Endlich abschalten und das echte Leben abseits der Bildschirme genießen. In der Reisezeit nehmen sich viele Menschen eine bewusste Pause von ihren digitalen Begleitern vor. Laut einer repräsentativen Umfrage von Bitkom Research setzt jedoch nur jeder Fünfte diesen Vorsatz in die Tat um. Genau 22 Prozent der Befragten entscheiden sich für eine solche Auszeit.
Meistens fällt der Verzicht auf das Smartphone oder Videostreaming extrem kurz aus. Lediglich 13 Prozent der Sommerurlauber planen einen einzigen Tag ohne digitale Medien ein. Für mehrere Tage wollen es immerhin fünf Prozent versuchen, während drei Prozent eine komplette Woche anpeilen. Länger halten es nur ein Prozent der Reisenden ohne ihre Geräte aus.
📌 Digital Detox Ursprung des Begriffs: „Digital Detox“ bezeichnet eine bewusste, zeitlich begrenzte Auszeit von digitalen Geräten wie Smartphone, Laptop oder Social Media. Der Begriff wurde ab etwa 2012 populär und 2013 sogar ins Oxford Dictionary aufgenommen. Wirkung auf Schlaf und Stress: Studien zeigen, dass reduzierte Bildschirmzeit – besonders vor dem Schlafengehen – die Schlafqualität verbessern kann. Grund ist unter anderem das blaue Licht von Displays, das die Produktion des Schlafhormons Melatonin hemmt. Zusammenhang mit Dopamin: Ständige Benachrichtigungen und Social-Media-Nutzung aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn (Dopaminausschüttung), was zu einem suchtähnlichen Nutzungsverhalten führen kann. Digital Detox wird daher teils als Methode genutzt, um diese Reizabhängigkeit zu durchbrechen.
Ältere Reisende zeigen mehr Durchhaltevermögen
Beim Blick auf die Altersgruppen zeigen sich deutliche Unterschiede. Von den 16- bis 29-Jährigen möchten laut den Daten von Bitkom Research nur 17 Prozent in den Sommerferien digital fasten. Bei den über 65-Jährigen liegt dieser Anteil mit 32 Prozent fast doppelt so hoch.
Von heute auf morgen das Handy komplett wegzulegen, fällt vielen Menschen enorm schwer. Das bestätigt auch die Expertin für Digital Detox, Daniela Holsboer. Niemand muss sich laut der Autorin jedoch sofort völlig abkapseln. „Das Schöne an Digital Detox ist: Es funktioniert auch in homöopathischen Dosen“, sagt Holsboer.
Simple Tricks für weniger Bildschirmzeit
Als Einstieg empfiehlt die Fachfrau ein digitales Intervallfasten. Dabei verbringt man beispielsweise 15 Minuten online und bleibt anschließend vier Stunden offline. Spezielle App-Limits unterstützen dieses Vorhaben effektiv. Gemeinsam mit der Familie klappt der Verzicht ohnehin viel besser.
Anstatt unzählige Urlaubsfotos zu knipsen, rät die Expertin zum bewussten Genießen. Oft reicht es schon aus, auf das eine oder andere Bild zu verzichten. „Wer einen Atemzug innehält, bevor er zum Handy greift, und die Frage stellt: ‚Warum?‘, wird feststellen, dass er in den allermeisten Fällen keinen wirklichen Grund dafür hat“, so Daniela Holsboer.
Gegen den ständigen Impuls helfen zudem kleine Rituale. Urlauber können sich vornehmen, ihre Mahlzeiten völlig ohne Handy zu verbringen. „Wer im Urlaub damit beginnt, das Smartphone erst nach dem Frühstück zu aktivieren, kann zu Hause auf einen normalen Wecker umsteigen und nicht mehr zu den neun von zehn Menschen gehören, die den Tag mit dem Griff zum Smartphone beginnen“, sagt die Expertin.
