„Aus der Hölle“ – Supermarkt-Kunden wettern gegen SB-Kassen: Doch sie werden immer mehr

Eigentlich sollen sie den Einkauf erleichtern. Doch ausgerechnet die Selbstbedienungskassen sorgen bei zahlreichen Supermarkt-Kunden für mächtigen Ärger.

Dabei setzen immer mehr Geschäfte auf die Technik. In rund 14.000 Läden in Deutschland können Kunden ihre Einkäufe bereits selbst bezahlen. Das soll Wartezeiten verkürzen und Personal einsparen. Doch im Supermarkt läuft längst nicht immer alles reibungslos.

📌 Fakten zu SB-Kassen In rund 14.000 Geschäften in Deutschland können Kunden ihre Einkäufe bereits an Selbstbedienungskassen bezahlen. Die Zahl der Geschäfte mit SB-Kassen verdoppelt sich laut Handelsforschungsinstitut EHI etwa alle zwei Jahre. Der Wert gestohlener Waren liegt an SB-Kassen laut EHI-Schätzung durchschnittlich rund 20 Prozent höher als an herkömmlichen Kassen. Viele SB-Kassen nutzen Waagen und Kameras, um Fehler und Diebstähle zu erkennen.

Supermarkt-Kunden rechnen mit Waagen ab

In einem Reddit-Beitrag schildert ein Kassierer seinen Frust über die Entwicklung. „Seit Einführung der SB-Kassen hat sich unser Job nur vielfach verschlimmert“, schreibt er. Kunden benötigten häufig Unterstützung, während gleichzeitig Personal fehle. Dadurch entstünden sogar längere Warteschlangen.

Mehr als 100 Nutzer reagieren auf den Beitrag. Besonders die eingebauten Waagen sorgen für Kritik. „Waagen auf den Abstellflächen der SB-Kassen sind einfach Endgegner. So viele Probleme habe ich noch bei keiner SB-Kasse gesehen.“ Ein anderer Kommentar lautet: „Direkt aus der Hölle, die Dinger.“

Ein Nutzer kritisiert, dass die Waage „so langsam“ reagiere. Wer seine Produkte zu schnell ablege, bekomme eine Fehlermeldung. Außerdem „verhindert komplett, dass man die Waren in seine Tasche einräumen kann, bis der vollständige Einkauf draufliegt“.

SB-Kassen werden immer mehr

Trotz dieser Beschwerden verschwinden die Geräte keineswegs aus dem Supermarkt. Im Gegenteil! Laut Frank Horst vom Handelsforschungsinstitut EHI nimmt ihre Verbreitung weiter zu. „Den Rückbau von SCO-Installationen sehen wir derzeit überhaupt nicht. Im Gegenteil, es werden immer mehr“, erklärt der Experte gegenüber der „Frankfurter Rundschau“. Die Zahl der Geschäfte mit entsprechenden Systemen verdopple sich alle zwei Jahre.

Ein wesentlicher Grund sind Personalprobleme. Gerade bei langen Öffnungszeiten fällt es dem Supermarkt schwer, sämtliche Kassen dauerhaft zu besetzen. Durch die Selbstbedienung können Mitarbeiter beispielsweise auch Regale auffüllen. Doch die Technik bringt ein weiteres Problem mit sich: Diebstähle. Horst schätzt, dass der Warenwert gestohlener Produkte an SB-Kassen durchschnittlich etwa 20 Prozent höher liegt als an herkömmlichen Kassen.

Deshalb setzen viele Händler auf zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. „Bei Neuinstallationen nimmt man oft Waagen mit dazu. Das verhindert schon einiges“, erklärt Horst. Auch Ausgangssperren und Kameras können helfen, Diebstähle zu reduzieren.

Für Kunden dürfte die Entwicklung trotzdem nicht unbedingt erfreulich sein. Denn Horst rechnet damit, dass künftig auch künstliche Intelligenz an den Kassen zum Einsatz kommt. „Dann sind die Manipulationsmöglichkeiten weitgehend eingeschränkt.“