Streikdrohung wegen Gewalt in Zügen: Jetzt macht auch der Bundestag Druck auf die Merz-Regierung

Die Bahngewerkschaft EVG droht mit Streiks. Erst einmal nichts Ungewöhnliches. Doch dabei geht es nicht etwa um Lohnerhöhungen oder mehr Urlaubstage, sondern um ein politisches Thema. Sollte die Politik die Sicherheit von Zugbegleitern und Zugbegleiterinnen nicht verbessern, stehen die Züge im Nahverkehr still, und das schon ab Januar.

Jetzt äußert sich die Opposition dazu. Grünen-Politiker Matthias Gastel findet deutliche Worte an die Bundesregierung: „Die Koalition muss sagen, was sie will“, macht er gegenüber unserer Redaktion klar.

📌 So gefährlich ist es im Regionalverkehr Regionalverkehr am stärksten betroffen: Die Hälfte aller Angriffe auf Bahnpersonal entfällt laut einem DB-Sprecher auf den Regionalverkehr, deutlich mehr als im Fernverkehr. Steigende Fallzahlen: In Hessen etwa nahmen die angezeigten Gewaltdelikte im Regionalverkehr im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 25 Prozent zu (von 42 auf mehr Fälle). Einzelbesetzung als Risikofaktor: Zugbegleiter im Regionalverkehr sind bei Kontrollen häufig allein unterwegs, ohne Sicherheitsbegleitung.

Gewalt gegen Zugpersonal der Deutschen Bahn nimmt zu

Konkret geht es um ein Gesetz, das härtere Strafen bei Angriffen auf Zugpersonal vorsehen soll. „Das versprochene Gesetz für härtere Strafen bei Angriffen auf Zugpersonal muss noch in diesem Jahr in den Bundestag, sonst legen wir im Januar den Betrieb lahm“, sagte EVG-Chef Martin Burkert der „Bild am Sonntag„.

Hintergrund ist eine erschreckende Entwicklung im Bahnalltag. Von Januar bis Oktober 2025 wurden bereits rund 3.000 Bahn-Mitarbeiter körperlich attackiert, in diesem Jahr wurden allein in den ersten fünf Monaten 1.630 Beschäftigte Opfer von Angriffen. Das sind im Schnitt 5,5 Angriffe pro Tag. Die Deutsche Bahn selbst zählt sogar 8 Angriffe pro Tag.

Grüne sehen „dringenden Handlungsbedarf“

Auslöser der aktuellen Debatte war der Tod von Serkan Çalar. Der 36-jährige Zugbegleiter wurde bei einer Fahrscheinkontrolle in einem Regionalzug bei Landstuhl von einem Fahrgast ohne Ticket krankenhausreif geschlagen und starb wenig später an seinen Verletzungen.

Matthias Gastel, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestags, sieht hier dringenden Handlungsbedarf: „Die Zunahme an Aggression und Gewalt gegenüber Personal in den Zügen, aber auch gegenüber Angehörigen von Rettungsdiensten und der Polizei, ist erschreckend. Ich wünsche mir, dass die Gerichte die rechtlichen Spielräume beim Strafmaß häufiger ausschöpfen“, erklärt er gegenüber unserer Redaktion.

Koalition schweigt zu ihren Plänen

Eigentlich hatte die Regierungskoalition eine Verschärfung der Strafen in Aussicht gestellt. Passiert ist seither jedoch wenig, zumindest nicht öffentlich sichtbar. „Die Regierungskoalition hat nach der schrecklichen, tödlichen Attacke auf einen Bahnmitarbeiter eine Strafverschärfung in Aussicht gestellt. Inzwischen ist mehr als genügend Zeit für die Klärung vergangen, und die Öffentlichkeit hat ein berechtigtes Interesse, genaue Pläne zu erfahren. Die Koalition muss sagen, was sie will“, kritisiert Gastel.

Wie es um das Gesetzgebungsverfahren tatsächlich steht, bleibt selbst für Fachpolitiker schwer einzuschätzen. Auf Nachfrage unserer Redaktion, ob sich der Verkehrsausschuss demnächst mit dem Vorhaben befassen werde, konnte sich Gastel nicht äußern: Zur Befassung im Ausschuss könne er nichts sagen, da der Fortgang des Gesetzgebungsverfahrens seitens der Ministerien und innerhalb der Koalition unklar sei.

Mehr als nur härtere Strafen gefordert

Für Gastel greift eine reine Strafverschärfung allerdings ohnehin zu kurz. Er fordert ein umfassenderes Sicherheitskonzept: „Neben härteren Sanktionen gegen Gewalttäter braucht es auch eine Verbesserung bei der Sicherheit und beim Sicherheitsgefühl an Bahnhöfen und in Zügen. Dafür braucht es mehr Präsenz der Bundespolizei und der DB-Sicherheit. In den Verkehrsverträgen für die Regionalverkehre sollte auf Personalvorgaben geachtet werden, um häufiger Doppelbesetzungen möglich zu machen.“ Damit spricht er einen Punkt an, der über symbolische Gesetzesverschärfungen hinausgeht: die tatsächliche Präsenz von Sicherheitspersonal im täglichen Betrieb.

Für Bahnreisende könnte es in den kommenden Monaten also durchaus turbulent werden. Sollte die Koalition ihre Pläne nicht zügig konkretisieren und das Gesetz nicht rechtzeitig auf den Weg bringen, droht Pendlern schon im Januar ein Streik.