Im Falle eines Machtwechsels – SIE könnten Merz beerben

Friedrich Merz kämpft um sein politisches Überleben. Nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt ist die Debatte über seine Zukunft nicht mehr völlig tabu. Noch steht der Kanzler – doch in der Union werden längst die möglichen Nachfolger betrachtet.

Besonders brisant: Gleich mehrere Namen stehen bereit. Einer davon ist Markus Söder. Doch der CSU-Chef ist längst nicht der einzige Politiker, der im Falle eines Machtwechsels ins Kanzleramt einziehen könnte.

📌 Schon gewusst? Noch nie kam ein CSU-Politiker ins Kanzleramt. Alle bisherigen Bundeskanzler aus der Union gehörten der CDU an. Bayern stellt seit Jahrzehnten keinen Kanzler: Die CSU hat zwar regelmäßig Kanzlerkandidaten aufgestellt, konnte das Kanzleramt aber bislang nicht erobern. Der Kanzler muss Mitglied des Bundestags sein? Nein. Das Grundgesetz schreibt eine Bundestagsmitgliedschaft für das Amt nicht vor. Der Bundespräsident schlägt den Kanzler vor: Gewählt wird anschließend vom Bundestag. Ein Kanzler kann auch vorzeitig aus dem Amt scheiden, etwa durch Rücktritt oder ein erfolgreiches Misstrauensvotum.

Merz unter Druck – und die nächste Bewährungsprobe steht an

17,2 Prozent für die CDU in Sachsen-Anhalt haben die Debatte über Friedrich Merz massiv verschärft. Die AfD kam dort auf fast 44 Prozent. Für die Union war das Ergebnis ein politischer Weckruf – und für Merz ein persönlicher Tiefschlag.

Auch die nächsten Wahlen könnten entscheidend werden. In Mecklenburg-Vorpommern wird am 20. September gewählt, so auch in Berlin. Die Ergebnisse könnten den Druck auf die CDU-Spitze weiter erhöhen.

Merz selbst gibt sich kämpferisch. Doch politisch stellt sich inzwischen eine andere Frage: Könnte statt Merz ein anderer Kanzler sein? Dann wären diese Namen besonders interessant.

1. Markus Söder – der Favorit mit dem größten Instinkt

An Markus Söder führt bei der Suche nach einem möglichen Merz-Nachfolger kaum ein Weg vorbei. Der CSU-Chef ist bundesweit bekannt, verfügt über ein klares konservatives Profil und könnte gerade nach den Erfolgen der AfD für Teile der Union interessant sein.

Söder selbst hält sich derzeit zurück. Einen Kanzlersturz durch die CSU schloss er ausdrücklich aus: „Von der CSU auf keinen Fall.“ Seine eigene Kanzlerkandidatur erklärte er Ende Juli ebenfalls für beendet.

Doch in der Union wächst die Aufmerksamkeit für Söder. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer forderte zuletzt mehr „CSU-Gen“ und lobte Söders Fähigkeit, Menschen zu mobilisieren.

Söders Stärke: Bekanntheit, konservatives Profil und politischer Instinkt.
Sein Problem: Als CSU-Chef braucht er letztlich die Unterstützung der CDU.

2. Hendrik Wüst – die Alternative aus NRW

Hendrik Wüst gilt als zweiter großer Name im Rennen um eine mögliche Nachfolge. Der NRW-Ministerpräsident steht für einen moderateren Kurs als Söder und könnte deshalb in verschiedenen Lagern der CDU anschlussfähig sein.

Sein größter Vorteil ist zugleich eine Verpflichtung: Wüst regiert Deutschlands bevölkerungsreichstes Bundesland. Ein Wechsel nach Berlin würde für ihn bedeuten, Nordrhein-Westfalen vor der Landtagswahl 2027 zu verlassen.

