Frau will eher in Rente – bezahlen soll es die Jugend: „Sie sollen früher anfangen zu arbeiten“

Ist die abschlagsfreie Rente mit 63 (die mittlerweile eine Rente mit 64 ist) noch finanzierbar? Gerne wollen viele ältere Arbeitnehmer spätestens nach 45 Beitragsjahren in den Ruhestand. „Dann reicht es auch mal und ich habe es mir verdient“, so der Tenor. Doch die Merz-Regierung will hier Milliarden einsparen und diese Sonderregelung nicht mehr ermöglichen, Mittlerweile schalteten sich mehrere Ministerpräsidenten von CDU und SPD ein und es ist unklar, ob die Bundesregierung bei diesem Reformkurs bleiben kann.

In der Bevölkerung wird das Thema heiß diskutiert und entwickelt sich zu einem neuen Graben zwischen den Generationen. Während die Jüngeren auf weiter steigende Rentenbeiträge verweisen, die sie abdrücken müssen, pochen Ältere auf ihr Recht auf eine frühere Rente.

📌 Mehr über die Generation Z Jahrgang 1997 bis 2012. Grob also die 14- bis 29-Jährigen. Diese Generation macht rund 20 Prozent der Bevölkerung aus. Ihr wird nachgesagt, dass sie einen besonders hohen Stellenwert auf Work-Life-Balance und Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit legt. Sie ist aufgewachsen in einer Phase permanenter Krisen (Klimakrise, Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg) und aufgewachsen mit Smartphones. Nach ihr folgt die Generation Alpha, die aktuell noch komplett im Kindergarten oder in der Schule ist.

Rente erst mit 67? „Das ist viel zu viel“

So polterte jüngst im MDR-Talkformat „Fakt ist!“ die Arbeitnehmerin Ines Kirsten-Baeske am Mikrofon gegen die Generation Z. „Gerechte Rente – sind 45 Arbeitsjahre genug?“, lautete die Frage der Sendung. Die Dame hatte hierzu eine eindeutige Meinung.

„Ich bin Schlüsseljahrgang 1967″, leitete die Sächsin ein. „Wenn die Rentenreform dieses Jahr noch beschlossen wird und fünf Jahre Vertrauensschutz bestehen, dann bin ich der erste Jahrgang, der bis 67 arbeiten müsste. Und dann hätte ich 51 Arbeitsjahre.“

Moderatorin Friederike Schicht antwortete empathisch: „Das ist sehr viel.“ Kirsten-Baeske toppte das: „Das ist viel zu viel und ich fühle mich auch bei der Rente nach 45 Arbeitsjahren nicht abgeholt.“ Selbst wenn sie mit 65 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen könnte, hätte sie dann bereits 49 Jahre gearbeitet, weil sie schon als Jugendliche ins Erwerbsleben einstieg. „Das passt nicht“, findet die Frau im MDR-Talk.

Die Jugend soll ackern, statt Auszeit zu nehmen: „Sage ich ganz ketzerisch“

Schicht versuchte dann im Gespräch, eine andere Perspektive einzubringen. Was Kirsten-Baeske dazu sage, dass die abschlagsfreie sogenannte „Rente mit 63“ jährlich rund 10 Milliarden Euro pro Rentenjahrgang koste. Sei das nicht zu teuer?

Die Sächsin entgegnete: „Dann sage ich ganz ketzerisch, dass die junge Generation einfach auch früher anfangen kann zu arbeiten. Wenn ich heute jung wäre und mir würde jemand sagen: Du musst bis 70 arbeiten, dann habe ich keinen Anreiz, zeitig anzufangen. Dann kann man erst ein Sabbatjahr machen. Dann kann man warten, bis man einen Studienplatz findet. Ich finde übrigens, wenn man auf einen Studienplatz wartet, kann man trotzdem arbeiten oder einen Beruf erlernen. Der Anreiz sollte wieder da sein, zeitig anzufangen, Verantwortung zu übernehmen. Und das ist im Moment nicht gegeben, meiner Meinung nach.“

Mehr studieren – weil der Arbeitsmarkt das verlangt

Ganz schön viele Vorurteile über die Generation Z. Nur ein kleiner Teil der Generation macht wirklich ein Sabbatjahr, die übergroße Mehrheit geht nach der Schule direkt nahtlos über in Lehre, Studium oder Freiwilligendienst. Und wenn sie mehr Zeit in Bildung investiert, dann nicht aus Müßiggang, sondern weil höhere Qualifikationen gefordert sind. Zwar herrscht einerseits ein Mangel an Azubis in Handwerker-Berufen, andererseits erfordern immer mehr Berufe aber auch eine akademische Qualifikation. Höhere Bildungsabschlüsse führen im Schnitt zu höherer Produktivität, höheren Gehältern und damit langfristig zu höheren Rentenbeiträgen.