Schock am Mittwochmorgen (28. Oktober) in Spanien: Gegen 9 Uhr rast ein AVE der staatlichen Renfe in einen Iryo-Zug. In den beiden Hochgeschwindigkeitszügen sitzen 544 Menschen. Mehrere Waggons entgleisen, vier stürzen eine Böschung hinunter.
Die Bilanz ist furchtbar: 69 Menschen sterben, meldet die Regionalregierung von Kastilien-La Mancha. 80 weitere werden verletzt, 50 davon schwer. Drei Rettungshelikopter bringen Verletzte in Spezialkrankenhäuser. Unverletzte betreuen Helfer in Urda ärztlich und psychologisch.
📌 Kastilien-La Mancha: Hier ist das Unglück passiert Lage und Größe: Die autonome Gemeinschaft liegt im Zentrum Spaniens. Mit rund 79.400 km² gehört sie zu den größten Regionen des Landes. Sie ist aber sehr dünn besiedelt, mit etwa 2,1 Millionen Einwohnern. Don Quijote: Die Region ist der Schauplatz von Miguel de Cervantes‘ Roman „Don Quijote de la Mancha“. Die Windmühlen von Consuegra und Campo de Criptana gelten als Wahrzeichen und erinnern an die berühmte Szene des Romans. Weinbau: In La Mancha liegt eines der größten zusammenhängenden Weinanbaugebiete der Welt. Hier wachsen vor allem die Rebsorten Airén (weiß) und Tempranillo (rot, lokal „Cencibel“ genannt).
Systemausfall und menschliches Versagen
Die Ursache ist noch nicht abschließend geklärt. Menschliches Versagen steht im Verdacht. Laut „El País“ fiel das Zugbeeinflussungssystem ETCS aus. Etwa acht Züge hielten daraufhin automatisch nahe dem Bahnhof Urda an.
Fast alle Züge erhielten nach einer Weile die Freigabe vom Stellwerk, nur der Iryo nicht. Der AVE näherte sich langsam. Dann kam die Anweisung, zu beschleunigen, „versehentlich von einem Mitarbeiter aus der Leitstelle“. Der Lokführer bremste zu spät.
Schuldfrage und die Deutsche Bahn
Ob der Mitarbeiter einen Fehler machte, ist offen. Verkehrsminister Óscar Puente spricht von einer „unerklärlichen“ und „falschen“ Entscheidung der Bahnleitstelle. Verkehrswissenschaftler Jochen Trinckauf erklärt: Der Stopp des Iryo sei eine gewollte, sichere Reaktion. Läuft der Betrieb danach manuell weiter, drohen bei unklarer Datenlage Fehlentscheidungen.
Die Deutsche Bahn setzt ebenfalls auf das KI-basierte ETCS-System. Es kommt hierzulande allerdings nur auf Strecken für Hochgeschwindigkeitszüge zum Einsatz. Pro-Bahn-Ehrenvorsitzender Detlef Neuß beruhigt gegenüber ntv: „Die Hochgeschwindigkeitsstrecken in Deutschland sind sicher vor einem Worst-Case-Szenario“. Hundertprozentige Sicherheit gebe es allerdings nie. Für die Deutsche Bahn heißt das: „Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehe ich die Gefahr in Deutschland eher nicht.“
ETCS hält Züge auf demselben Gleis automatisch auf Abstand. Die Deutsche Bahn setzt das System laut Neuß teilweise schon ein. Auf der spanischen Strecke gab es im Januar bereits ein Unglück: Ein Iryo entgleiste und prallte auf einen Renfe-Zug, 46 Menschen starben. Eine Häufung sehen die Experten trotzdem nicht.
Alle Hintergründe zum schweren Unglück in Spanien liest du hier im Artikel.
