Gewalteskalation in Frankreich – nicht die Schüler sind schuld

Frankreich erlebt eine Welle der Zerstörung. Geschäfte stehen leer, Gebäude brennen, und Einsatzkräfte kämpfen Nacht für Nacht auf den Straßen. Einige Polizisten wurden schwer verletzt. Begonnen hatte alles mit Schülerprotesten. Inzwischen reicht die Gewalt weit darüber hinaus. Die Frage nach den Tätern beschäftigt nun ganz Frankreich.

Antworten liefert der Polizeigewerkschafter Hubert Gimenez. Im Interview mit „Europe 1“ nannte er mehrere Gruppen. Unter den Randalierern seien auch „Mitglieder der extremen Linken“. Gemeint ist der sogenannte Schwarze Block. Diese Gruppe kenne die Straßenschlacht. Laut Gimenez sind es Profis, die „an Konfrontationen gewöhnt“ seien. Er sagte: „Sie kommen nur, um sich mit unseren Kollegen anzulegen.“

📌 Ähnlicher Vorfall in Hamburg im Jahr 2017: Am 7. und 8. Juli 2017 kam es während des G20-Gipfels in Hamburg vor allem in den Vierteln Altona und Schanzenviertel zu schweren Ausschreitungen und Plünderungen. Geschäfte wurden geplündert, Schaufenster zerstört und Autos angezündet. Der Sachschaden betrug laut „Welt“ 12 Millionen Dollar.

Neu ist das in Frankreich nicht. Schon bei den Gelbwesten-Protesten 2019 hatten sich Linksextreme unter die Demonstranten gemischt. Sie provozierten damals Straßenkämpfe mit der Polizei.

Kaum Schüler unter den Festgenommenen

Schüler und „klassische Demonstranten“ spielen bei den Ausschreitungen laut Gimenez kaum eine Rolle. Zahlen des französischen Innenministeriums stützen das. Fast 90 Prozent der festgenommenen Randalierer sind demnach volljährig. Die meisten sind zwischen 18 und etwa 30 Jahre alt.

Zwei Gruppen zeichnen sich ab. Die einen sind Linksextreme. Die anderen sind junge Männer aus den „Banlieues“, den migrantisch geprägten Problemvororten der französischen Großstädte.

Forderung nach harten Strafen

Jean-Christophe Couvy ist Generalsekretär der Polizeigewerkschaft Unité. Bei „Europe 1“ fordert er eine harte Reaktion der Justiz. „Wir erwarten, dass die strafrechtliche Antwort sehr streng ausfällt“, sagte er.

Ganz traut er dem aber nicht. Couvy erklärte: „Wir wissen sehr genau, dass wieder einmal viele davonkommen werden und die Reaktionen sehr lasch ausfallen.“ Das würde „grünes Licht für neue Gewalt geben“.

Sorge vor Übergreifen nach Deutschland

Die Lage in Frankreich beobachtet auch die deutsche Polizei. In mehreren Städten ist für den 31. Oktober ein Protesttag angekündigt. Die Berliner Polizei bereitet sich auf einen umfangreichen Einsatz vor.

Polizeisprecher Florian Nath warnte davor, die Schülerproteste für andere Interessen zu instrumentalisieren. „Das werden wir nicht zulassen“, sagte er. Hinter dem Aufruf steht die Initiative „Gen Z steht auf“. Sie demonstriert unter anderem für bessere Bildung und ein bezahlbares Leben. Außerdem richtet sie sich gegen eine Wehrpflicht. Von Gewalt distanziert sie sich.

Die Gewerkschaft der Polizei spricht laut „Bild“ dennoch von einer drohenden „Großdemolage“. Sie verweist auf die Proteste in Frankreich und auf mögliche Ausschreitungen in der Halloweennacht.

Ist ein ähnliches Szenario auch in Deutschland möglich? Ein Experte ordnet die Lage ein.