Jede Woche kommen bei Action rund 150 neue Artikel in die Regale, und alte Ware weicht. Dieses ständige Wechseln kann bei Kunden das Gefühl wecken, eine Gelegenheit später nicht mehr zu bekommen. Psychologen sprechen von FOMO, der Angst, etwas zu verpassen. Der Text trennt, was die Forschung belegt, und was Action selbst sagt.
Nach eigenen Angaben führt der Discounter rund 6.000 Produkte, von denen nur etwa ein Drittel dauerhaft im Sortiment bleibt. Der Rest rotiert. Insgesamt betreibt Action gut 3.300 Filialen in 14 Ländern. In Deutschland waren es Ende 2025 rund 650.
📌 5 Fakten über Action Erste deutsche Filiale 2009: Action eröffnete sie in Schüttorf im Südwesten Niedersachsens, direkt an der niederländischen Grenze. Das berichtet das Handelsblatt (dpa). Rund 650 Filialen in Deutschland: Ende 2025 beschäftigte Action hierzulande gut 15.500 Menschen. Konzernweit arbeiten mehr als 84.200 Menschen für das Unternehmen. Zwei Drittel der Artikel kosten unter 2 Euro: Das gibt Action auf der eigenen Website an. Dort nennt das Unternehmen auch ein Angebot von 6.000 Produkten. Wöchentlich kämen mehr als 20 Millionen Kundinnen und Kunden. Markteintritt in den USA geplant: Die erste Filiale soll Ende 2027 oder Anfang 2028 im Südosten der USA eröffnen. Bis 2030 will Action dort 100 Filialen betreiben. Nach Kroatien im März 2026 soll Slowenien folgen, 2027 dann Bulgarien. Mindestens 400 neue Filialen im Jahr 2026: Das ist das Ziel für Europa, wie das Handelsblatt berichtet. Eine Filiale beschäftigt laut Firmensprecherin in der Regel 15 bis 25 Mitarbeitende. Ein Distributionszentrum beschäftigt mehrere Hundert.
FOMO ist die Angst vor Verpassen
Der Begriff FOMO stammt aus der Forschung zu sozialen Medien. Gemeint ist die Sorge, andere könnten lohnende Erlebnisse haben, bei denen man selbst fehlt. Auf den Einkauf im Laden lässt er sich nur bedingt übertragen. Studien zum Konsum sprechen eher von Knappheit.
Den bekanntesten Beleg dafür lieferten Stephen Worchel und zwei Kollegen im Jahr 1975. Wie der Abstract im „Journal of Personality and Social Psychology“ beschreibt, bewerteten 200 Studentinnen in zwei Experimenten Kekse. Manche Kekse waren reichlich vorhanden, andere knapp. Die Knappen galten als begehrter.
Knappheit macht Dinge begehrter
Besonders hoch bewerteten die Teilnehmerinnen Kekse, deren Vorrat zunächst groß war und dann schrumpfte. Sie schätzten diese höher ein als Kekse, die von Anfang an knapp waren. Auch der Grund spielte eine Rolle. Kekse, die wegen hoher Nachfrage knapp wurden, bekamen bessere Noten als solche, die nach einem Versehen fehlten.
Die Einordnung fällt vorsichtig aus. Es handelt sich um ein Laborexperiment von 1975 mit einer kleinen, einheitlichen Gruppe. Auf einen Discounter lässt sich das Ergebnis nur als Analogie übertragen. Ein Beleg, dass Action-Kunden aus Verlustangst mehr kaufen, ist es nicht.
Was sagt Action zum Sortimentswechsel?
Das Unternehmen nennt den Wechsel offen als Konzept. Auf der Website von Action heißt es: „Wir verändern unser breites Sortiment ständig. Jede Woche finden rund 150 neue Artikel ihren Weg in unsere Regale. Das schafft den beliebten Überraschungseffekt bei unseren Kunden und bringt sie immer wieder zu uns zurück.“ Von einer bewussten Verknappung spricht der Discounter allerdings nicht.
Manche Artikel kommen nicht wieder
Einen Hinweis auf begrenzte Verfügbarkeit gab die „Lebensmittel Zeitung“ schon bei der Eröffnung einer Düsseldorfer Filiale Ende 2016. Damals führte jeder Markt rund 6.000 Artikel, 2.000 davon fest. Pro Woche mussten 150 bis 200 alte Artikel neuen weichen. Die Größenordnung ist bis heute ähnlich.
Der Bericht nannte außerdem die Kategorie „Op is op“, also „Aus ist aus“. Solche Produkte werden bei Ausverkauf nicht nachbestellt. Der damalige Deutschlandchef Steffen Rosenbauer sagte: „Es ist gar nicht unser Anspruch, ein komplettes Sortiment abzubilden.“
Wächst der Effekt mit der Expansion?
Action wächst unterdessen immer weiter. Laut dpa plant der Händler für 2026 mindestens 400 neue Filialen. Im März startete er in Kroatien. Die erste Filiale in den USA soll Ende 2027 oder Anfang 2028 eröffnen, mit einem ähnlichen, aber angepassten Sortiment.
Mehr Märkte bedeuten mehr Kunden, die auf wechselnde Regale treffen. Ob dadurch auch FOMO häufiger entsteht, haben Studien zu Action bislang nicht untersucht. Plausibel ist der Zusammenhang, gesichert ist er nicht. Wer sich nicht treiben lassen will, hilft sich mit einem Einkaufszettel und fragt sich: Würde ich den Artikel nächste Woche vermissen?
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