Ein Korruptionsskandal erschüttert die Ukraine und bringt Präsident Wolodymyr Selenskyj in eine heikle Lage. Im Zentrum der Affäre steht der Geschäftsmann Tymur Minditsch, ein langjähriger Freund des Präsidenten. Laut Ermittlungen des Nationalen Antikorruptionsbüros NABU sollen über 100 Millionen US-Dollar veruntreut worden sein. Minditsch hat sich inzwischen ins Ausland abgesetzt. Das berichtet ntv.
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Die „Operation Midas“, benannt nach dem sagenhaften König, der alles zu Gold machte, deckt ein gigantisches Schmiergeldsystem im ukrainischen Energiesektor auf. Betroffen ist unter anderem der staatliche Atomkonzern Energoatom. Vertragspartner sollen jahrelang Bestechungsgelder gezahlt haben, um Zahlungen zu sichern oder Aufträge zu behalten.
Skandal in der Ukraine: Manipulierte Aufträge und dubiose Geldtransfers
In Mitschnitten, die NABU veröffentlichte, ist von konkreten Summen und manipulierten Aufträgen die Rede. Besonders empörend: Gespräche über angebliche „Geldverschwendung“ beim Bau von Schutzanlagen für Umspannwerke – ausgerechnet während russische Angriffe die Energieinfrastruktur der Ukraine zerstören. Ermittler sprechen von einem „Schattenmanager“, der ohne offizielle Befugnisse das System kontrollierte.
Dieser Mann soll Minditsch gewesen sein. Hinweise deuten darauf hin, dass er über Verbindungen bis in höchste Regierungskreise verfügte. Minditsch soll Einfluss auf Ex-Verteidigungsminister Rustem Umerow ausgeübt haben. Brisant: Ein Mitarbeiter der Sonderstaatsanwaltschaft SAP könnte Minditsch vorab gewarnt haben.
In Kiew kursierten seit Monaten Gerüchte über geheime „Minditsch-Aufnahmen“. Nun bestätigen sich viele davon. Die Ermittler fanden heraus, dass Gelder offenbar über ein Büro gewaschen wurden, das der Familie des Ex-Abgeordneten Andrij Derkatsch gehört – der inzwischen in Russland lebt und dort im Föderationsrat sitzt.
Selenskyj hat Verbindungen zu Minditsch
Noch brisanter: Ein Teil der Gelder soll laut Mitschnitten direkt nach Moskau geflossen sein. Minditsch, einst Weggefährte des Oligarchen Ihor Kolomojskyj und Mitbegründer von Selenskyjs TV-Produktionsfirma Kwartal 95, galt lange als wichtiger Strippenzieher im Machtapparat.
Minditsch soll auch Verbindungen zur Rüstungsfirma Fire Point gehabt haben, die Drohnen und Raketen produziert. NABU überprüft derzeit mögliche Preismanipulationen und seine mutmaßliche Beteiligung. Fire Point bestreitet jedoch jede Verbindung. Für Präsident Selenskyj ist der Fall höchst unangenehm – auch wegen seiner früheren Versuche, NABU und SAP zu schwächen.
In seiner Abendansprache betonte Selenskyj: „Alle wirksame Maßnahmen gegen Korruption sind unerlässlich. Die konsequente Bestrafung ist unabdingbar.“ Trotzdem gilt es als unwahrscheinlich, dass Minister wie Herman Haluschtschenko oder Energieministerin Switlana Hrintschuk, die in den Mitschnitten erwähnt werden, bald ihren Posten verlieren. Der Skandal dürfte die Ukraine jedoch noch lange beschäftigen.
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