Neue Preisformel: So teuer wird das Deutschlandticket ab 2027

Als es an den Start ging, war es noch das 9-Euro-Ticket. Später wurden daraus 49 Euro, 2025 stieg der Preis für das Deutschlandticket dann auf 58 Euro. In diesem Jahr sind es schon 63 Euro. Ab 2027 ändert sich nicht nur der Preis, sondern auch die Art, wie dieser berechnet wird.

Bisher hatten die Verkehrsminister der Länder entschieden, was das Ticket kosten soll. Im kommenden Jahr wird der Preis dagegen durch eine feste Formel berechnet. Die Deutsche Umwelthilfe geht von einem Preisanstieg auf 66,40 Euro aus, der WDR berechnet sogar 66,80 Euro. Wie kommt das zustande?

📌 Das ist das Deutschlandticket Mit dem Deutschlandticket kann man fast durch ganz Deutschland fahren, ohne für jede Stadt ein neues Ticket zu kaufen. Zum Beispiel kann man mit Regionalzügen von München bis nach Hamburg fahren – solange man keine Fernverkehrszüge wie den ICE benutzt. Das Deutschlandticket ist eines der ersten Tickets, mit dem der Nahverkehr bundesweit so einfach nutzbar ist. Früher hatten viele Verkehrsverbünde eigene Tickets, Preise und Regeln. Das Deutschlandticket macht das Reisen über mehrere Regionen hinweg deutlich einfacher. Das Ticket ist persönlich und normalerweise digital erhältlich. Es kann nicht einfach an eine andere Person weitergegeben werden. Außerdem ist es ein Abonnement, das man grundsätzlich monatlich kündigen kann.

Erstmals neue Methode zur Preisberechnung des Tickets

Statt wie bisher am runden Tisch zu verhandeln, greift ab 2027 erstmals ein Automatismus. Die Formel setzt sich aus zwei Teilen zusammen: einem Kostenfaktor und einem sogenannten Wertfaktor. Der Kostenfaktor bildet ab, wie stark Personal, Busse, Bahnen sowie Diesel und Strom teurer geworden sind. Der Wertfaktor stellt die staatlichen Fördergelder – gesetzlich auf rund drei Milliarden Euro gedeckelt – ins Verhältnis zu den verkauften Tickets.

Besonders die im Sommer stark gestiegenen Dieselpreise treiben die Rechnung nach oben. Nach Berechnungen des WDR summiert sich das auf ein Plus von 6,1 Prozent, macht 66,80 Euro im Monat. Die Deutsche Umwelthilfe war im August noch von 66,40 Euro ausgegangen, hatte aber die neuesten Energiepreise aus dem Juli noch nicht einrechnen können.

Kritik an neuer Berechnungsmethode

Für die Deutsche Umwelthilfe ist die Entwicklung ein Ärgernis. Fossile Kraftstoffe treiben ausgerechnet den Preis eines Klimaschutz-Tickets nach oben, kritisiert Referentin Nanne Richardsen gegenüber dem WDR. Gleichzeitig habe der Bund Fördergelder für emissionsfreie Busse deutlich gekürzt, obwohl die EU bis 2035 einen kompletten Umstieg vorschreibt.

Auch der Fahrgastverband Pro Bahn NRW ist unzufrieden, allerdings aus anderem Grund: Sprecher Lothar Ebbers fürchtet, dass die großen Preissprünge Kommunen dazu verleiten, beim Nahverkehr zu sparen. Wichtiger als der Ticketpreis sei ohnehin die Finanzierungslücke bei den sogenannten Trassenpreisen, die Regionalbahnen für die Streckennutzung zahlen müssen. Hier droht 2027 ein Loch von 400 Millionen Euro, das im schlimmsten Fall zu gestrichenen Verbindungen führen könnte.

Deutschlandticket weiterhin Verkaufsschlager

Trotz steigender Preise bleibt das Deutschlandticket ein Verkaufsschlager. Laut Verband Deutscher Verkehrsunternehmen nutzten zum Jahresende 2025 rund 14,6 Millionen Menschen das Abo. Das entspricht etwa jedem fünften Einwohner Deutschlands. Damit ist praktisch die frühere Bestmarke wieder erreicht, obwohl der Preis seit dem Start 2023 schon zweimal kräftig angehoben wurde.

Zeitweilig schlagen sich die Preissteigerungen auch in den Verkäufen nieder. Nach den Preissprüngen 2024 und 2025 kündigten zwischenzeitlich viele Kunden. Nach vier bis fünf Monaten waren die alten Verkaufszahlen aber jeweils wieder erreicht, berichtet ein Sprecher der Verkehrsbetriebe gegenüber dem WDR.