Wolodymyr Selenskyj hatte die Tür für ein direktes Gespräch weit aufgestoßen: Beim G20-Gipfel in Miami wollte der ukrainische Präsident seinem russischen Gegenspieler Wladimir Putin persönlich gegenübertreten. „Wir müssen uns treffen, miteinander sprechen und Entscheidungen treffen“, sagte Selenskyj. Aus Moskau kam darauf jedoch eine klare Absage.
Ein Treffen in Miami sei unmöglich, erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gegenüber der Nachrichtenagentur AFP in Delhi. Stattdessen bestehe Russland auf einem Treffen in der eigenen Hauptstadt. Es gebe eine Bereitschaft, Selenskyj in Moskau zu treffen, so Peskow. Selenskyj hatte zuvor im Interview mit der Deutschen Welle betont, dass es ihm nicht um große Worte gehe. Was er Putin sagen werde oder was dieser ihm sagen wolle, spiele keine Rolle, so der ukrainische Präsident. Entscheidend sei allein das Ergebnis.
📌 Aktuelle diplomatische Bemühungen G20-Gipfel im Dezember in Miami geplant (USA haben Vorsitz) US-Gesandte Witkoff und Kushner reisten nach Moskau und Kiew Anschließendes Telefonat zwischen Trump und Putin Selenskyj plant Treffen mit Trump Ende September in New York
G20-Gipfel im Dezember in Miami geplant
Hintergrund ist der G20-Vorsitz der USA in diesem Jahr. Im Dezember treffen sich die Staats- und Regierungschefs der Gruppe in Miami im Bundesstaat Florida. US-Präsident Donald Trump hatte bereits erklärt, eine Teilnahme Russlands wäre wahrscheinlich sehr hilfreich. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 haben sich Putin und Selenskyj nicht mehr persönlich getroffen.
Unterdessen kündigte der Stabschef von Präsident Selenskyj, Kyrylo Budanow, mögliche Dreiergespräche im kommenden Monat an. Man bereite sich auf Oktober vor, sagte Budanow im Gespräch mit Journalisten und bestätigte, dass damit Unterredungen im Dreierformat gemeint seien. Ein genaues Datum oder der Ort der Treffen wurden bislang nicht genannt. Die Bild berichtet von einem Interview welches Kreml-Sprecher Peskow mit der „Iswestija“ hatte. Dort erklärt er, der Kreml gehe davon aus, dass die USA, Russland und die Ukraine den Dialog in absehbarer Zeit fortsetzen könnten. Wie erfolgreich dieser Dialog jedoch sein werde, lasse sich derzeit nur schwer vorhersagen, da sich die Lage vor Ort für die Ukrainer von Mal zu Mal verschlechtere, so Peskow.
ront bleibt angespannt, USA intensivieren Vermittlung
Während über ein mögliches Gipfeltreffen gestritten wird, verschärft sich die Lage an der Front weiter. Nach nächtlichen russischen Angriffen wurden in der Ukraine vier Tote und zahlreiche Verletzte gemeldet. Getroffen wurden unter anderem eine Niederlassung des Stahlkonzerns ArcelorMittal in Krywyj Rih sowie ein Wohnhaus in Saporischschja.
Die USA hatten ihre diplomatischen Bemühungen um ein Kriegsende zuletzt wieder intensiviert. Die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner reisten nach Moskau und Kiew, anschließend telefonierten Trump und Putin miteinander. Der Kreml bezeichnete das Gespräch als „äußerst offenes“ Telefonat. Ende September plant Selenskyj nach eigenen Angaben zudem ein Treffen mit Trump in New York. Der ukrainische Präsident gibt sich dabei selbstbewusst: Die Ukraine befinde sich seiner Einschätzung nach in einer sehr guten Verhandlungsposition.
