Rewe kennt jeder aus dem Alltag, an der Kasse, beim Wocheneinkauf, in der Werbung. Doch wer hinter den roten Logos die Fäden zieht, wissen die wenigsten Kunden. Der Konzern ist keine gewöhnliche Aktiengesellschaft, sondern eine Genossenschaft mit einer verschachtelten Machtstruktur. An der Spitze steht ein Vorstandschef, doch echte Macht verteilt sich auf mehrere Schultern.
Die Rewe Group beschäftigt weltweit rund 384.000 Menschen, davon mehr als 280.000 in Deutschland. Im Jahr 2025 erwirtschaftete der Konzern einen Gesamtaußenumsatz von über 100 Milliarden Euro. Solche Zahlen wecken die Frage, wer über ein Unternehmen dieser Größenordnung tatsächlich bestimmt.
📌 Rewe Der Name REWE geht auf die Gründung im Jahr 1927 als „Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften eG“ zurück. Neben dem Lebensmittelhandel gehört auch die Touristiksparte mit DER Touristik zum Konzernportfolio. Die Rewe Group ist neben Deutschland in mehr als 20 weiteren Ländern aktiv. Zum Vorstand zählen neben Lionel Souque unter anderem ein stellvertretender Vorsitzender sowie Bereichsvorstände für Finanzen, Personal, Einkauf und Digitalisierung. Auch der Discounter Penny gehört zur genossenschaftlichen Struktur des Konzerns und wird international betrieben.
Lionel Souque lenkt die Geschäfte
An der operativen Spitze steht seit Juli 2017 Lionel Souque. Der gebürtige Franzose kam bereits 1996 zu Rewe und arbeitete sich über Stationen bei Penny und Billa nach oben. Sein Vertrag als Vorstandsvorsitzender wurde inzwischen bis Ende 2028 verlängert.
Souque betont gerne die genossenschaftliche Kultur des Unternehmens, auch wenn Rewe längst ein globaler Konzern ist. Wie die „IHK Reutlingen“ in einem Interview mit ihm dokumentiert, verteidigte er dort ausführlich das genossenschaftliche Prinzip als Erfolgsfaktor und sprach über die Grenzen künftigen Wachstums.
Genossenschaft statt klassischer Konzern
Anders als bei Aldi oder Lidl gehört Rewe nicht wenigen Eigentümerfamilien. Der Konzern ist als zweistufige Genossenschaft organisiert. Auf der einen Ebene stehen fünf Regionalgenossenschaften sowie die FürSie eG, auf der anderen Ebene arbeiten Vorstand, Aufsichtsrat und Geschäftsleitung.
Diese Struktur reicht bis in die Gründungszeit zurück und prägt bis heute Entscheidungen im Konzern. Wie die „Rewe Group“ selbst beschreibt, sollen dieses Modell und mehr als 1.800 selbstständige Kaufleute Unabhängigkeit und Selbstbestimmung sichern.
Kaufleute halten die Fäden
Über 2.000 Rewe-Märkte werden von Selbstständigen geführt, die nicht einfach Angestellte sind, sondern Unternehmer vor Ort mit eigener Verantwortung. Gleichzeitig sind sie über die Genossenschaftsstruktur an den zentralen Entscheidungen beteiligt. Dieses Modell verschafft ihnen realen Einfluss auf die Ausrichtung des Konzerns.
Sie wählen Vertreter in die genossenschaftlichen Gremien und wirken damit indirekt auf Personalentscheidungen und strategische Weichenstellungen ein. Macht bei Rewe verteilt sich deshalb nicht nur an der Konzernspitze, sondern auch in der Fläche. Genau diese Doppelstruktur unterscheidet Rewe von klassisch geführten Handelskonzernen.
Machtkämpfe prägten die Geschichte
Ruhig war es an der Rewe-Spitze nicht immer. In den 2000er-Jahren lieferte sich der damalige Vorstandschef Alain Caparros einen offenen Machtkampf mit dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Burghard. Caparros setzte sich am Ende durch, wie die „FAZ“ schilderte, und Burghard räumte daraufhin seine Aufsichtsratsposten.
Auch der Übergang von Caparros zu Souque verlief nicht ganz reibungslos. Ursprünglich sollte Caparros bis 2018 bleiben, trat aber bereits Mitte 2017 zurück. Die „Wirtschaftswoche“ berichtete, Caparros habe selbst um die vorzeitige Beendigung seines Mandats gebeten, um einen möglichst reibungslosen Wechsel zu ermöglichen.
Neuer Aufsichtsratschef seit 2025
Auch das Kontrollgremium hat sich zuletzt verändert. Im Juni 2025 übergab der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Erich Stockhausen sein Amt an seinen Nachfolger Stefan Lenk. Nach zehn Jahren an der Spitze des Aufsichtsrats zog sich Stockhausen zurück und übertrug die Verantwortung an einen engen Wegbegleiter.
Der Aufsichtsrat bildet das Gegengewicht zum Vorstand und kontrolliert dessen Entscheidungen im Sinne der Genossenschaft. Wie die Rewe Group in einer „Pressemitteilung“ bekannt gab, soll Lenk den eingeschlagenen Kurs des Unternehmens fortführen.
Wer also führt Rewe wirklich? Die Antwort fällt komplexer aus als bei den meisten Handelskonzernen. Lionel Souque bestimmt als Vorstandschef das Tagesgeschäft, der Aufsichtsrat um Stefan Lenk übt Kontrolle aus, und tausende selbstständige Kaufleute sichern sich über die genossenschaftliche Struktur ihren Einfluss. Macht bei Rewe verteilt sich damit auf mehrere Ebenen statt auf eine einzelne Person.
Der Gang zur Bank ist längst nicht mehr nötig um Geld abzuheben. Auch in Supermärkten geht das. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten.
