Bio, vegan, saisonal: Beim Einkauf schauen viele Supermarkt-Kunden genau hin. Beim Plastik haben sie dagegen kaum eine Wahl. Vom Müsli bis zur Seife steckt fast alles in Kunststoff.
Das meiste lässt sich recyceln, nur eine Farbe macht Ärger. Gemeint ist Schwarz. Hersteller greifen trotzdem zu, weil die Verpackung „hochwertig aussieht“. Auf LinkedIn nennt Verpackungsingenieurin Flora Fliegner solche Packungen den „schönsten Fehlkauf fürs Klima“.
📌 5 Fakten zu Recycling in Deutschland EU-Spitze beim Recycling: Bei Siedlungsabfällen liegt die Recyclingquote bei rund 67 bis 69 Prozent. Der EU-Durchschnitt beträgt etwa 49 Prozent. Bauschutt fast komplett im Kreislauf: Bei Bau- und Abbruchabfällen kommt Deutschland auf fast 90 Prozent. Trotzdem Verpackungsmüll-Rekord: Jedes Jahr fallen 19 Millionen Tonnen an, das sind 227 Kilogramm pro Kopf. Damit liegt Deutschland in der EU vorn. Wirtschaft bleibt überwiegend linear: Weltweit stammen nur 6,9 Prozent der eingesetzten Materialien aus dem Kreislauf. 2018 waren es noch 9,1 Prozent. Starker Wirtschaftsfaktor: Rund 11.000 Unternehmen mit über 280.000 Beschäftigten erwirtschaften jährlich etwa 80 Milliarden Euro.
Schwarze Plastikpackungen aus dem Supermarkt sehr problematisch
Der „Frankfurter Rundschau“ sagte Fliegner, wo das Problem liegt: „Schwarzes Plastik ist problematisch, weil sich der Recycling-Kreislauf am Ende nicht schließt. Der aktuelle Stand ist, dass es in den Recyclinganlagen technisch nicht erkannt wird“.
Der Blick aufs Altglas macht es anschaulich. Dort sortieren wir nach Weiß, Grün und Braun, denn dunkles Glas wird nie wieder hell. Bei Kunststoff läuft es ähnlich. Auch „schwarze Kunststoffe lassen sich nicht in transparente oder halbtransparente Ströme einfügen“.
Expertin fordert „politische Anreize“
Mit speziellen Pigmenten erkennen Sortieranlagen schwarzes Plastik zwar, doch sie kosten extra. Das Grundproblem bleibt: Schwarz und Hell lassen sich nicht zusammen recyceln. „Die Entsorgungsbetriebe müssten ihre Anlagen und Infrastruktur entsprechend umrüsten, damit schwarzes Plastik überhaupt erkannt werden und einem eigenen Recyclingstrom zugeführt werden kann“, erklärt Fliegner, „aber der wirtschaftliche Anreiz für die Entsorger fehlt leider völlig.“
Ohne Druck aus der Politik tut sich laut der Expertin nichts. „Solange es keine politischen Anreize gibt, wird niemand freiwillig investieren“, sagt sie. Sie warnt sogar vor Greenwashing: „Nur weil etwas NIR-erkennbar ist, heißt das nicht, dass es tatsächlich erkannt und recycelt wird. Wenn die Sortieranlagen es technisch nicht erkennen können, kann man sich damit nicht ‚freikaufen‘.“ NIR steht für Nahinfrarot, die Technik in den Sortieranlagen.
Für schwarzes Plastik hat Fliegner einen ungewohnten Rat: „Es fühlt sich falsch an und es tut weh, aber schwarzes Plastik kann man eigentlich direkt in die schwarze Tonne werfen.“ Ihr Appell an alle Käufer: „Wenn irgendwie möglich, weg von schwarzen Kunststoffen.“
Verpackungsverordnung soll Recycling einfacher machen
Seit dem 12. August gilt die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) in Deutschland. Sie legt strengere Materialvorgaben fest und setzt verbindliche PFAS-Grenzwerte. Ab 2030 verschwinden die Mogelpackungen, außerdem steigen die Recyclingquoten. Die Bundesregierung wertet das als zentralen Baustein für mehr Kreislaufwirtschaft.
Der BUND bremst die Euphorie. „Ein kleiner Fortschritt gegenüber dem Status quo, aber keinesfalls die dringend benötigte Verpackungswende“, sagt Janine Korduan, Expertin für Kreislaufwirtschaft beim Umweltverband, im Gespräch mit unserer Redaktion. Ihr Hauptvorwurf: Die Regeln setzen weiter am Ende der Kette an, bei Recycling und Entsorgung. Vermeidung, Mehrweg und weniger Ressourcenverbrauch kommen dagegen zu kurz.
