Berlin: Polizei findet zu wenig Azubis – großer Teil scheitert am Deutschtest

Die Berliner Polizei hat Schwierigkeiten, genügend geeignete Nachwuchskräfte zu finden. Im vergangenen Jahr blieb rund ein Viertel der Ausbildungsplätze unbesetzt. Besonders häufig scheitern Bewerber am Deutschtest.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik-Meisel spricht von einem schwierigen Wettbewerb um geeignete Bewerberinnen und Bewerber. „Wir stehen in einem wirklich harten Wettbewerb um geeignete Bewerberinnen und Bewerber – die Betonung liegt auf geeignet“, sagte sie der RBB-„Abendschau“. Dabei gebe es durchaus Interesse an einer Ausbildung bei der Polizei. Das Problem: Viele Bewerber schaffen es nicht durch das Auswahlverfahren.

📌 Ausbildung bei der Berliner Polizei Mehrere Laufbahnen: Die Berliner Polizei bildet Nachwuchskräfte unter anderem für den mittleren und gehobenen Polizeivollzugsdienst aus. Auswahlverfahren: Bewerber müssen verschiedene Tests und Prüfungen durchlaufen. Dazu gehören unter anderem schriftliche Tests, ein Diktat und ein Grammatiktest. Nicht nur Schulabgänger: Die Polizei wirbt auch gezielt um Menschen, die bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Hohe Verantwortung: Polizeibeamte müssen Gesetze und Vorschriften sicher verstehen und ihre Maßnahmen gegenüber Bürgern erklären können. Nachwuchs dringend benötigt: Die Polizei Berlin ist mit mehreren tausend Beschäftigten eine der größten Polizeibehörden Deutschlands.

40 Prozent scheitern am Deutschtest

Eine besonders große Hürde ist nach Angaben der Polizeipräsidentin das Diktat. Rund 40 Prozent der Bewerber scheitern am Deutschtest. Dabei geht es nicht nur darum, fehlerfrei schreiben zu können. Aus Sicht der Polizei sind ausreichende Deutschkenntnisse für den späteren Berufsalltag unverzichtbar.

Slowik-Meisel begründet das mit den vielfältigen Aufgaben von Polizeibeamten. Sie müssten täglich polizeiliche Maßnahmen erklären und rechtliche Grundlagen verstehen, nach denen sie handeln. Dazu gehört auch, Sachverhalte schriftlich festzuhalten.

„Wir haben hohe Anforderungen, die wir nicht senken können“

Die Berliner Polizei steht damit vor einem schwierigen Spagat. Einerseits fehlen Nachwuchskräfte, andererseits sollen die Anforderungen an künftige Polizistinnen und Polizisten nicht abgesenkt werden.

„Wir haben Bewerberinnen und Bewerber, aber wir haben auch hohe Anforderungen, die wir nicht senken können“, sagte die Polizeipräsidentin.

Die Polizei versucht deshalb, ihre Suche nach Nachwuchs auszuweiten. Unter anderem setzt sie verstärkt auf Social Media, um junge Menschen und auch ältere Bewerber mit abgeschlossener Berufsausbildung anzusprechen.

Deutschkenntnisse sind nicht nur im Einstellungstest wichtig

Warum die Polizei gerade beim Deutschtest keine Abstriche machen will, erklärt sich aus dem Berufsalltag. Polizisten müssen Gesetze und Vorschriften verstehen, Bürger über Maßnahmen informieren und häufig schriftliche Berichte anfertigen. Fehler oder Missverständnisse können dabei weitreichende Folgen haben.

Slowik-Meisel hatte bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Bewerber an den schriftlichen Computertests, am Diktat oder an einem Grammatiktest scheitern. Dabei betont sie ausdrücklich: Das Problem mangelnder Deutschkenntnisse sei nicht an eine bestimmte Nationalität gebunden.

Fast 300 Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt

Die Zahlen zeigen dennoch, wie groß die Herausforderung für die Berliner Polizei ist. Von den 1.224 vorgesehenen Ausbildungsplätzen wurden im vergangenen Jahr lediglich 936 besetzt. 288 Plätze blieben damit frei.

Für eine Polizei, die dauerhaft genügend Einsatzkräfte und Nachwuchs benötigt, ist das ein ernstes Problem. Die Berliner Polizei versucht deshalb, ihre Reichweite bei der Nachwuchsgewinnung weiter zu erhöhen. Doch Social-Media-Kampagnen allein lösen das grundlegende Problem nicht: Es müssen genügend Bewerber vorhanden sein, die zugleich die Anforderungen des Auswahlverfahrens erfüllen.

Für die Polizeipräsidentin steht deshalb fest: Die Anforderungen an den Nachwuchs können nicht einfach abgesenkt werden. Denn wer später für den Staat hoheitliche Maßnahmen durchsetzt, muss nicht nur körperlich und fachlich geeignet sein – sondern auch verstehen, was er tut, und es den Bürgern verständlich erklären können.