Dem Trend zum Trotz: Warum Deutschland in die Sonne will

Nordische Küsten statt Mittelmeer, Bergseen statt Strandhitze: „Coolcation“ bezeichnet Urlaubsreisen in Regionen mit vergleichsweise mildem Klima. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „cool“ und „vacation“ zusammen. Angesichts häufiger Hitzewellen gilt die gezielte Flucht in kühlere Regionen als einer der großen Reisetrends. Doch während Coolcations in aller Munde sind, sprechen die tatsächlichen Buchungen deutscher Urlauberinnen und Urlauber eine andere Sprache.

Eine Analyse der Sommerbuchungen von „lastminute.com“ aus den vergangenen drei Jahren zeigt: Kühlere Reiseziele verdrängen den klassischen Strandurlaub bislang nicht. Im Gegenteil, die Buchungen für solche Destinationen gingen demnach sogar um 15,9 Prozent zurück. Statt der Hitze konsequent auszuweichen, zieht es viele Menschen weiterhin dorthin, wo Sonne, Meer und sommerliches Wetter möglichst verlässlich zum Urlaub gehören.

📌 Coolcation Extremwetter beeinflusst die Reiseplanung: 63 Prozent der deutschen Reisenden berücksichtigen das Risiko extremer Wetterlagen bei der Wahl ihres Urlaubsziels, 64 Prozent bei der Reisezeit. Hitze kann konkrete Planänderungen auslösen: 29 Prozent der Deutschen haben innerhalb eines Jahres Reisen wegen Hitze, Stürmen, Waldbränden oder Überschwemmungen geändert oder storniert. Kühle Ziele werden spontan gesucht: Während einer Hitzeperiode 2026 stiegen besonders die Unterkunftssuchen für deutsche Küstenorte. Sankt Peter-Ording, Borkum und Westerland gehörten laut Booking.com zu den gefragtesten Zielen für eine kurzfristige Abkühlung.

Sonne und Preis-Leistungs-Verhältnis entscheiden

Besonders gefragt sind offenbar Ziele, die Strandurlaub zu vergleichsweise günstigen Preisen ermöglichen. Zu den am stärksten wachsenden Ländern zählen Albanien, Tunesien, Marokko, Bulgarien, Montenegro und Ungarn. Auch die Costa Blanca sowie Korfu, Athen, Zakynthos und Mykonos verzeichnen Zuwächse. Was diese Destinationen verbindet, ist weniger ein gemäßigtes Klima als vielmehr die Aussicht auf Sonne, attraktive Küsten und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Auch Zahlen des Deutschen Reiseverbands bestätigen die anhaltende Beliebtheit des Südens: Für den Sommer 2026 verzeichneten organisierte Reisen in die Türkei ein Umsatzplus von zwölf Prozent, nach Griechenland von acht Prozent und nach Spanien von fünf Prozent. Viele Deutsche streichen ihren klassischen Sommerurlaub also nicht, sondern passen ihn an. Sie entdecken günstigere Ziele oder verschieben ihre Reisezeit: Der Juni gewinnt gegenüber dem August an Bedeutung. So lässt sich die größte Hochsommerhitze umgehen, ohne auf Sonne und Strand zu verzichten.

Hitzewellen beeinflussen die Planung dennoch

Ganz ohne Folgen bleiben extreme Temperaturen allerdings nicht. Während der Hitzewelle in Deutschland 2026 stiegen die Buchungen für kühlere Ziele laut lastminute.com zunächst nicht sprunghaft an. In den beiden darauffolgenden Wochen erhöhte sich jedoch ihr Anteil an den Gesamtbuchungen. Ein ähnlicher Effekt war bereits 2025 zu beobachten, fiel 2026 aber etwa dreimal so stark aus. Viele Reisende reagieren auf außergewöhnliche Wetterlagen offenbar erst mit Verzögerung.

Dass das Wetter bei der Urlaubsplanung wichtiger wird, zeigt auch der „Travel & Sustainability Report 2026“ von Booking.com: 63 Prozent der befragten Deutschen berücksichtigen Extremwetter bei der Wahl ihres Reiseziels, 64 Prozent beim Reisezeitpunkt. Das widerspricht der starken Mittelmeer-Nachfrage nicht. Vielmehr planen Reisende bewusster und reagieren auf Hitze, ohne ihre grundsätzlichen Vorlieben aufzugeben. Vor allem Familien zieht es weiterhin ans Mittelmeer.

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