Am Flughafen Leipzig/Halle entdeckten Sicherheitskräfte eine Sprengstoff-Drohne zwischen ukrainischen Frachtmaschinen. Der Fund sorgt nun für eine handfeste diplomatische Krise. Die Bundesregierung macht Moskau für den gescheiterten Anschlag verantwortlich und hat weitreichende Vergeltungsmaßnahmen geschnürt.
Als direkte Reaktion schließt Deutschland das Russische Haus in Berlin sowie das russische Generalkonsulat in Bonn. Das zieht die Ausweisung zahlreicher Diplomaten nach sich. Zudem plant Berlin schärfere Einreisekontrollen für russische Staatsbürger und ein härteres Vorgehen gegen die Schattenflotte.
📌 Was bedeutet „hybride Kriegsführung“?
Unter hybrider Kriegsführung versteht man Angriffe, die nicht nur mit klassischen militärischen Mitteln geführt werden. Staaten können dabei verschiedene Methoden miteinander verbinden.
Dazu zählen etwa: Cyberangriffe auf Behörden, Unternehmen oder Infrastruktur Sabotage und Spionage Desinformation und Einflusskampagnen wirtschaftlicher Druck verdeckte oder schwer zuzuordnende militärische Aktionen
Das Ziel kann darin bestehen, einen Staat zu schwächen oder zu destabilisieren, ohne ihm offiziell den Krieg zu erklären.
Wladimir Putin wittert ein politisches Manöver
In Moskau stößt das Vorgehen auf heftigen Widerstand. Wladimir Putin bezeichnete die Strafmaßnahmen als „schweren Fehler“ und warf Bundeskanzler Friedrich Merz ein Wahlkampfmanöver vor. Der Kremlchef fragte provokant: „Wo sind die Beweise?“ Er behauptete zudem: „Merz hat das Vertrauen der Bürger verloren, da er die nationalen Interessen Deutschlands nicht schützt.“
Zuvor hatte der russische Botschafter in Berlin von absurden Vorwürfen und einer hastig inszenierten Provokation am Leipziger Flughafen gesprochen. Das russische Außenministerium kündigte bereits eine spiegelbildliche Reaktion an, ließ konkrete Schritte aber vorerst offen.
Nato und EU beraten über weitere Konsequenzen
Auf internationaler Ebene schlägt der Vorfall hohe Wellen. Beim Treffen der EU-Außenminister in Irland informiert der deutsche Chefdiplomat Johann Wadephul heute über die Ermittlungen. Neben dem Drohnen-Eklat steht dort die weitere Unterstützung der Ukraine im Fokus.
In Brüssel befasst sich der Nato-Rat auf Drängen Deutschlands mit der wachsenden hybriden Bedrohung durch Russland. Den Artikel 4 des Nato-Vertrags, der formelle Beratungen bei einer Bedrohung von außen vorsieht, will die Bundesregierung jedoch nicht aktivieren.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte stellte sich hinter die deutschen Maßnahmen. «Die Beweise sind eindeutig», erklärte er. Rutte berät heute mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen über zusätzliche Sanktionen. Innenminister Alexander Dobrindt betonte: „Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung.“ (dpa)
