Vor Bundeskanzler Friedrich Merz steht nach der parlamentarischen Sommerpause ein riesiger Berg an Arbeit. Auch in Sachen Rentenreform – ein Paket, unter dem die schwarz-rote Regierungskoalition eigentlich einen Haken gemacht hatte. Alle 33 Vorschläge der Alterssicherungskommission sollten eigentlich zügig umgesetzt werden, hieß es noch im Juli.
Allerdings wird der Protest immer lauter – und einige Punkte können vielleicht doch noch kippen. Darum wird in der Rentenreform derzeit gestritten:
📌 Der 33-Punkte-Plan der Alterssicherungskommission Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung hat 33 Empfehlungen vorgelegt, um das Rentensystem grundlegend zu reformieren und an die demografische Entwicklung anzupassen. Das Paket hat noch keinen Gesetzescharakter, wird aber von der Koalition als Gesamtkonzept angestrebt. Zu den Kernpunkten gehören:
Ausweitung des Beitragskreises: Mehr Menschen sollen in die Rentenkasse einzahlen, darunter Selbstständige, Abgeordnete und langfristig auch Beamte.
Änderungen beim Renteneintritt: Die abschlagsfreie Rente nach langjähriger Versicherung („Rente mit 63“) soll abgeschafft werden. Der reguläre Rentenbeginn soll steigen und stärker an die Lebenserwartung gekoppelt werden.
Stärkung der Kapitaldeckung: Einführung einer verpflichtenden Kapitalrente (nach skandinavischem Vorbild bzw. über einen Staatsfonds), damit Arbeitnehmer am Vermögen und an der Wirtschaft teilhaben.
Dämpfung des Anstiegs: Der Nachhaltigkeitsfaktor soll ab 2031 wieder stärker greifen, damit die Renten weniger stark steigen und die Beitragszahler entlastet werden.
Strittige Punkte in der Rentenreform
Ein zentraler Dreh- und Angelpunkt der Kritik: Das geplante Ende der sogenannten Rente mit 63. Dagegen liefen ausgerechnet CDU-Männer Sturm. Die drei ostdeutschen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen), Sven-Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen). Später zogen dann auch SPD-Länderchefs wie Anke Rehlinger (Saarland) und Andreas Bovenschulte (Bremen) nach. Ein ganz schönes Gewitter, dass den zentralen Reformbaustein eventuell kippen könnte. Ob Merz und seine Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hier dagegenhalten können?
Dann wäre da der Kommissionsvorschlag, den Sonderstatus von Minijobs abzuschaffen. Aktuell liegt die Verdienstgrenze bei 603 Euro im Monat. Der Koalitionsausschuss hat im Juli 2026 beschlossen, die endgültige Entscheidung über eine Reform oder den Wegfall des Sonderstatus auf den Herbst 2026 zu vertagen. Vor allem dem bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder ist dieser Vorschlag ein Dorn im Auge.
Auch um die Wiedereinführung des sogenannten Nachhaltigkeitsfaktors wird gestritten, über langsamere Rentensteigerungen ab 2032 und an die geplante Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Insgesamt muss die Merz-Regierung also noch viel austarieren, wenn sie das Großpaket zügig durch die Parlamente bringen möchte.
Der Druck auf Merz, Baas und Co. bleibt jedenfalls hoch. Die Umfragewerte von Schwarz-Rot sind historisch schlecht.
