Völlig fassungslos blickt der Münsteraner Bischof Heiner Wilmer auf die jüngste Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Beim Jahresempfang der katholischen Bischöfe in Berlin äußerte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz tief bestürzt über das Abschneiden der AfD. Am vergangenen Sonntag hatte die Partei dort mit 43,8 Prozent der Stimmen den ersten Platz erobert und war mit großem Abstand zur stärksten Kraft geworden.
Im Vorfeld des Urnengangs hatten sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche mehrfach eindringlich vor der Gruppierung gewarnt. Dennoch habe die Wahl auf drastische Weise gezeigt, „wie eine radikale Partei durch den Wählerwillen mit klarer Mehrheit demokratisch legitimiert wurde“, betonte der Geistliche.
📌 Mehr über Heiner Wilmer Der Geistliche ist 65 Jahre alt. Seit 2026 ist er Bischof von Münster, zuvor war er Bischof von Hildesheim. Wilmer gehört zum progressiven Flügel seiner Kirche. So fordert er eine neue und tolerantere Sexualmoral in Hinblick auf Homosexuelle. Er äußerte sich nachdenklich über den Zölibat, weil die Ehelosigkeit zu einer Vereinsamung der Priester führen könne. Außerdem ist er klarer Befürworter der Ökumene und wünscht sich mehr Leitungsverantwortung für Frauen in der katholischen Kirche, mitsamt einer offenen Debatte über Weihe von Frauen.
Klare Kante gegen völkisches Gedankengut
Zunächst rang der Kirchenmann sichtlich um Worte. „Wie viele hier im Saal bin auch ich angesichts dieses Wahlergebnisses sprachlos“, gestand Wilmer den Anwesenden. Diese Ohnmacht gelte allerdings nur für den ersten Augenblick, denn für das weitere Vorgehen zeigte er sich überaus entschlossen. Er stellte klar: „Die AfD ist nachweislich nationalistisch und völkisch eingestellt. Für dieses völkische Gedankengut ist weder in noch außerhalb von Gotteshäusern, weder im Christentum noch im Judentum, noch im Islam Platz.“
Erst im Februar hatte Wilmer das Amt an der Spitze der Bischofskonferenz von seinem Vorgänger Georg Bätzing übernommen. Nun kündigte er an, dass sich die Kirche keinesfalls aus dem Diskurs zurückziehen werde. Vielmehr wolle man lautstark Einspruch erheben. „Im Gegenteil: Wir widersprechen, wenn Angst gegen Solidarität ausgespielt wird. Wir widersprechen, wenn Menschen gegeneinander in Stellung gebracht werden. Wir widersprechen, wenn demokratische Institutionen geschwächt werden“, rief er in den Saal.
Christliche Botschaft als Kompass
Mit politischen Lagern habe diese Haltung laut dem Bischof nichts zu tun. Ein solches Vorgehen sei weder links noch rechts einzuordnen. Stattdessen entspreche dieser Widerstand schlichtweg der christlichen Botschaft, welche die unveräußerliche Würde jedes einzelnen Menschen in den Mittelpunkt stellt. Um diese Werte zu verteidigen, sei unbequemes Handeln zwingend erforderlich. „Und ja, da dürfen und müssen wir auch manchmal anecken“, schloss Wilmer ab.
AfD-Dominanz im kirchenfernen Osten immer krasser
Es sind krasse Umfragzahlen, die RTL und ntv nun veröffentlicht haben! Wäre an diesem Sonntag Bundestagswahl nur im kirchenfernen Ostdeutschland (weniger als 20 Prozent der Ostdeutschen sind Mitglied in einer Kirche), dann würde das Ergebnis fast identisch so ausfallen wie nun in Sachsen-Anhalt. Der ganze Osten ist blau – und die anderen Parteien gehen angesichts dieser Dominanz völlig unter.
Die Zahlen: Laut dem „Trendbarometer“ von RTL und ntv vom Forsa-Institut würde die AfD derzeit auf eine Zustimmung von 45 Prozent im Osten kommen. Mit einem Abstand von 30 (!) Prozentpunkten folgt danach erst Die Linke – 15 Prozent. Sogar 33 Prozent Rückstand hat die Merz-CDU (12 Prozent). SPD und Grüne (beide neun Prozent) sind nur einstellig. Das BSW kommt genau auf 5 Prozent. Die FDP spielt gar keine Rolle.
Es wäre ein Bundestag der Populisten von Linksaußen und Rechtsaußen. Die AfD hätte, ähnlich wie in Sachsen-Anhalt, trotz der 45 Prozent keine absolute Mehrheit. Alles würde am BSW hängen, ähnlich wie nun im Magdeburger Landtag. Die stärkste Oppositionskraft wäre die Linkspartei. Die Parteien der Mitte, CDU, SPD und Grüne, würden nur eine Nebenrolle spielen.