Wüsts Stärke: CDU-Hausmacht und Regierungserfahrung.
Sein Problem: Der politische Wechsel nach Berlin käme für ihn zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

3. Alexander Dobrindt – der Joker aus der CSU

Alexander Dobrindt ist weniger offensichtlich als Söder oder Wüst – und gerade deshalb interessant. Der CSU-Politiker ist Bundesinnenminister und gilt als einer der wichtigsten Architekten der schwarz-roten Zusammenarbeit. Er verfügt über Kontakte in CDU und SPD und könnte damit im Falle eines Machtwechsels als Kompromisskandidat interessant werden.

Dobrindt hat zudem einen Vorteil: Er kennt die Regierung von innen und verfügt über Kontakte zu beiden Koalitionspartnern. Sein Nachteil liegt auf der Hand: als CSU-Politiker müsste auch er zunächst eine Mehrheit in der CDU überzeugen.

Dobrindts Stärke: Regierungserfahrung, Netzwerke und gute Kontakte zur SPD.

Dagegen spricht: Konkurrenz durch Söder innerhalb der CSU.

Boris Rhein – der unterschätzte Name

Ein Name taucht in aktuellen Übersichten ebenfalls auf: Boris Rhein. So etwa in „The Pioneer„. Der hessische Ministerpräsident wird deutlich seltener genannt als Söder oder Wüst. Ganz aus der Fantasie gegriffen ist seine mögliche Rolle aber nicht. Rhein regiert in Hessen mit der SPD, steht wirtschaftspolitisch eher bürgerlich und vertritt zugleich einen strikten Kurs bei der Migration.

Allerdings ist Rhein aktuell eher Außenseiter. Bundespolitisch ist er deutlich weniger profiliert als Söder oder Wüst. Für ihn sprechen seine Regierungserfahrung und Erfahrung mit einer Koalition mit der SPD. Gegen ihn spricht: Bundespolitisch fehlt ihm bislang die Bekanntheit seiner Konkurrenten.

Und Thorsten Frei?

Thorsten Frei wäre ein interessanter Name – aber man sollte ihn derzeit nicht vorschnell als Kanzlerkandidaten bezeichnen. Frei ist seit Sommer Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag. Zuvor war er Chef des Bundeskanzleramts und damit einer der engsten politischen Mitarbeiter von Merz. Das macht Frei zu einem wichtigen Machtfaktor in der Union.

Aktuelle Berichte führen ihn nicht in derselben Weise als möglichen Merz-Nachfolger wie Söder oder Wüst. Seine Bedeutung könnte dennoch wachsen, wenn es innerhalb der Fraktion zu einem offenen Machtkampf kommt. Denn wer die Unionsfraktion führt, sitzt genau dort, wo ein Kanzlerwechsel parlamentarisch organisiert werden müsste.

Der entscheidende Punkt: Merz kann nicht einfach „abgewählt“ werden

Bei aller Aufregung über mögliche Nachfolger darf ein entscheidender Punkt nicht untergehen: Selbst wenn die CDU Friedrich Merz politisch fallen lässt, ist er nicht automatisch seinen Posten los.

Das Grundgesetz sieht ein konstruktives Misstrauensvotum vor. Der Bundestag kann einem Kanzler das Misstrauen nur aussprechen, wenn er gleichzeitig einen neuen Kanzler wählt. Erst dann wird der Bundespräsident ersucht, den bisherigen Kanzler zu entlassen und den Nachfolger zu ernennen.

Wer hätte im Ernstfall die besten Karten?

Noch ist kein Machtwechsel beschlossen. Söder hält öffentlich zu Merz, Wüst ist nicht offen auf Kanzlerkurs, Dobrindt bleibt der Joker und Rhein der Außenseiter. Doch sollte der Druck auf Merz nach weiteren Wahlniederlagen massiv steigen, könnte sich die Reihenfolge schnell verändern.

Und über allem steht eine entscheidende Frage: Wer könnte im Bundestag tatsächlich eine Mehrheit hinter sich bringen? Entscheidend ist, wer genügend Abgeordnete davon überzeugt, dass er Deutschland besser durch die Krise führen kann.