Jeden Tag kaufen Millionen Deutsche bei Edeka ein. Kaum jemand weiß dabei, wem der Supermarkt eigentlich gehört. Die Antwort ist keine einzelne Familie und kein Milliardär. Edeka gehört einem Verbund aus tausenden selbstständigen Kaufleuten.
📌 Wissenswertes über Edeka Der Vorläufer von Edeka entstand 1898 in Berlin als Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler. Offiziell als Genossenschaft eingetragen wurde sie 1907. Markus Mosa steht bereits seit 2008 als Vorstandsvorsitzender an der Spitze der Edeka-Zentrale. Der Name „Edeka“ entstand aus den Anfangsbuchstaben der Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler (E.d.K.). Seit Anfang 2021 gehört auch die Discountkette Netto Marken-Discount vollständig zur Edeka-Zentrale.
Edeka gehört keinem Konzern, sondern seinen eigenen Kaufleuten
Das Prinzip klingt kompliziert, ist aber simpel aufgebaut. Rund 3.200 unabhängige Händler betreiben ihre Märkte auf eigenes Risiko. Sie schließen sich in Genossenschaften zusammen und tragen so den gesamten Verbund. Über diesen Weg gehört ihnen am Ende auch ein Stück der Edeka-Zentrale in Hamburg.
Der Verbund funktioniert auf drei zusammenhängenden Ebenen. Ganz unten stehen die selbstständigen Kaufleute mit ihren Märkten vor Ort. Sie kennen ihre Kundschaft persönlich und entscheiden oft eigenständig über Sortiment und Personal. Darüber liegen sechs regionale Großhandelsbetriebe, wie der Edeka-Verbund auf seiner Website erklärt, und ganz oben steuert die Zentrale in Hamburg die Strategie des gesamten Netzwerks.
Genossenschaften und Zentrale besitzen sich wechselseitig
Die Eigentumsverhältnisse wirken auf den ersten Blick verschachtelt. Laut dem Edeka-Verbund sind die meisten Kaufleute als Unternehmer Mitglied in einer von neun Regionalgenossenschaften, die jeweils die Hälfte der Anteile an den sechs Großhandelsbetrieben halten. Die andere Hälfte gehört der Zentrale, deren Anteile wiederum vollständig bei den Genossenschaften liegen. So schließt sich der Kreis, ganz ohne Investoren von außen oder eine Börsennotierung.
Wie wichtig die einzelnen Händler für den Konzern sind, betont auch die Führungsspitze selbst. „Die Edeka-Kaufleute, ihre Kundennähe und ihr Innovationswille sind der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Vorstandsvorsitzender Markus Mosa laut dem Edeka-Verbund. Diese Aussage passt zur genossenschaftlichen Grundidee, bei der Einfluss über Mitgliedschaft entsteht und nicht über Kapitalmarkt-Anteile.
2021 wandelte sich die Zentrale in eine Stiftung um
Zum 1. Januar 2021 änderte sich die Rechtsform an der Spitze des Verbunds. Bis dahin firmierte die Zentrale als AG & Co. KG. Wie die „Lebensmittelzeitung“ berichtete, ersetzten die Edeka-Genossen dieses Konstrukt durch ein neues Stiftungsmodell. Rund 1.000 Mitarbeitende der Zentrale erfuhren früh von der Umstellung, das Eigentum blieb dabei vollständig innerhalb des genossenschaftlichen Verbunds.
Die EU wollte das Modell einst einschränken
Vor einigen Jahren geriet das Genossenschaftsprinzip politisch unter Druck. Im Rahmen einer EU-Richtlinie gegen unfaire Handelspraktiken wollte der Agrarausschuss des EU-Parlaments den Zusammenschluss von Einzel- und Großhandel 2018 verbieten, wie das „Handelsblatt“ damals berichtete.
Das hätte genau das Grundprinzip von Genossenschaften wie Edeka und Rewe getroffen. Rewe-Chef Lionel Souque wetterte gegen den Vorstoß: „Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht: Eine Richtlinie, die mal zum Schutz der Landwirtschaft gedacht war, soll nun genossenschaftlich organisierten Handel verbieten.“
Das Modell überstand die Debatte am Ende unbeschadet
Die schließlich 2019 verabschiedete Richtlinie enthielt dieses Verbot letztlich nicht. Das genossenschaftliche Modell blieb also bestehen und bildet bis heute die Grundlage des Verbunds. Für Kunden erklärt die gesamte Struktur, warum sich einzelne Märkte oft stark unterscheiden, denn jeder Kaufmann entscheidet selbst über Regale, Aktionen und Personal vor Ort.
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