Mutige Frauen im Einsatz für Demokratie, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung: Das war der BRIGITTE Award 2026

BERLIN / ESSEN / HAMBURG, 9. Oktober 2026. Haltung beginnt dort, wo Schweigen keine Option mehr ist. Die sieben Preisträgerinnen des BRIGITTE Awards 2026 zeigen, was entstehen kann, wenn Frauen Missstände sichtbar machen und für Gerechtigkeit kämpfen. Am gestrigen Abend (8. Oktober) wurden sie in Berlin für ihren Einsatz für Demokratie, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung ausgezeichnet. Zum dritten Mal brachte der BRIGITTE Award Frauen auf die Bühne, die die Welt jeden Tag ein Stück besser machen – in diesem Jahr erstmals im Kino International.

Ein Schlüsselmoment des Abends gehörte Gisèle Pelicot, die mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet wurde. Mit der Ehrung wird ihr herausragender Mut im Kampf gegen sexualisierte Gewalt gewürdigt. Im Vergewaltigungsprozess von Avignon hatte sie bewusst auf ihre Anonymität verzichtet, um „die Scham die Seite wechseln zu lassen“. Ihre unbeugsame Haltung machte sie für Millionen Frauen weltweit zum Vorbild. In ihrer Rede wandte sich Pelicot an andere Betroffene: „Ich möchte ihnen sagen: Auch wenn sie isoliert sind, sind sie dennoch niemals allein. Wir sind Millionen, die diese Gewalt erlebt haben oder noch immer erleben.“

Die Laudatio auf die Französin hielt Dr. Stefanie Hubig, Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz: „Einen Körper kann man unterwerfen, liebe Gisèle Pelicot. Aber Ihr Geist und Ihr Verstand sind frei“, erklärte die
Ministerin. „Sie sind der Beweis, dass ein erfülltes und glückliches Leben auch nach größtem Leid möglich ist. Sie sind eine Mutmacherin für Betroffene auf der ganzen Welt.“

Mit einem Sonderpreis wurde Collien Fernandes ausgezeichnet. Die Moderatorin und Schauspielerin engagiert sich seit Langem gegen Deepfake-Pornografie und sexualisierte digitale Gewalt – ein wachsendes gesellschaftliches Problem, das insbesondere Frauen trifft. Wie wichtig dieser Einsatz ist, zeigt der am 7. Oktober vom Bundeskabinett
beschlossene Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt, den Bundesjustizministerin Stefanie Hubig vorgelegt hat. Er sieht unter anderem vor, das unbefugte Herstellen und Verbreiten sexualisierter Deepfakes mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe zu ahnden. Betroffene sollen zudem leichter gegen rechtswidrige Inhalte vorgehen und deren Löschung beantragen können.

„Mit diesem Sonderpreis für Collien Fernandes würdigen wir ihren Mut und setzen ein klares Zeichen: Digitale sexualisierte Gewalt ist genauso ernst zu nehmen wie analoge Gewalt. Der Gesetzentwurf ist ein erster, wichtiger Schritt, doch wir brauchen weiterhin sensiblere Behörden und eine bessere Aufklärung – Maßnahmen, für die Collien Fernandes schon lange kämpft“, sagte BRIGITTE-Chefredakteurin und Sonderpreis-Laudatorin Susanna Riethmüller über das Engagement von Fernandes. „Sei dir sicher, liebe Collien, du bist nicht allein.“ Unter Tränen nahm Fernandes den Preis entgegen. Mit klaren Worten sprach sich die Moderatorin und Schauspielerin gegen gesellschaftliche Stereotype aus. „Eine Frau, die auf einen Missstand hinweist, ist nicht hysterisch und keine Männerhasserin.“ Fernandes‘ Rede endete mit dem deutlichen Appell: „Ich möchte, dass wir alle die Zeitkapsel finden, mit der wir in eine Zukunft reisen, in der Männer und Frauen wirklich gleichberechtigt sind.“

Enorme Zivilcourage beweist auch Christine Herntier, Preisträgerin in der Kategorie „Macherin“, die in diesem Jahr dem Thema Demokratie gewidmet war. Die parteilose Bürgermeisterin von Spremberg machte öffentlich, wie stark Rechtsextreme in ihrer brandenburgischen Heimatstadt bereits den Ton angeben – von Hakenkreuz-Schmierereien bis hin zu völkischen Veranstaltungen. Dafür erhielt sie viel Anerkennung, erlebte aber auch erheblichen Gegenwind. „Wir wollen keine Stadt sein, die unter den Teppich kehrt“, so Herntier. Für sie bedeutet kommunale Verantwortung deshalb auch, unbequeme Wahrheiten klar zu benennen. „Es würde unserem Land richtig guttun, wenn mehr Frauen Bürgermeisterinnen sein würden“, erklärt sie in ihrer Dankesrede mit Nachdruck.

