Der Handelskonflikt zwischen den USA und Kanada entwickelt sich zunehmend zu einem persönlichen Machtkampf zwischen US-Präsident Donald Trump und Ontarios Premier Doug Ford. Nachdem neue Strafzölle in Kraft getreten sind und weitere Handelsbarrieren angekündigt wurden, verschärfte sich zuletzt auch der Ton zwischen beiden Politikern deutlich.
Auslöser der jüngsten Eskalation sind gescheiterte Verhandlungen zwischen Washington und Ottawa. Nachdem keine Einigung erzielt werden konnte, verhängten die USA neue Zölle auf zahlreiche kanadische Produkte. Betroffen sind unter anderem Lebensmittel. Die kanadische Regierung kündigte daraufhin Gegenmaßnahmen an und stellte eigene Vergeltungszölle in Aussicht.
📌 Doug Ford Premier von Ontario: Doug Ford ist seit Juni 2018 Premierminister der kanadischen Provinz Ontario. Ontario ist mit rund 16 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Provinz Kanadas. Vorsitzender der Progressive Conservative Party: Ford führt die Progressive Conservative Party of Ontario. Unter seiner Führung gewann die Partei die Provinzwahlen 2018, 2022 und 2025 und konnte jeweils eine Mehrheitsregierung bilden. Unternehmer vor der Politik: Vor seiner politischen Karriere arbeitete Doug Ford im Familienunternehmen Deco Labels and Tags. Das Unternehmen produziert unter anderem selbstklebende Etiketten und Lösungen für Verpackungen und Druckprodukte. Bruder des früheren Toronto-Bürgermeisters Rob Ford: Doug Ford ist der ältere Bruder des ehemaligen Bürgermeisters von Toronto, Rob Ford. Rob Ford war von 2010 bis 2014 Bürgermeister und sorgte während seiner Amtszeit wegen mehrerer Kontroversen auch international für Schlagzeilen.
Trump griff Ford auf Truth Social persönlich an
Während Kanadas Premierminister Mark Carney zunächst diplomatische Antworten suchte, drängte Doug Ford auf einen deutlich härteren Kurs. Der Regierungschef der Provinz Ontario gehört seit Langem zu den schärfsten Kritikern von Trumps Handelspolitik. Er forderte Ottawa auf, sich von amerikanischen Drohungen nicht beeindrucken zu lassen und neue Druckmittel einzusetzen. Dabei brachte Ford sogar Einschränkungen bei Energieexporten und beim Zugang zu wichtigen Rohstoffen ins Gespräch.
Die Forderungen aus Ontario blieben in Washington nicht unbemerkt. Trump griff Ford daraufhin auf seiner Plattform Truth Social persönlich an. Dabei stellte er dessen Bedeutung in den Handelsgesprächen infrage und spottete über den kanadischen Politiker. Statt über Inhalte zu sprechen, entwickelte sich die Auseinandersetzung zunehmend zu einer persönlichen Fehde.
Ford nennt US-Präsidenten einen Tyrannen
Ford reagierte prompt und ließ die Angriffe nicht unbeantwortet. Auf einer Pressekonferenz konterte er mit einer Bemerkung, die inzwischen internationale Schlagzeilen macht. In Anspielung auf Trumps Karriere als Immobilienunternehmer erklärte er: „Ich habe eine Menge ‚Grundbesitz‘ auf meinem Hintern, also viel Platz, damit Trump mir den Hintern küssen kann.“ Damit machte der kanadische Premier deutlich, dass er sich von den Attacken des US-Präsidenten nicht einschüchtern lassen will.
Doch damit war der Schlagabtausch noch nicht beendet. Ford bezeichnete Trump anschließend als Tyrannen und verglich dessen Vorgehen mit dem eines Schulhof-Rüpels, der andere unter Druck setzt und ihnen Schritt für Schritt immer mehr wegnimmt. Gleichzeitig betonte er, dass er sich von solchen Methoden nicht beeindrucken lasse.
Der Konflikt zeigt damit längst nicht mehr nur wirtschaftliche, sondern auch politische Dimensionen. Die USA und Kanada zählen zu den engsten und wirtschaftlich am stärksten verflochtenen Handelspartnern der Welt, weshalb beide Seiten von einer weiteren Eskalation betroffen wären. Dennoch scheinen derzeit weder Trump noch Ford zu einem Rückzieher bereit zu sein. Statt Annäherung dominieren öffentliche Provokationen, persönliche Angriffe und neue Drohungen. Wie weit der Streit noch geht, dürfte entscheidend davon abhängen, ob beide Regierungen doch noch einen Weg zurück an den Verhandlungstisch finden.
