Nach der Schule nur Bürgergeld? Lehrer: „Vielen Schülern ist es völlig wurscht“

Jonas Schreiber liebt seinen Lehrerjob, doch seine täglichen Erfahrungen machen ihm spürbar zu schaffen. Im Gespräch mit „Welt“ gesteht er: „Ich mache meinen Job als Lehrer super gerne. Aber wenn es noch 40 Jahre so weiterläuft wie bisher, gehe ich daran kaputt.“

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Er erklärt offen, warum ihn gerade seine Schüler frustrieren. Laut Schreiber fehlt vielen Jugendlichen jede Motivation. Manche sagen ihm direkt ins Gesicht, dass sie keinen Unterricht wollen und sowieso nicht zuhören. Termine für Präsentationen lassen sie verstreichen und kassieren lieber eine Sechs.

Bürgergeld wird für Schüler zur entspannten Alternative

Auch im Sportunterricht verweigern sich viele. Sie laufen nicht, spielen nicht und holen sich lieber schlechte Noten. Schreiber sieht darin ein größeres gesellschaftliches Problem. Er sagt, viele Schüler merkten, dass Angestellte mit Mindestlohn kaum mehr haben als Menschen mit Bürgergeld.

Diese Sicht übertragen manche direkt auf ihr Leben. „Vielen Schülern ist es völlig wurscht, was nach der Schule kommt“, so der Lehrer. Einige kündigen sogar an, später selbst Bürgergeldempfänger zu werden. Schreiber macht diese Aussagen sprachlos. Er fragt sich, wie junge Menschen ohne Plan und Antrieb ihren Weg finden sollen. Bürgergeld wird für einige fast zu einer vermeintlich bequemen Zukunft.

Gleichzeitig beobachtet der Lehrer massive Defizite beim Lesen. Schon kurze Texte überfordern viele. Eine Kollegin führte sogar ein Vokabelheft ein, weil grundlegende Wörter wie Dackel oder Weide unbekannt waren. Für Schreiber ist das ein alarmierender Hinweis auf eine wachsende Bildungslücke.

Keine Identifikation mit Deutschland

Auch Identitätssorgen prägen seinen Schulalltag stark. Eine Schülerin fürchtete plötzlich ihre Abschiebung, obwohl sie in Deutschland geboren wurde. Laut Schreiber verbreitete eine Lehrerin unreflektiert Aussagen, die sie aus Medien über eine Partei kannte, statt das Wahlprogramm mit den Jugendlichen durchzugehen.

Viele Schüler hätten zudem einen deutschen Pass, fühlten sich aber trotzdem nicht deutsch. Sie sehen sich als Syrer, Afghanen oder Albaner, obwohl sie ihre Herkunftsländer oft nie besucht haben. Schreiber spricht lange mit ihnen und erklärt, warum ihre Familien in Deutschland leben.

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