Beeindruckt von Herntiers Mut zeigte sich Verlegerin Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der FUNKE Mediengruppe, die ihr den Preis übergab: „Ich habe großen Respekt vor Ihrer Energie und Ihrer Zivilcourage. Politikerinnen wie Sie brauchen wir dringend, gerade in unseren Kommunen. Bleiben Sie so wach, optimistisch und zupackend.“ Für Julia Becker steht fest: „Eine starke Demokratie braucht neben Menschen, die sich einmischen, unabhängige Medien, die ihre Stimmen hörbar machen. Gerade in Zeiten wachsender Polarisierung dürfen wir nicht schweigen, wenn Freiheit, Vielfalt und Menschenwürde angegriffen werden.“

In der Kategorie „Future Economy“ wurde Aileen Puhlmann ausgezeichnet. Als Kind einer alleinerziehenden Mutter übernahm Puhlmann früh Verantwortung und machte als Erste in ihrer Familie Abitur. Nach ihrem Studium der Entwicklungspolitik arbeitete sie in Südafrika in der lokalen Wirtschaftsförderung. Heute unterstützt Lemonaid &
ChariTea mit den Erlösen aus dem Verkauf von Getränken zivilgesellschaftliche Projekte auf der ganzen Welt. Puhlmann steht für eine Wirtschaft auf Augenhöhe – auch in Krisenzeiten. Ihr Credo: „Macht an sich ist nichts Negatives. Wenn sie im Sinne der Menschen eingesetzt wird, kann Großes entstehen.“ Die Auszeichnung überreichte
ihr Ebba Grebe, Chief Marketing Officer (CMO) Melitta Europa GmbH & Co. KG.

Was es heißt, sich auch nach persönlichen Rückschlägen immer wieder für andere starkzumachen, weiß Franziska Böhler. Auf Social Media und in ihren Büchern zeigt die Intensivkrankenschwester, wie erfüllend Care-Arbeit sein kann – aber auch, wie erschöpfend sie wird, wenn sich die Bedingungen für professionell Pflegende und pflegende
Angehörige nicht grundlegend verändern. Böhler erhebt ihre Stimme gegen den Pflegenotstand und für mehr Wertschätzung der Menschen, die täglich andere versorgen. „Nichts ist so sinnstiftend, wie Menschen zu helfen“, sagt sie. Franziska Böhler erhielt den BRIGITTE Award in der Kategorie „Female Health“ und wurde von Moderatorin
und Brand Ambassador Lancôme Jana Ina Zarrella gewürdigt. Ihren Preis widmete Böhler „allen Frauen, die dafür sorgen, dass die Welt jeden Tag ein wenig besser und gesünder wird“.

Den BRIGITTE Award in der Kategorie „Moving Culture“ nahm Dunja Hayali entgegen. Seit vielen Jahren begleitet die Journalistin und Moderatorin Millionen Menschen durch das aktuelle Zeitgeschehen. Ihre Bekanntheit nutzt sie, um sich für Demokratie, Vielfalt und Tierschutz einzusetzen. Wegen ihrer klaren Haltung ist Hayali immer wieder
massiven Anfeindungen ausgesetzt, doch davon lässt sie sich nicht ausbremsen. Als Überraschungsgast überreichte Moderatorin und Journalistin Bettina Böttinger ihrer Kollegin und Freundin den Award – ein weiterer bewegender Moment dieses beeindruckenden Abends. Mit einem klaren Aufruf richtete sich Hayali an die Öffentlichkeit. „Im Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ohne Einschränkungen. Jeder in diesem Land ist jemand, auch wenn manche uns einreden wollen, dass manche niemand sind.“

Gerührt waren die Gäste im Saal auch, als Nadja Birkenbach-von Kuzenko ausgezeichnet wurde und ihr inspirierender Tatendrang den Raum erfüllte. Die Gewinnerin in der Kategorie „Shero“ hatte vor gut zehn Jahren die Diagnose Multiple Sklerose erhalten und erlebt, wie wichtig neben medizinischer Unterstützung auch der Austausch mit anderen Betroffenen ist. Deshalb initiierte sie am Münchner Klinikum rechts der Isar ein Patenprogramm: Menschen, bei denen MS neu diagnostiziert wurde, erhalten dort Beistand von Personen, die bereits länger mit der Erkrankung leben. Mittlerweile beteiligt sich ein zweites Münchner Klinikum an dem Programm; mehr als 150 Patientinnen und Patienten haben das Angebot bereits genutzt. Gabriele Hässig, Geschäftsführerin Kommunikation und Nachhaltigkeit DACH, Procter & Gamble, übergab der Preisträgerin ihre Trophäe.

In der Kategorie „Shero“ hatte die BRIGITTE-Community über die Siegerin entschieden. Über die Preisträgerinnen in den vier weiteren regulären Kategorien entschied eine hochkarätig besetzte Jury mit Prof. Dr. Jutta Allmendinger, Mitglied des Deutschen Ethikrats, Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, Julia Becker, Verlegerin und Aufsichtsratsvorsitzende der FUNKE Mediengruppe, Jeannette Gusko, Managerin und Autorin, Janina Kugel, Multi Aufsichtsrätin und Senior Advisorin, Natalya Nepomnyashcha, Gründerin von „Netzwerk Chancen“, Susanna Riethmüller, Chefredakteurin BRIGITTE, und Mirijam Trunk, Autorin und Speakerin.

Prominente Gäste waren unter anderem die Schauspielerinnen Karoline Herfurth und Wolke Hegenbarth, die Politikerinnen Britta Haßelmann und Lisa Paus, Niklas Wilcke und Nora Marx, Gesellschafter*innen der FUNKE Mediengruppe, die Moderatorinnen Jana Ina Zarrella, Bettina Böttinger und Nova Meierhenrich sowie Content
Creatorin Monica Meier-Ivancan. Moderiert wurde der Abend von Katrin Bauerfeind. Für die musikalische Begleitung sorgte die Band MiA.

Das Resümee für den Abend zog Susanna Riethmüller: „Der BRIGITTE Award zeigt, wie kraftvoll Veränderung sein kann, wenn aus Haltung Handeln wird. Unsere Preisträgerinnen machen anderen Frauen Mut, ihren eigenen Einfluss nicht zu unterschätzen. Jede von ihnen bewegt etwas – und gemeinsam erinnern sie uns daran, dass gesellschaftlicher Fortschritt immer Menschen braucht, die den ersten Schritt gehen.“