Am Mittwoch (26. August) spielten sich bemerkenswerte Szenen in Moskau ab. Erstmals seit dem Überfall auf die Ukraine 2022 erschien der „Außenminister“ des Vatikans, Erzbischof Paul Richard Gallagher, in Moskau. Er traf sich mit Putins Außenminister Sergej Lawrow und warb um ein Ende des Krieges. Der Heilige Stuhl sei besorgt über die jüngsten Gewalteskalationen und Papst Leo XIV. biete sich als Vermittler für „echte Verhandlungen“ an.
Doch nicht nur der Vatikan schickte einen hohen Gesandten. Auch CIA-Boss John Ratcliffe tauchte überraschend in der russischen Hauptstadt auf. Offenbar im Auftrag Trumps. Zuletzt war ein CIA-Chef 2021 in Moskau. Nun gibt es besorgniserregende Medienberichte über den Hintergrund des Besuchs.
📌 Mehr über die CIA Voller Name: Central Intelligence Agency. Es ist der Auslandsgeheimdienst der USA und ist direkt Präsident Trump unterstellt. Gegründet wurde der Dienst 1947. Rund 22.000 Mitarbeiter arbeiten für den CIA. Hauptquartier ist in Langley (Virginia). Durch Spionage und Quellen im Ausland werden Informationen gewonnen. In Lageberichten für die US-Regierung werden diese analysiert. Zudem führt die CIA verdeckte Operationen im Auftrag des Präsidenten durch. Zu den umstrittensten und bekanntesten CIA-Aktionen gehöen die Aufrüstung der Mudschaheddin gegen die sowjetischen Besatzer in Afghanistan (1979-1989), die Absetzung des demokratisch gewählten Sozialisten Präsidenten Salvador Allendes in Chile (1973) sowie die gescheiterte Invasion in der kubanischen Schweinebucht 1961.
US-Medien berichten übereinstimmend von Warnung an Putin-Regime
Offiziell weiß niemand, warum Ratcliffe da war. Auch ob er direkt mit Präsident Putin gesprochen hat, ist unklar. Doch in der US-Presse und unter Experten gibt es eine eindeutige Theorie. So berichten das „Wall Street Journal“ und das Magazin „Politico“ unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen, dass Ratcliffe Russland vor einem Angriff auf NATO-Staaten gewarnt haben soll. Demnach könnte der CIA-Mann die russische Gegenseite offen über den Informationsstand seines Geheimdienstes informiert haben, um gleichzeitig davor zu warnen, diesen Schritt zu gehen.
Genau das hält auch der CDU-Sicherheitsexperte Roderich Kiesewetter für möglich. Gegenüber t-online.de erklärte der Bundestagsabgeordnete: „Dass CIA-Chef Ratcliffe zum jetzigen Zeitpunkt das Gespräch in Moskau sucht, lässt mich vermuten, dass auch die USA die offenkundigen Kriegsvorbereitungen Russlands zur Ausweitung des Krieges in Europa und ein mögliches begrenzt militärisches Vorgehen ernst nehmen.“ Und weiter: „Ratcliffe könnte also versuchen, Russland vor einem solchen Vorgehen zu warnen und somit Abschreckung zu demonstrieren.“
Plant Putins Kreml eine Generalmobilmachung im Herbst?
Schon vor wenigen Wochen berichtete das „Wall Street Journal“, dass der Auslandsgeheimdienst CIA zu einer Neueinschätzung der Bedrohungslage gekommen ist. Bislang ging man davon aus, dass Putin keine gleichzeitige Attacke auf die NATO starten würde, solange der Ukraine-Krieg noch läuft. Nun hält man laut Analysen einen solchen Schritt im Zeitraum Herbst 2026 bis 2029 für möglich. Putin könne die NATO provozieren und testen wollen. Hinzu kommen Gerüchte über eine Generalmobilmachung in Russland nach den Duma-Wahlen im September.
Bislang sind das alles Spekulationen. Aber die übereinstimmenden Berichte in gut informierten US-Medien und die derzeitige Kriegslage lassen solche Befürchtungen realistisch erscheinen.
