Das Geld ist knapp: Restaurants müssen jetzt von Supermärkten lernen

Die Kassen klingeln leiser, die Gäste bleiben aus – und viele landen stattdessen an der heißen Theke im Supermarkt. Kein Wunder: Dort gibt es Essen ohne Wartezeit, ohne Reservierung, ohne Verpflichtung. Wer hungrig ist, greift einfach zu. Aktuelle Zahlen zeigen, dass immer mehr Menschen im Supermarkt warm essen, statt ins Restaurant zu gehen.

Der Supermarkt punktet zudem mit Transparenz. Man sieht sofort, was auf dem Teller landet. Dazu kommt die freie Mengenwahl: 100 Gramm oder 500 Gramm, bezahlt wird nur das Gewünschte. Sozialer Druck? Fehlanzeige. Allein essen fällt hier niemandem auf.

📌 Das Restaurant im Supermarkt Umsatz- und Margentreiber: Frisch zubereitete Speisen an heißen Theken und Sushi-Countern gehören zu den margenstärksten Bereichen im Lebensmitteleinzelhandel, da sie oft deutlich höhere Aufschläge erzielen als verpackte Standardware – gleichzeitig binden sie Kund:innen länger im Markt und erhöhen den durchschnittlichen Einkaufswert. Sushi wird meist von Drittanbietern betrieben: Viele Supermarktketten betreiben ihre Sushi-Theken nicht selbst, sondern lassen sie von spezialisierten externen Unternehmen (Franchise- oder Konzessionspartnern) führen, die täglich frische Ware anliefern und oft direkt vor Ort zubereiten. Kurze Haltbarkeit als Herausforderung: Rohfisch-Sushi hat aus Hygienegründen meist nur eine Haltbarkeit von 24 Stunden ab Zubereitung, weshalb strenge Kühlkettenvorgaben und häufige Nachlieferungen bzw. Reduzierungen kurz vor Ladenschluss üblich sind. Trend zum „Food-to-go“-Konzept: Sowohl heiße Theken (z. B. gegrilltes Hähnchen, Suppen, Pommes) als auch Sushi-Stationen sind Teil eines wachsenden „Grab-and-go“-Trends, mit dem Supermärkte gezielt gegen Bäckereien, Imbisse und Fast-Food-Ketten um die Mittagspausen-Kundschaft konkurrieren.

Was der Supermarkt besser macht

Restaurants könnten sich davon eine Scheibe abschneiden. Eine schnelle Mittagsschiene mit fertigen Tagesgerichten entlastet das reguläre Geschäft. Auch eine To-Go-Theke am Eingang lohnt sich, ganz ohne Tischservice. Wer per App vorbestellt, bekommt eine feste Abholzeit und spart sich das Warten.

Transparenz lässt sich ebenfalls kopieren. Eine offene Küche zeigt Frische und Tempo, ganz wie am Supermarkt-Kühlregal. Tagesgerichte mit Foto und Festpreis am Eingang nehmen zudem die Entscheidung vorweg. Das schafft Vertrauen, bevor der erste Bissen überhaupt bestellt ist.

Supermarkt-Prinzip: kleinere, flexible Portionen

Auch bei der Portionsgröße hilft ein Blick zum Supermarkt. Halbe Portionen oder frei kombinierbare Teller wirken sofort fairer. Der Preis richtet sich dann nach der Zusammenstellung, nicht nach starren Menüs. Das gibt Gästen Kontrolle über ihr Budget.

Die Hemmschwelle sinkt außerdem durch einen eigenen Self-Service-Bereich mit Barhockern, parallel zum klassischen Restaurantteil. Spontanes Reinkommen ohne Reservierung sollte dabei ausdrücklich erwünscht sein. Manche Betriebe könnten sogar Hybridmodelle wagen: eine Fast-Casual-Ecke neben dem gewohnten Service, ergänzt durch Kooperationen mit lokalen Erzeugern als Marketing-Idee.

Trotzdem gilt: Supermärkte wie Rewe oder Edeka eins zu eins kopieren, funktioniert nicht. Kein Regal ersetzt Atmosphäre, Beratung oder ein echtes Abendessen mit Freunden. Bei Preis und Tempo zieht das Restaurant wegen Miete und Personalkosten ohnehin den Kürzeren.

Die eigentliche Lektion lautet daher nicht „billiger werden“, sondern Reibung abbauen. Weniger Wartezeit, klarere Entscheidungen, mehr Flexibilität – vor allem mittags und im Alltagsgeschäft. Der Abend mit Genuss und Geselligkeit bleibt davon getrennt und bildet weiterhin das eigentliche Herzstück jedes Restaurants.