Millionen Liter Grundwasser, niedrige Gebühren und ein lukratives Geschäft! Große Getränkehersteller dürfen in Deutschland gewaltige Wassermengen fördern. Besonders brisant: Während Verbraucher hohe Preise zahlen, kommen Unternehmen wie Coca Cola, Lidl, Red Bull deutlich günstiger davon.
Dabei ist die Lage vielerorts angespannt. Trotz jüngster Regenfälle bleiben die Grundwasserstände in Teilen Deutschlands niedrig. Betroffen sind unter anderem Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern. Eine Recherche der Verbraucherorganisation Foodwatch zeigt nun, wie Coca Cola, Lidl, Red Bull und andere Unternehmen davon profitieren.
📌 Wem gehört eigentlich das Grundwasser? Grundwasser ist Allgemeingut: In Deutschland gehört Grundwasser nicht automatisch dem Grundstückseigentümer. Es unterliegt dem Schutz des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG). Förderung braucht eine Erlaubnis: Wer gewerblich größere Mengen Grundwasser entnehmen möchte, benötigt grundsätzlich eine wasserrechtliche Erlaubnis oder Bewilligung der zuständigen Behörde. Wasser ist nicht gleich Wasser: Mineralwasser und Leitungswasser unterliegen unterschiedlichen gesetzlichen Vorschriften. Natürliches Mineralwasser muss beispielsweise aus einem unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen stammen. Wasserknappheit ist regional: Deutschland verfügt insgesamt über beträchtliche Wasserressourcen. Entscheidend ist aber, wo und wann Wasser verfügbar ist. Trockenperioden können einzelne Regionen besonders stark belasten. Wasserschutzgebiete haben besondere Regeln: In ausgewiesenen Schutzgebieten gelten zusätzliche Einschränkungen, um Trinkwasserressourcen vor Verunreinigungen und anderen Gefahren zu bewahren.
Coca Cola, Lidl, Red Bull: Kritik wächst
Foodwatch untersuchte 61 Produktionsstätten von 15 Getränkeherstellern. Das Ergebnis überrascht: 39 Standorte liegen in Regionen, denen Wasserknappheit droht oder die bereits betroffen sind. Dennoch dürfen die Firmen dort weiterhin Grundwasser fördern.
Hinzu kommt ein weiteres Problem. Viele Genehmigungen gelten jahrzehntelang, manche sogar unbefristet. Selbst bei zunehmender Trockenheit bleiben die Entnahmerechte bestehen. Auch die Gebühren unterscheiden sich erheblich. In Nordrhein-Westfalen kostet ein Kubikmeter fünf Cent. Hessen und Thüringen erheben bislang keine entsprechende Abgabe.
Besonders deutlich wird der Unterschied in Mönchengladbach. Dort darf Coca-Cola jährlich 800 Millionen Liter Grundwasser fördern. Die Genehmigung gilt für 20 Jahre. Pro Kubikmeter zahlt das Unternehmen fünf Cent. Privatkunden müssen dagegen 1,96 Euro netto für dieselbe Menge Trinkwasser bezahlen.
Unternehmen profitieren gewaltig
Auch die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl gehört, profitiert von niedrigen Gebühren. Ihre Tochter MEG darf in Jessen jährlich mehr als eine Milliarde Liter entnehmen. Dafür fallen sieben Cent pro Kubikmeter an. Einwohner zahlen hingegen 1,56 Euro netto.
Weitere betroffene Standorte gibt es in Brandenburg und Schleswig-Holstein. In Baruth fördern Red Bull und Rauch Fruchtsäfte Wasser. Auch Refresco entnimmt in mehreren Regionen Grundwasser. Die Debatte um Coca Cola, Lidl, Red Bull und andere Hersteller dürfte damit weitergehen.
Die Unternehmen verweisen auf Kontrollen und Schutzmaßnahmen. Der Verband Deutscher Mineralbrunnen widerspricht der Kritik und betont die Einhaltung des Wasserrechts. Ein direkter Zusammenhang zwischen industrieller Förderung und örtlicher Wasserknappheit sei schwer nachzuweisen. Foodwatch fordert dagegen strengere Regeln, einheitliche Gebühren und mehr Transparenz bei den Fördermengen.
