Neues Mega-Museum in Ägypten – muss Berlin jetzt die Nofretete hergeben?

Gizeh ist in den Schlagzeilen derzeit präsent wie selten. Kein Wunder, die Regierung hat mehr als 20 Jahre lang ein Museum der Superlative bauen lassen – und das quasi direkt neben die berühmten Riesenpyramiden. Jetzt könnte der Bau auch für ein Museum in Berlin zum Thema werden.

Denn im Neuen Museum im Herzen der Hauptstadt wird mit der Büste der Nofretete einer der bekanntesten Kunstschätze Ägyptens gezeigt. Seit Jahren gibt es eine Kontroverse darum, ob das Kunstwerk zurückgegeben werden sollte. Die entbrennt nun aufs Neue.

Museum in Berlin: Wem gehört Nofretete?

Die farbig bemalte Kalksteinbüste ist fast 3.400 Jahre alt. 1912 wurde sei bei deutschen Ausgrabungen entdeckt und nach Berlin gebracht. Aus juristischer Perspektive der damaligen Zeit ein offiziell ausgeführter Akt – doch kann das Recht aus kolonialistischen Verhältnissen auch heute noch Anwendung finden?

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Eine Rückgabe war aus Sicht deutscher Behörden nie ein Thema. Als Grund wurde auch genannt, dass ein so wertvolles Objekt in Ägypten womöglich nicht so sicher wäre wie in einem Berliner Museum. Der Neubau in Gizeh dürfte nun zumindest dieses Argument verstummen lassen. Denn das monumentale Museum ist mit allen Schikanen moderner Architektur ausgestattet.

Zustand zu schlecht?

Zöge die Nofretete aus dem Berliner Museum nach Gizeh, müsste die Hauptstadt auf ein bedeutendes Kulturgut verzichten. Doch dass es soweit kommt, ist derzeit nicht abzusehen. Zum einen besuchte der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Eröffnung des Museums in Gizeh, ohne dass die Nofretete thematisiert worden wäre. Zum anderen ist die Büste nicht im besten Zustand für einen Transport.

Einem Bericht von „BR24“ zufolge ist die Nofretete so fragil, dass sie nicht auf Reisen gehen dürfe. Leihanfragen werden vom Neuen Museum konsequent abgelehnt. Seit 1913 hat die Büste Berlin nicht mehr verlassen. Dass sie es je tun wird, gilt unter Experten als unwahrscheinlich.