sinkt dadurch. Für 100 € bekommst Du also mit der Zeit weniger als vorher. Messung: Gemessen wird sie meist über einen Warenkorb, der typische Konsumausgaben abbildet, zum Beispiel Lebensmittel, Miete, Energie und Mobilität. In Deutschland ist das der Verbraucherpreisindex (VPI). Im Euroraum wird der HVPI verwendet. Zielwert der Zentralbanken: Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt mittelfristig eine Inflationsrate von 2 % an. Sie hält diesen Wert für stabil genug, um Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Zugleich ist er niedrig genug, um die Kaufkraft zu schützen. Außerdem hält er den Abstand zu einer gefährlichen Deflation (sinkende Preise) groß.

Diesel frisst sich bis in den Supermarkt

Der Nahe Osten heizt die Lage an, wie aus einem Bericht der Zeitung „Lebensmittelpraxis“ hervorgeht. Blockierte Routen wie die Straße von Hormus verknappen Dünger, Sprit und Energie, sagt Ifo-Experte Timo Wollmershäuser. Schon gegen Jahresende zeigt sich das bei Lebensmitteln. Der Diesel kostet netto rund 60 Cent mehr pro Liter, und die Spediteure ächzen.

Auch Kokosnuss-Importeur Manfred Görg spürt den Druck. Die Preise seiner Logistikdienstleister stiegen um „bis zu 50 Prozent“. Ein Container kostet heute bis zu 7.000 Euro, früher rund 3.000. Görg will seine Preise erhöhen, fürchtet aber Einbußen.

Der Supermarkt im Preiskampf

Seine Sorge: „Wenn ich um 10 Prozent die Preise anhebe, dann ist ein Umsatzrückgang zwischen 20 und 30 Prozent garantiert.“ Trotzdem planen viele Firmen Aufschläge. Laut Simon-Kucher wollen 67 Prozent der Hersteller von Haushaltsgeräten, Elektronik, Möbeln und Spielwaren die Preise erhöhen.

Die Industrie weist den Vorwurf der Bereicherung zurück. Peter Feller von der BVE verweist auf die Zahlen: Im ersten Halbjahr 2026 fielen die Erzeugerpreise um 2,1 Prozent, die Verbraucherpreise stiegen um 1,39 Prozent. Bauernpräsident Joachim Rukwied fordert Ausgleich von allen Abnehmern, vom Großhandel bis zum Supermarkt.

Die Kunden im Supermarkt achten schon jetzt penibel auf den Preis. Seit Januar 2020 stiegen Lebensmittel laut Bundeslandwirtschaftsministerium um rund 36 Prozent. Marktforscherin Barbara Kopske erwartet: Steigen die Preise, dürften alte Spar-Reflexe zurückkehren, samt neuer Promotion-Welle.