UEFA sägt weiter an Infantinos Thron: Ultimatum birgt neuen Zündstoff

Mit einem harten Ultimatum setzt die UEFA den Boss des Weltverbandes massiv unter Druck. Bis zum 2. November fordert der europäische Fußballverband von Gianni Infantino detaillierte Antworten zu seinen gescheiterten Investorenplänen. Ganze 42 Fragen umfasst das brisante Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Bislang hält der FIFA-Präsident wichtige Dokumente zu dem Vorhaben unter Verschluss. Ursprünglich wollte der Weltverband 20 Prozent der kommerziellen Rechte an der Fußball-Weltmeisterschaft für mehr als vier Milliarden Dollar verkaufen. Ende Juli, rund zwei Wochen nach dem WM-Finale in den USA, war dieser Plan an die Öffentlichkeit gelangt. Nach massivem Widerstand musste Infantino zurückrudern. Seitdem tobt ein offener Machtkampf zwischen ihm und allen voran der UEFA.

📌 Gründe für den Verbandszoff Beide Verbände konkurrieren um dieselben TV-Gelder, Sponsoren und Märkte. Die UEFA will ihre lukrative Champions League sowie die Europameisterschaft schützen, während die FIFA versucht, durch neue Turniere oder Beteiligungsmodelle für Investoren eigene Milliarden-Einnahmen zu generieren. Die FIFA erweitert ihre Wettbewerbe – etwa mit einer stark vergrößerten Klub-WM und Plänen für häufigere Weltmeisterschaften – spürbar auf das Territorium des europäischen Fußballs. Die UEFA sieht dadurch das Ansehen und die Termin-Exklusivität ihrer eigenen Club- und Nationalmannschaftswettbewerbe gefährdet. Die ständige Ausweitung des Spielplans führt zu einer Überlastung von Spielern und Vereinen. Die UEFA und europäische Top-Klubs werfen der FIFA vor, den Terminkalender einseitig zu überfüllen und die Gesundheit der Profis für kommerzielle Interessen aufs Spiel zu setzen.

UEFA zündet nächste Eskalationsstufe

Der nun verschickte Fragenkatalog markiert den nächsten Höhepunkt der Eskalation zwischen FIFA und UEFA. Zwischen dem Präsidenten und seinen Kritikern aus Europa fliegen schon länger die Fetzen. Bei einer Krisensitzung des FIFA-Councils Mitte Oktober in Zürich hatten europäische Vertreter die Erklärungen des Weltverbands als unzureichend kritisiert.

Neben dem geplatzten Milliarden-Deal verlangt die UEFA daher auch bei anderen heiklen Themen schonungslose Transparenz. Auf der Liste stehen das persönliche Vergütungspaket des Präsidenten sowie das Disziplinarverfahren gegen den US-Stürmer Folarin Balogun während der WM. Ebenso fordern die Europäer Aufklärung über Verbindungen Infantinos zu Donald Trump und dessen Familie.

Juristische Schritte in den USA

Auch die operative Unabhängigkeit der Rechts-, Wahl- und Ethikkommissionen der FIFA steht auf dem Prüfstand. Um an die gewünschten Informationen zu gelangen, hat der europäische Verband sogar US-Bundesgerichte eingeschaltet. Diese sollen Vorladungen genehmigen, um Dokumente und eidesstattliche Aussagen zu dem Projekt namens „FIFA Forward Enterprise“ juristisch zu erzwingen.

Zwar registriert die UEFA durchaus, dass der Weltverband Fehler eingeräumt und das Vorhaben gestoppt hat. Dennoch bleibt völlig unklar, wie die Verantwortlichen die relevanten Entscheidungen im Vorfeld getroffen haben. In dem Schreiben der Europäer heißt es dazu unmissverständlich: „Diese Fragen benötigen jetzt Antworten“. (mit dpa)