Petition: New Yorks Bürgermeister soll nicht an 9/11-Gedenken teilnehmen – weil er Muslim ist

25 Jahre sind vergangen, seit zwei Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers flogen und New York für immer veränderten. An diesem Freitag werden am Ground Zero wieder die Namen der fast 3.000 Menschen verlesen, die am 11. September 2001 getötet wurden. Es ist ein Ritual, bei dem die Politik traditionell in den Hintergrund tritt.

Ausgerechnet in diesem Jahr wird darüber gestritten, welcher Politiker dort überhaupt stehen darf. Mehr als 100.000 Menschen haben eine Petition unterzeichnet, die New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani vom offiziellen 9/11-Gedenken ausschließen will. Mamdani ist Demokrat, bezeichnet sich als demokratischen Sozialisten – und ist der erste Muslim an der Spitze der Stadt.

Die Forderung trifft damit einen empfindlichen Punkt in New Yorks Geschichte. Nach den islamistischen Anschlägen von 2001 wurden Muslime in der Stadt über Jahre mit Misstrauen, Überwachung und Anfeindungen konfrontiert. Ein Vierteljahrhundert später regiert erstmals ein Muslim das Rathaus. Für die einen ist das ein Zeichen dafür, wie sehr sich New York verändert hat. Für andere ist gerade seine Teilnahme am 11. September schwer zu akzeptieren.

📌 Muslime in New York nach 9/11 Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nahm der Druck auf muslimische Gemeinden in New York massiv zu. Muslime wurden häufiger Ziel von Anfeindungen und gerieten unter Terrorverdacht. Sicherheitsbehörden überwachten zeitweise sogar Moscheen und muslimische Gemeinschaften. 25 Jahre später steht mit Zohran Mamdani erstmals ein Muslim an der Spitze New Yorks. Genau dieser historische Gegensatz macht die Debatte um seine Teilnahme am 9/11-Gedenken so aufgeladen.

Seine Frau starb im Nordturm

Zu ihnen gehört Giovanni Galante. Seine Frau Grace Catherine Galante arbeitete am Morgen des 11. September im Nordturm. Sie wurde 29 Jahre alt. Ihre sterblichen Überreste wurden nie gefunden. Galante kehrt jedes Jahr zum Ground Zero zurück. Zum 25. Jahrestag gehört er nun zu denen, die Mamdani dort nicht sehen wollen.

Hinter der Petition steckt allerdings mehr als die Tatsache, dass der Bürgermeister Muslim ist. Kritiker werfen Mamdani politische Positionen und Personalentscheidungen vor, die sie mit dem Gedenken für unvereinbar halten. Seine Haltung zu Israel sorgt seit Langem für Streit. Hinzu kommt Kritik an Personen aus seinem politischen Umfeld. Galante selbst formuliert seine Ablehnung deutlich. Gegenüber „ZDFheute“ sagte er: „Du kannst ja als Muslim ruhig deiner Religion nachgehen.“ Was er ablehne, sei, „im Land anderer Leute“ bestimmen zu wollen, wie diese zu leben hätten.

Nur ist Mamdani kein Gast in diesem Land. Er kam als Kind aus Uganda in die Vereinigten Staaten und ist amerikanischer Staatsbürger. Inzwischen ist er Bürgermeister der größten Stadt des Landes.

Für andere New Yorker bedeutet Mamdani etwas völlig anderes

Gerade darin liegt der zweite Teil dieser Geschichte. Während manche Hinterbliebene seine Anwesenheit am Ground Zero als Provokation empfinden, verbinden andere mit seiner Wahl etwas, das nach 2001 lange kaum vorstellbar schien.

Muslimische Gemeinden wurden nach den Anschlägen verstärkt überwacht. Moscheen gerieten ins Visier der Behörden, Menschen wurden wegen ihres Glaubens oder ihrer Herkunft angefeindet. Der islamistische Terror hatte nicht nur Tausende Menschen getötet. Er veränderte auch das Leben vieler Muslime, die mit den Tätern nichts zu tun hatten.

Die New Yorker Aktivistin Linda Sarsour, deren Eltern aus Palästina in die USA kamen, erlebte diese Zeit als junge Studentin. Heute unterstützt sie Mamdani. Dass nun infrage gestellt wird, ob ein gewählter Bürgermeister am Gedenken seiner eigenen Stadt teilnehmen darf, trifft sie. „Es ist traurig, dass wir immer noch diesem Hass gegenüberstehen“, sagte sie „ZDFheute“.

Mamdani will am Ground Zero stehen

Der Bürgermeister selbst versucht, den Streit nicht zum Mittelpunkt des Tages werden zu lassen. „Ich denke, der Fokus des Gedenkens sollte auf den New Yorkern liegen, die an dem Tag ermordet wurden“, sagte Mamdani. Ebenso auf ihren Familien, den Überlebenden und den Ersthelfern. Sein entscheidender Satz folgt danach: „Um Politiker sollte es dabei nicht gehen.“ Fernbleiben will er deshalb nicht.

Damit dürfte Mamdani am 11. September dort stehen, wo auch seine Vorgänger standen. Reden wird er bei der traditionellen Zeremonie nicht halten. Beim Gedenken werden die Namen der Opfer verlesen, während die anwesenden Politiker schweigen.