BVG erlaubt Ausstieg zwischen Haltestellen – so läuft der Test in Berlin

Einfach an einer Wunschstelle aus dem Bus aussteigen, unabhängig von der Haltestelle? Das soll laut einem BVG-Angebot abends ab 20 Uhr in Berlin unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein.

Doch funktioniert es auch? Und wie reagieren die Busfahrer, wenn man den Sonderwunsch äußert? Ich habe den Test gemacht.

Passende Stelle zu finden ist schwierig

Zur „Erhöhung der nächtlichen Sicherheit“ hat jeder Fahrgast in BVG-Bussen bereits seit 1997 die Möglichkeit, einen außerplanmäßigen Halt beim Busfahrer zu erfragen. Wichtig dabei: Es muss nach 20 Uhr sein, sich um eine Fahrt im Tarifbereich B oder C handeln und die gewünschte Stelle das sichere Anhalten ermöglichen. Ausgeschlossen sind Halte in Halteverboten, an Vorfahrtszeichen, an Baustellen, bei vielen parkenden Autos und bei Schnee- und Eisglätte.

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Eine geeignete Stelle zu finden, ist gar nicht so einfach – das habe auch ich bei meinem Test Ende Oktober schnell gemerkt. Bereits am Mittag war ich in Charlottenburg und Spandau unterwegs und suchte nach passenden Stellen. Eine wirklich geeignete konnte ich nicht ausmachen. Da die Haltestellen auf meinen Testlinien ohnehin dicht beieinanderlagen, ergab ein zusätzlicher Stopp dazwischen kaum Sinn.

So reagierten die Busfahrer

Trotzdem wollte ich es am Abend versuchen: Lassen mich Busfahrer tatsächlich auf Wunsch aussteigen? Gegen kurz nach 21 Uhr steige ich am Spandauer Damm in einen Bus der Linie M45. Ich spreche den Fahrer direkt an und erkläre, dass ich möglichst hinter der Baustelle am Aldi in Ruhleben aussteigen möchte.

Seine Reaktion: sehr höflich, aber bestimmt. Fahrgäste würden nicht mehr auf Wunsch rausgelassen, sagt er. Die Stelle sei wegen der Baustelle ungeeignet – auch dahinter sei es schwierig. Er verstehe selbst nicht, warum das Angebot offiziell noch bestehe: Die BVG habe die Fahrer angewiesen, niemanden mehr auf Wunsch aussteigen zu lassen. Eine Erklärung der BVG dazu gab es auf Anfrage nicht.

Zwei Versuche scheiterten

Am Ende entschuldigt er sich mehrfach, dass er mich nicht zwischen zwei Haltestellen rauslassen kann, und weist darauf hin, dass es von der Haltestelle am U-Bahnhof Ruhleben ohnehin nicht weit bis zum Aldi sei. Mein erster Versuch scheiterte also. Doch ich wollte es noch zweimal probieren.

Auf dem Rückweg, wieder in einem Bus der Linie M45, frage ich, ob ein Ausstieg zwischen Park Ruhwald und Meiningenallee möglich wäre. Der Fahrer wirkt irritiert und sagt, er halte an allen Haltestellen. Als ich nachhake, ob es auch dazwischen möglich sei, schüttelt er nur den Kopf – Versuch Nummer zwei, ebenfalls gescheitert.

Ein Busfahrer er BVG ging auf meine Bitte ein

Wenig optimistisch steige ich später in einen Bus der Linie 143 – mein letzter Versuch an diesem Abend. Als ich den Fahrer frage, ob ich an der Aral-Tankstelle nahe dem Theodor-Heuss-Platz aussteigen könne, meint er zunächst: „Da ist doch eine Haltestelle.“ Ich erwidere, dass sie nicht direkt dort liege, sondern davor und dahinter eine sei. Darauf sagt er, die Haltestellen seien ja nicht weit auseinander. Als ich erwidere, dass „weit“ relativ sei, lächelt er und meint: „Ich schau mal, ob’s geht.“

Kurz vor der Aral wird der Bus langsamer. „Passt es hier, vor dem Zebrastreifen?“, fragt er. Ich nicke – und tatsächlich: Er hält, öffnet die Tür, und ich kann zwischen zwei Haltestellen aussteigen. Nach zwei gescheiterten Versuchen hatte ich damit wirklich nicht mehr gerechnet.

Mein Fazit: Hartnäckig zu sein, kann sich lohnen – doch oft braucht es schlicht Glück mit dem Busfahrer. Auf Strecken, auf denen die Haltestellen ohnehin dicht beieinanderliegen, würde ich persönlich nicht noch einmal versuchen, zwischen zwei Stops auszusteigen. Würden viele Fahrgäste dieses Angebot zudem regelmäßig nutzen, käme der Fahrplan wohl schnell ins Wanken. Die Idee hinter dem Konzept ist grundsätzlich gut, doch wie praktikabel sie im Alltag wirklich ist, bleibt für mich nach meinem Test fraglich.

Die BVG erklärte auf Anfrage, dass das Angebot „zur Erhöhung der nächtlichen Sicherheit“ weiterhin besteht und fester Bestandteil der Fahrerschulungen ist. Jeder Fahrgast kann dem Busfahrer einen Haltewunsch mitteilen. Ob dieser erfüllt wird, entscheidet allerdings der Fahrer selbst.