Reisen, eine eigene Wohnung, finanzielle Freiheit: Für viele junge Menschen scheint ein sorgenfreies Leben immer schwerer erreichbar. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Reichtum. Doch dahinter steckt nicht unbedingt die Hoffnung auf Luxus, sondern häufig auch die Angst, finanziell nicht mithalten zu können.
Besonders die Generation Z, alle, die zwischen 1995 und 2009 geboren wurden, steht dabei im Fokus. Ihr wird oft vorgeworfen, unrealistische Erwartungen an das Leben zu haben. Eine Studie zeigt jedoch, dass der Wunsch nach Geld auch mit einem Gefühl zusammenhängen könnte, das viele junge Menschen kennen: der Sorge, finanziell schlechter dazustehen, als sie es eigentlich tun.
📌 Symptome von Geld-Dysphorie Chronische Geldsorgen: Permanente Angst, Rechnungen nicht bezahlen zu können, obwohl das Geld dafür da ist. Schuldgefühle beim Konsum: Selbst notwendige oder kleine Ausgaben für das eigene Wohlbefinden lösen sofort ein schlechtes Gewissen aus. Unfähigkeit zu genießen: Das Erreichen finanzieller Meilensteine (z. B. eine Gehaltserhöhung) bringt keine Erleichterung, sondern nur die Angst, das Erreichte wieder zu verlieren.
Geld-Dysmorphie: Wenn die eigene finanzielle Lage schlechter wirkt als sie ist
Watson berichtet von einer Studie von Intuit Credit Karma aus dem Jahr 2024. Aus dieser Studie ging hervor, dass sich 44 Prozent der Befragten aus der Generation Z wünschen, sie wären reich. Bei den Millennials sind es sogar 46 Prozent. Eine mögliche Erklärung wäre die sogenannte Geld-Dysmorphie: Betroffene empfinden ihre finanzielle Situation als unzureichend, unabhängig davon, wie sie tatsächlich aussieht. Ständige Vergleiche mit Gleichaltrigen, Influencern und Prominenten können dieses Gefühl verstärken.
Dazu kommen reale wirtschaftliche Belastungen. Hohe Immobilienpreise, Studienkredite und steigende Lebenshaltungskosten erschweren es vielen jungen Menschen, langfristige Ziele wie Wohneigentum oder finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Auch in Deutschland zeigen sich ähnliche Sorgen: Laut der Deloitte-Studie von 2023 fürchten sich sowohl die Generation Z als auch die Millennials vor ihrer finanziellen Zukunft. Mehr als 60 Prozent der Befragten beider Generationen hielten einen Hauskauf für schwieriger oder sogar unmöglich.
Soziale Medien verstärken den finanziellen Druck
Instagram und andere Plattformen machen es leicht, sich ständig mit Menschen zu vergleichen, die scheinbar ein perfektes Leben führen. Luxusreisen, teure Handtaschen und Privatjets vermitteln den Eindruck, finanzieller Erfolg sei selbstverständlich. Wer den eigenen Alltag damit vergleicht, kann schnell das Gefühl entwickeln, nicht genug zu haben. Finanzexperten sehen darin einen möglichen Verstärker der Geld-Dysmorphie.
Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten kann Geld für junge Menschen vor allem eines bedeuten: Sicherheit und die Möglichkeit, das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten. Statt den Wunsch nach Wohlstand als oberflächlich abzutun, lohnt es sich deshalb, auch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen dahinter zu betrachten.
