Krank bei Urlaubsbeginn: Warum du diese Symptome ernst nehmen musst

Der Urlaub startet, und schon liegst du mit Kopfschmerzen im Bett. Kaum lässt der Stress nach, schlägt der Körper zu. Fachleute nennen dieses Muster Leisure Sickness, zu Deutsch etwa Freizeitkrankheit.

Wie groß das Problem ist, zeigt eine aktuelle Studie der IU. Rund 72 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland kennen das Phänomen aus eigener Erfahrung. Fast jeder Fünfte wird sogar regelmäßig am Wochenende krank.

📌 Leisure Sickness Der Begriff wurde vom niederländischen Gesundheitspsychologen Ad Vingerhoets geprägt, der das Phänomen gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Tilburg erstmals systematisch untersuchte. Die Symptome setzen meist am zweiten oder dritten freien Tag ein und klingen nach zwei bis drei Tagen wieder ab. Bei den Diagnosen dominieren virale Infekte der oberen Atemwege mit rund 65 Prozent der Fälle, gefolgt von spannungsbedingten Kopfschmerzen mit 22 Prozent und Magen-Darm-Beschwerden mit 13 Prozent.

Bei Urlaubsstart legt der Körper „die Rüstung ab“

Betroffene klagen vor allem über Müdigkeit, Schlafprobleme und Kopfschmerzen. Auch Erkältungen, Magen-Darm-Beschwerden und Migräne treten häufig auf. Der Grund liegt im Nervensystem: Unter Stress schüttet der Körper Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin aus. Fällt dieser Pegel in der Freizeit plötzlich ab, wird der Körper anfälliger für Krankheiten.

Harald Gündel leitet die Psychosomatik am Universitätsklinikum Ulm und kennt das Muster gut. „In der Psychosomatik sagen wir dazu, der Körper legt die Rüstung ab. So entsteht sozusagen ein Einfallstor für bestimmte Erkrankungen“, erklärt er gegenüber „web.de„

Ein Alarmsignal für chronischen Stress

Tritt Leisure Sickness häufig auf, steckt oft chronischer Stress dahinter, den Betroffene selbst kaum bemerken. Gündel empfiehlt daher, auf weitere Warnzeichen zu achten: „Schlafe ich schlecht, wache ich früh auf, fühle ich mich innerlich unruhiger, fühle ich mich ständig angespannt und unter Druck?“ Wer solche Anzeichen erkennt, sollte handeln.

Auch die Arbeitswelt heizt den Druck an. Laut IU-Studie leisten 80,6 Prozent der Befragten regelmäßig Überstunden. Über die Hälfte stört sich an der ständigen Erreichbarkeit nach Feierabend. Gündel erwartet durch Digitalisierung und KI künftig noch mehr Veränderungsdruck.

Nicht jeder reagiert gleich empfindlich

Manche Menschen spüren Stress erst, wenn eine Krankheit ausbricht, andere viel früher. Wer sensibel reagiert, gilt schnell als überempfindlich, dabei verarbeitet jeder Reize anders. Menschen im ADHS- oder Autismus-Spektrum sowie hochsensible Personen reagieren häufig stärker auf Druck. Auch belastende Kindheitserfahrungen können die Stressanfälligkeit später erhöhen, erklärt Gündel.

Wer merkt, dass er sensibel auf Stress reagiert, sollte persönliche Energiequellen finden und klare Grenzen setzen. Das kann heißen, zusätzliche Aufgaben abzulehnen oder aktiv eine Auszeit einzufordern.

Erholung braucht die richtige Strategie

Laut IU-Studie findet fast jeder Zweite in der Freizeit nicht genug Ausgleich. Auch stundenlanges Scrollen durch Social Media überreizt ein angespanntes Nervensystem zusätzlich. Gündel beobachtet zudem oft eine doppelte Last: „Wir sehen oft, dass Menschen eine doppelte Belastung haben, also sowohl am Arbeitsplatz als auch im Privaten – durch Pflege von Angehörigen, Konflikte oder Krankheiten zum Beispiel.“

Sport, Zeit in der Natur, kreative Hobbys oder Muskelentspannung helfen, das Nervensystem herunterzufahren. Wichtig ist Regelmäßigkeit, denn nur so lernt der Körper, dass die Anspannung vorbei ist. Bleibt der Stresspegel dauerhaft hoch, drohen ernsthafte Erkrankungen.

Viele Arbeitnehmer sind auch im Urlaub erreichbar

Viele Beschäftigte lassen den Job auch im Urlaub gar nicht richtig los. Laut einer Bitkom-Umfrage bleiben rund zwei Drittel der Berufstätigen auch im Sommerurlaub für den Job erreichbar, sei es durch die schnelle E-Mail zwischendurch oder den Anruf vom Chef. Dabei gilt eigentlich: Wer Urlaub hat, muss nicht arbeiten, und Arbeitgeber dürfen keine ständige Erreichbarkeit verlangen.

Wer trotzdem regelmäßig Mails bearbeitet oder Entscheidungen trifft, erbringt Arbeitsleistung, und das widerspricht dem eigentlichen Erholungszweck des Urlaubs. Klare Absprachen, eine geregelte Vertretung und eine Abwesenheitsnotiz helfen dabei, im Urlaub wirklich abschalten zu können.