Versteckte Gefahr im Supermarkt: Schädliche Stoffe in beliebter Verpackung

Konservendosen gehören zur Grundausstattung in fast jeder Küche. Oft bergen die praktischen Behälter jedoch ein Schadstoff-Problem. Das belegt eine aktuelle Untersuchung der Zeitschrift Öko-Test (Ausgabe 9/2026). Im Fokus stehen Bisphenole, die das Hormonsystem beeinflussen und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können.

Völlig neu ist diese Belastung nicht, wie bereits die Stiftung Warentest im April 2024 feststellte. Bei der aktuellen Überprüfung fielen die Ergebnisse erneut alarmierend aus. Von 52 untersuchten Lebensmitteln wiesen 42 eine hohe oder sehr hohe Belastung mit Bisphenol A, kurz BPA, auf.

📌 Was ist Bisphenol A? Verwendung: BPA ist eine chemische Industrieverbindung, die vor allem zur Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen und Epoxidharzen verwendet wird – z. B. in Plastikflaschen, Konservendosen-Innenbeschichtungen, CDs/DVDs und Thermopapier (Kassenbons). Hormonelle Wirkung: BPA gilt als endokriner Disruptor, das heißt, es kann das Hormonsystem beeinflussen, da es strukturell dem Östrogen ähnelt und an Hormonrezeptoren im Körper andocken kann. Regulierung: Aufgrund gesundheitlicher Bedenken (u. a. mögliche Auswirkungen auf Fortpflanzung, Entwicklung und das Immunsystem) ist BPA in vielen Ländern in bestimmten Produkten reguliert oder verboten – z. B. in der EU seit 2011 in Babyflaschen und mittlerweile auch in Thermopapier.

Der Lack als unsichtbare Gefahrenquelle

Wie die schädlichen Substanzen ins Essen gelangen, hängt mit der Lackierung zusammen. Für die Innenseite verwenden Hersteller zwar standardmäßig Lacke ohne BPA. Auf der Außenseite sieht die Situation jedoch anders aus. Beim Stapeln in der Produktion haben Außen- und Innenseiten direkten Kontakt. Dabei kann laut den Experten ein sogenannter Abklatsch stattfinden.

Bald soll diese Praxis enden. Seit Januar 2025 verbietet die EU den absichtlichen Einsatz von BPA für Materialien mit Lebensmittelkontakt. Ab Januar 2028 dürfen Unternehmen dann auch keine Dosen mit BPA-haltigen Außenlacken mehr verkaufen.

Erschreckende Spitzenwerte bei Fertiggerichten

Für die Bewertung der 52 Laborproben, darunter Ananas, Erbsen und Möhren sowie Softdrinks, nutzte das Magazin den TDI-Wert der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Dieser definiert die tägliche Aufnahmemenge, „die im Laufe eines Lebens konsumiert werden kann, ohne dass sie ein merkliches Risiko für die Gesundheit birgt“. Das Bundesinstitut für Risikobewertung legt allerdings einen großzügigeren Wert fest.

Erstmals entdeckten die Prüfer Dosenlebensmittel komplett ohne Bisphenole, konkret einen Linseneintopf und ein Heringsfilet. Vier weitere Produkte wiesen lediglich eine geringe Belastung auf. Drastisch fiel das Ergebnis hingegen bei einer Portion Dosenravioli aus. Hier fand das Labor mehr als 800-mal so viel BPA, wie der strenge TDI-Wert der EFSA erlaubt. „Schon hat eine 60 Kilo schwere Person bereits mehr BPA intus, als sie in über zwei Jahren aufnehmen sollte“, rechnet das Test-Team vor. Auf Nachfrage gaben einige Hersteller an, sich aktuell im Umstellungsprozess auf BPA-freie Außenlacke zu befinden.

Von außen lässt sich einer Konservendose ihr BPA-Gehalt nicht ansehen. Wer jegliches Risiko vermeiden möchte, greift zu Alternativen. Die Verbraucherzentrale Sachsen rät dazu, bis zur vollständigen Umsetzung des Verbotes auf Glaskonserven umzusteigen.

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