Für Millionen Menschen am Steuer gibt es bald wieder eine finanzielle Atempause. Bundestag und Bundesrat haben eine Entlastung beschlossen, um die Preissprünge durch den Irankrieg abzufedern. Zum 1. Oktober fallen die Energiesteuern auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent pro Liter.
Inklusive der wegfallenden Mehrwertsteuer schrumpft die Abgabenlast um knapp 17 Cent. Drei Monate lang soll diese Regelung gelten. Lediglich die Unterschrift von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fehlte am Freitag (25. September) noch für den Startschuss.
📌 Wie sich der Spritpreis zusammensetzt Der Spritpreis an deutschen Tankstellen setzt sich im Wesentlichen aus vier Hauptkomponenten zusammen: Staatliche Steuern, der CO₂-Abgabe, Produktkosten für das Rohöl sowie Kosten für Verarbeitung, Transport und den Gewinn der Mineralölkonzerne. Grob lässt sich sagen, dass bei Benzin (Super E10) aktuell rund 53 bis 57 Prozent des Preises aus Steuern und Abgaben bestehen, während es bei Diesel etwa 47 Prozent sind.
Wann die Preise an den Zapfsäulen fallen
Betreiber müssen den Rabatt nicht sofort an die Kunden weitergeben. Aus der Erfahrung sinken die Beträge oft aber schon um Mitternacht. Die Tankstellen reagieren damit auf die Erwartungshaltung der Kundschaft. Eigentlich befindet sich dann noch gar kein vergünstigter Kraftstoff in den Tanks.
Erst nach Mitternacht verlässt der steuerreduzierte Sprit die Raffinerien. Frühaufsteher haben am ersten Tag des Rabatts keinen Vorteil. Typischerweise markiert der späte Vormittag den günstigsten Zeitpunkt zum Tanken. Wer noch genug Benzin hat, kann sich das Warten in Schlangen sparen.
Zweifel an der Weitergabe
Ob die 17 Cent komplett beim Verbraucher landen, sorgt für hitzige Diskussionen. Das Bundeskartellamt stellte zuletzt eine unvollständige Weitergabe fest, was die Mineralölwirtschaft vehement bestreitet. Ohnehin erreichen die Kosten das Vorkriegsniveau nicht mehr.
Der Staat rechnet mit Steuerausfällen von knapp 2,5 Milliarden Euro. Ungewöhnlicherweise übernehmen die Bundesländer diesmal die Hälfte der Kosten. Für einen durchschnittlichen Fahrer bringt die Aktion eine Ersparnis von etwa 32 bis 36 Euro. Die meisten Ökonomen kritisieren das Konzept scharf.
Kritik und Lob für die Milliardenmaßnahme
Bemängelt wird vor allem, dass Menschen ohne Auto komplett leer ausgehen. Dennoch gibt es auch befürwortende Stimmen. Manuel Frondel vom Institut RWI erklärte gegenüber dem „Spiegel“: „Besser wäre es natürlich, der Staat würde bedürftigen Haushalten gezielt helfen. Da er solche Direktzahlungen aber noch immer nicht ohne Weiteres umsetzen kann, halte ich den Tankrabatt für eine pragmatische und faire Lösung.“
