Fast drei Wochen nach dem Sprengstofffund am Leipziger Flughafen nimmt der Fall immer größere Dimensionen an. Die Drohne sollte offenbar ein ukrainisches Antonov-Frachtflugzeug angreifen. Es transportiert Rüstungsgüter. Doch der Anschlag scheiterte vermutlich an einem defekten Zünder.
Im Auftrag von Generalbundesanwalt Jens Rommel ermittelt der Staatsschutz des BKA. Nach Informationen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ waren mehrere Drohnen im Einsatz. Eine Drohne lag auf dem Flughafengelände. Eine weitere könnte ein DHL-Flugzeug getroffen haben.
📌 Fakten zum Flughafen Leipzig/Halle Es ist der zweitgrößte Frachtflughafen Deutschlands. Eröffnet 1927. Der Flughafen liegt in Sachsen, etwa 16 Kilometer nordwestlich von Leipzig und 22 Kilometer südöstlich von Halle. Es gibt zwei parallele Start- und Landebahnen, die für interkontinentale Großflugzeuge geeignet sind.
Dritte Drohne auf Feld entdeckt
Bislang unbekannt war der Fund einer dritten Drohne. Sicherheitskreisen zufolge entdeckte man sie am frühen Abend des 14. August. Sie lag auf einem Feld im Kabelsketal direkt westlich des Flughafens. Die Bundesanwaltschaft äußerte sich dazu am Montag nicht.
BKA-Kriminaltechniker und weitere Polizeikräfte untersuchten den Fundort. Am nächsten Tag stießen sie offenbar auf rund 50 Gramm einer verdächtigen Substanz. Nach ersten Einschätzungen könnte es sich um den militärischen Sprengstoff Hexogen handeln. Möglicherweise planten die Täter einen deutlich größeren Anschlag.
Drohne kollidiert wohl mit Frachter
Die erste Drohne war bereits am 4. August gegen 23.42 Uhr entdeckt worden. Wegen der sofortigen Flughafensperrung brach ein DHL-Frachtflugzeug seine Landung ab. Gegen 0.03 Uhr kollidierte die Maschine vermutlich nahe dem Flughafenzaun mit einer zweiten Drohne.
Kurz zuvor sahen die Piloten ein etwa 30 Zentimeter großes Objekt. Auch Radarbilder lieferten später Hinweise auf ein kleines Fluggerät. Der Frachter flog mit mehreren Hundert Stundenkilometern und wurde nach dem Zusammenstoß nach Hannover umgeleitet.
Dort untersuchten Ermittler die Maschine und befragten die Besatzung. Am Leitwerk fanden sie eine Beschädigung, die auf eine Kollision hindeutet. Ein Vogelschlag soll ausgeschlossen worden sein. Von der Drohne fehlt jedoch jede Spur. Sie könnte im Triebwerk vollständig zerlegt worden sein.
In Kursdorf fanden Ermittler eine mögliche Steuerungseinrichtung. Antenne und Elektronik waren mit Klebeband an einem Baum befestigt. Nahebei lagen Metallteile auf verbrannter Erde. Zeugen hatten dort um 19.20 Uhr einen lauten Knall gehört.
Wurden Beweise vernichtet?
Ob dort ein Unfall geschah oder Beweise vernichtet wurden, bleibt offen. Am 11. August entdeckte die Polizei außerdem Motor und Rotor einer Drohne. Zunächst hatten Ermittlungskreise erklärt, die Suche sei erfolglos geblieben.
Auch die Verantwortlichen sind weiterhin unbekannt. Sicherheitskreise vermuten eine Beteiligung russischer Geheimdienste. Russland weist jede Verantwortung zurück. Die Ermittler verfolgen mehrere Spuren, darunter Hinweise aus gefundener DNA.
