Ludwigshafener „Tatort“ erzürnt Zuschauer – „Nach 10 Minuten schon die Nase voll“

Am Sonntag (9. November) zeigt die ARD den neuen „Tatort“ aus Ludwigshafen mit dem Titel „Mike & Nisha“. Und eines ist schon vorab sicher: Dieser „Tatort“ wird Diskussionen auslösen. Der neue Fall mit Kult-Kommissarin Ulrike Folkerts ist kein Krimi, den man einfach konsumiert, sondern ein Film, der unter die Haut geht. Dieser „Tatort“ ist intensiv, brutal und anders als das, was man unter einem klassischen „Tatort“ versteht. Kein klassischer Whodunit, keine Spurensuche, kein Ratespiel. Schon nach elf Minuten ist klar, wer die Täter sind – und doch fesselt die Frage: Warum ist es passiert?

Im 83. Fall von Lena Odenthal und Johanna Stern (Lisa Bitter) stehen zwei junge Gesichter im Mittelpunkt: Amina Merai (bekannt aus „SOKO Stuttgart“) und Jeremias Meyer („Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“). Sie spielen ein Paar, das im Affekt tötet und danach verzweifelt versucht, seine Tat zu vertuschen. Der Film hat auf seine Art das Zeug zum Psychothriller mit Horror-Elementen!

„Tatort“: Kein „Wer war’s?“ – sondern „Warum?“

„Mike & Nisha“ verzichtet konsequent auf das gewohnte Krimi-Muster. Hier geht es nicht um Beweise oder Ermittlungsarbeit, sondern um menschliche Abgründe. Mike und Nisha besuchen Mikes Eltern, um gute Nachrichten zu verkünden: Hochzeit und Schwangerschaft. Doch was als Familienessen beginnt, endet im Desaster. Beleidigungen, Wut, Verzweiflung – Sekunden später liegen beide Elternteile tot am Boden.

+++ „Tatort“-Zuschauer vor Ludwigshafen-Krimi deutlich: „Habt ihr Angst um eure Einschaltquoten?“ +++

Autorin Annette Lober erklärt gegenüber „Bild„: „In dieser Geschichte ist jeder Täter und jeder Opfer. Nichts an der Tat ist Kalkül – alles ein verzweifeltes Reagieren auf eine feindliche Außenwelt.“ Der Film zwingt die Zuschauer, mitzudenken, mitzufühlen, und sich zu fragen, wie weit man selbst in einer solchen Situation gehen würde.

Ein Regisseur, der Grenzen verschiebt

Regisseur Didi Danquart („Offset“) wagt viel – und liefert ein ungewöhnlich stilles, aber intensives Psychodrama. „Wir haben das Narrativ erweitert“, sagt er. „Es geht nicht nur um Schuld, sondern auch darum, wer den Affekt provoziert hat.“ Statt lautem Spektakel setzt Danquart auf Nähe, Blicke, Zwischentöne und schafft damit eine bedrückende, fast klaustrophobische Atmosphäre.

Für Ulrike Folkerts, die seit 1989 als Lena Odenthal ermittelt, bleibt auch dieser Fall etwas Besonderes. „Niemals hätte ich gedacht, dass ich die Rolle so lange spielen würde“, sagte sie während des Drehs. „Heute bin ich stolz auf das, was ich mit dieser Figur und meinem Tatort aus Ludwigshafen geschaffen habe.“ An Ruhestand denkt sie noch lange nicht: „Ich wünsche mir noch viele gute Geschichten mit Lena Odenthal und Johanna Stern.“

Der Film wagt, was der „Tatort“ selten tut: Er verzichtet auf klare Schuldzuweisungen und öffnet Raum für Diskussion. Eine solche Abweichung vom Altbewährten kann sich sowohl als ein absoluter Volltreffer, aber auch als totales Desaster entpuppen. Auf Facebook herrscht sowohl vor als auch während der Ausstrahlung eine hitzige Diskussion – mit eindeutigem Ergebnis.

Kommentare wie „So ein überzogener Mist. Da hat man nach 10 Minuten schon die Nase voll. So schnell ging es selten“, „Wer schreibt solche Drehbücher? Bekommen die Geld dafür? Lasst doch das nächste Drehbuch von Chat GPT schreiben das kostet nichts und kann nur besser werden“ und „Würde man davon ausgehen, dass jemand zum ersten mal Tatort schaut, dann müsste man davon ausgehen, dass jemand zum letzten Mal Tatort schaut“, bringen deutlich zum Ausdruck, dass die Folge bei der Mehrheit der Zuschauer durchgefallen ist.