Das hat wahrscheinlich schon jeder erlebt: Eine Tüte leerer Flaschen wird Stück für Stück in den Pfandautomaten geschoben, und plötzlich zickt das Gerät, wirft eine Flasche zurück und verweigert die Annahme. Licht ins Dunkel des Pfandflaschen-Wahnsinns bringt ein Blick auf die aktuellen Regeln.
Grundsätzlich gilt: Nicht jede Flasche ist gleich. Einwegpfand gibt es meist mit 25 Cent, Mehrweg kostet oft nur 8 oder 15 Cent. Ein hoher Pfandbetrag heißt also nicht automatisch Mehrweg, wie „compakt.de“ berichtet. Gerade die bekannten 25 Cent stehen im Getränkebereich fast immer für Einweg. Entscheidend ist die Kennzeichnung mit dem DPG-Zeichen auf der Verpackung.
📌 Wissenswertes über das Pfandsystem Es gibt seit 2003 eine gesetzliche Einwegpfandpflicht. Seitdem wurde das System schrittweise erweitert, 2022 kamen Frucht- und Gemüsenektar-Dosen dazu, 2026 folgen Milch- und Milchmischgetränke. Die Rücklaufquote bei Dosen liegt bei über 99 Prozent. Das deutsche Pfandsystem gilt europaweit als eines der erfolgreichsten Rücknahmesysteme, mit einer Gesamtrücklaufquote von über 98 Prozent laut DPG Deutsche Pfandsystem GmbH. Ein hoher Pfandbetrag bedeutet nicht automatisch Mehrweg. Die bekannten 25 Cent stehen im Getränkebereich meist für Einweg, Mehrwegflaschen kosten dagegen häufig nur 8 oder 15 Cent. Mehrwegflaschen können bis zu 50 Mal wiederbefüllt werden, bevor sie recycelt werden müssen, das spart im Vergleich zu Einwegverpackungen deutlich Ressourcen.
Von Rewe bis Aldi: Pfandrücknahme ist klar geregelt
Jedes Geschäft, das pfandpflichtige Einweggetränke verkauft, muss gleichartige Verpackungen zurücknehmen. Gleichartig bezieht sich dabei auf das Material, wie die Verbraucherzentrale erklärt: Wer PET-Flaschen verkauft, muss PET-Flaschen zurücknehmen, unabhängig von Marke oder Kaufort. Kleine Geschäfte unter 200 Quadratmetern Verkaufsfläche dürfen die Rücknahme auf die Materialarten beschränken, die sie selbst im Sortiment führen.
Discounter und Supermärkte ab 200 Quadratmetern, also praktisch jeder Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka, müssen dagegen alle Einweg-Materialarten zurücknehmen, ganz gleich wo eingekauft wurde. Auch zerdrückte Flaschen und Dosen müssen angenommen werden, solange das Pfandlogo erkennbar und der Barcode lesbar ist.
Wird die Rücknahme verweigert, empfiehlt die Verbraucherzentrale, Datum, Uhrzeit und Filiale zu notieren, sich beim Händler zu beschweren und notfalls die zuständige Landesbehörde für Verbraucherschutz zu informieren. Bei ausländischen Verpackungen ohne DPG-Zeichen greift das deutsche Pfandsystem übrigens nicht, für grenznahe Einkäufe gelten die Regelungen des jeweiligen Landes.
Milch mit Pfand: Das ist seit 2026 neu
Neu seit diesem Jahr sind Milch- und Milchmischgetränke mit mindestens 50 Prozent Milchanteil in Einwegverpackungen pfandpflichtig, ebenfalls mit 25 Cent. Der Grund: Der Einweganteil bei Milchgetränken liegt inzwischen bei über 80 Prozent, 2003 waren es noch überwiegend Mehrwegflaschen. Auch diätetische Getränke in Dosen fallen seither unter die Pfandpflicht, Getränkekartons wie Tetra Paks bleiben weiterhin ausgenommen.
Eine weitere spürbare Neuerung ist der digitale Pfandbon. Statt eines Papierbons kann der Pfandbetrag künftig direkt einer App oder Kundenkarte gutgeschrieben werden. Das System wird seit Mitte 2026 schrittweise eingeführt und soll bis Ende 2027 flächendeckend verfügbar sein, so die Verbraucherzentrale.
Der Vorteil liegt auf der Hand: kein Verlust mehr von Bons, keine unleserlichen Ausdrucke, keine verfallenden Gutschriften. Geschätzt eine Milliarde Papier-Pfandbons sollen dadurch jährlich eingespart werden. Wer weiterhin den klassischen Papierbon nutzt, sollte dessen Verfallsdatum im Blick behalten, denn die Mindestgültigkeit liegt bei 14 Tagen, manche Händler räumen längere Fristen ein.
Bei Kaufland bringt sogar leeres Shampoo Geld
Richtig kurios wird es bei Kaufland. Seit Dezember 2025 läuft dort, laut „ruhr24„, zusammen mit dem Heilbronner Start-up Reo ein Pilotprojekt für Kosmetikverpackungen. In zehn Filialen rund um München sowie drei Vollcorner-Märkten lassen sich rund 90 verschiedene Verpackungen der Marken Lavera, Sante, Kneipp und Logona am ganz normalen Pfandautomaten abgeben. Pro leerer Verpackung gibt es 29 Cent zurück, egal wo sie gekauft wurde.
Beim Kauf wird kein Aufpreis fällig, die 29 Cent sind reiner Bonus fürs Zurückbringen. Der Test läuft bis Ende November 2026. Weltweit werden schätzungsweise 120 Milliarden Kosmetikverpackungen pro Jahr produziert, recycelt wird davon bisher kaum etwas, wie „watson“ schreibt.
EU-Verordnung bringt das Pfandsystem nach ganz Europa
Seit dem 12. August 2026 gilt außerdem die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR, die in Deutschland das bisherige Verpackungsgesetz ablöst. Im Regal ändert sich dadurch vorerst nichts. Spürbar wird es erst ab 2029, dann müssen alle EU-Staaten eigene Pfandsysteme für Einweg-Getränkeflaschen und Dosen einführen. Ab 2030 informiert zusätzlich ein QR-Code über Recyclinganteil und Entsorgung, und Portionspackungen für Marmelade oder Kaffeesahne verschwinden ganz aus den Regalen.
