Eine Sturzflut hat Teile des Grand Canyon im US-Bundesstaat Arizona schwer getroffen. Rund 15 Menschen werden seit Sonntag vermisst, Dutzende mussten aus dem Nationalpark gebracht werden.
Die Wassermassen erreichten das Gebiet um die Phantom Ranch am Samstagnachmittag gegen 14.30 Uhr. Nach Angaben des National Park Service (NPS) rissen sie große Felsbrocken, Metallteile und andere Trümmer mit sich und spülten sie bis in den Colorado River. Aufnahmen aus dem Gebiet zeigen Wege und Flächen, die von Schlamm und Geröll bedeckt sind.
Bislang wurden 62 Menschen evakuiert. Weitere Evakuierungen sind geplant. Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet.
📌 Warum Sturzfluten im Grand Canyon so gefährlich sind Der Grand Canyon besteht aus tief eingeschnittenen Schluchten und steilen Felswänden. Bei starkem Regen kann Wasser deshalb innerhalb kurzer Zeit in engen Tälern zusammenlaufen und stark anschwellen. Für Wanderer ist das besonders gefährlich, weil viele Wege tief im Canyon liegen und nur wenige schnelle Fluchtmöglichkeiten bieten. Dazu kommen Geröll, Felsbrocken und Schlamm, die von den Wassermassen mitgerissen werden können. Auch nach dem Ende eines Gewitters kann die Gefahr bestehen bleiben: Regen, der weiter entfernt fällt, kann mit Verzögerung durch Seitentäler in den Canyon strömen.
Hubschrauber suchen nach Vermissten
Die Suche nach den Vermissten läuft auch aus der Luft. Wie die „New York Times“ berichtet, waren am Sonntagmorgen Hubschrauber über dem Gebiet unterwegs. Zunächst konnten sie jedoch keine der vermissten Personen finden. Die Flut traf einen besonders schwer zugänglichen Teil des Nationalparks. Der Bright Angel Creek fließt dort vom North Rim hinunter zum Colorado River und überwindet dabei rund 1.800 Höhenmeter.
Auch die Infrastruktur wurde erheblich beschädigt. Nach Angaben des National Park Service trafen die Wassermassen die einzige Wasserleitung, über die Besucher und Bewohner des Parks versorgt werden. Fast alle Fußgängerbrücken über den Bright Angel Creek wurden zerstört.
Weitere Sturzfluten nicht ausgeschlossen
Die bei Touristen beliebten Bereiche rund um die Phantom Ranch und den Bright Angel Campground blieben am Sonntag geschlossen. Auch Rafting-Touren auf dem Colorado River wurden vorerst eingestellt. Ab Montag sollen zudem Übernachtungen in Lodges und Hotels innerhalb des Nationalparks nicht mehr möglich sein.
Wie lange die Einschränkungen dauern werden, ist bislang offen. Zunächst müssen Einsatzkräfte die Schäden erfassen und prüfen, welche Wege und Anlagen noch sicher genutzt werden können.
Entwarnung gibt es vorerst nicht. Bis einschließlich Montag können in der Region weitere Regenfälle und Gewitter auftreten. Der National Park Service warnt deshalb ausdrücklich vor weiteren Sturzfluten und vor Steinschlägen auf den Wanderwegen. Gerade in den engen Schluchten des Grand Canyon kann Wasser nach starken Niederschlägen innerhalb kurzer Zeit stark anschwellen.
