BVG-Fahrgäste sollen Kosten tragen: CDU will Zugangskontrollen für die U-Bahn

In vielen europäischen Großstädten gibt es sie schon: Zugangssperren an den U-Bahnhöfen. Meist handelt es sich um hüfthohe Schleusen, die sich nur mit einem Ticket öffnen lassen. In London etwa ist das so, oder in Mailand – in Berlin nicht.

Bei der BVG werden die Tickets noch von Kontrolleuren begutachtet. Wenn es nach der Hauptstadt-CDU geht, wird sich das aber bald ändern. Auch Berlin soll die Schleusen bekommen. Die Passagiere selbst sollen dafür zur Kasse gebeten werden.

BVG: Bald Zugangssperren bei der U-Bahn?

Dirk Stettner, Fraktionschef der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, traut den Zugangssperren an U-Bahnhöfen mehr zu, als nur eine bessere Ticketkontrolle. „Wir glauben, dass es für die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Stadt gut wäre, wenn wir das U-Bahnsystem durch Zugangskontrollen sicherer machen“, sagte er am Montag (13. Oktober).

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Das Konzept hat die CDU-Fraktion bereits dem Koalitionspartner SPD rüberschickt. Am Montag wurde auch die Öffentlichkeit informiert – inklusive der zu erwartenden Kosten. Diese belaufen sich laut der CDU-geführten Senatsverwaltung für Verkehr auf rund 400 Millionen Euro für Einbau und Betrieb über einen Zeitraum von zehn Jahren. Immerhin gibt es in Berlin 175 U-Bahnhöfe mit zahlreichen Eingängen.

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Keine Illusionen macht Stettner bei der Verteilung der Kosten für seinen Mammut-Plan. Denn eine Finanzierung aus dem Haushalt sehe er nicht, stellte er klar. Die Kosten sollten die Fahrgäste über höhere Ticketpreise tragen. Die kosten pro Ticket würden aber „im Cent-Bereich“ liegen. Schließlich ließe sich auch Geld dadurch sparen, dass es mit Zugangsbeschränkungen weniger Vandalismusschäden gebe.

BVG: Teurere Tickets für Zugangssperren?

Stettner: „Wenn ich für einige Cent mehr das U-Bahnsystem sauber und sicher machen kann, würde ich diese Frage gerne den Berlinern stellen.“ Wie viele Cent genau die Berliner pro Ticket für das Versprechen von Sauberkeit und Sicherheit berappen müssen, sagte Stettner nicht. Sicher ist, dass die Preise für Einzelfahrten in den vergangenen Jahren bereits stark gestiegen sind. Im Jahr 2015 kostete die Einzelfahrt noch 2,70 Euro, ab dem kommenden Jahr sollen es 4 Euro sein.

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Bei der SPD ist man übrigens weniger optimistisch als bei der CDU. Der verkehrspolitische Sprecher der Sozialdemokraten, Tino Schopf, sagte dem „Tagesspiegel“: „Wir müssen uns darüber unterhalten, wie wir die U-Bahnhöfe sauber halten und sicher machen. Aber neue Drehkreuze haben da keine Priorität.“ Er verwies auf zahlreiche Hürden beim Einbau wie etwa den Denkmalschutz. Den Vorstoß des Koalitionspartners bezeichnete er als „Nebelkerze“.

Auch die BVG reagierte eher zurückhaltend auf den Vorstoß. So würden Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass Zugangssperren nicht automatisch zu mehr Sicherheit oder weniger Vandalismus führen würden, erklärte ein Sprecher dem Blatt. Zudem seien viele Stationen zu schmal oder statisch nicht auf den Einbau von Sperren ausgelegt. Der Berliner Fahrgastverband Igeb erklärte gegenüber der Zeitung: „Wir lehnen das ganz klar ab.“ Grund dafür sind Bedenken in Sachen Barrierefreiheit.