Im ersten Moment klingt es abwegig, was die Supermarktkette Kaufland da mit Fliegenlarven plant. Jedoch verspricht das Konzept, bei der Müllentsorgung zu helfen und gleichzeitig noch etwas für den Umweltschutz zu tun.
Fliegenlarven im Zusammenhang mit Lebensmitteln dürfte eher ein abschreckender Gedanke für Kundinnen und Kunden sein. Kaufland möchte die Fliegen jetzt jedoch clever einsetzen, um die Tonnen an Lebensmittelresten umweltfreundlicher zu entsorgen. Außerdem sollen die Fliegen am Ende sogar selbst weiterverarbeitet werden. Wie soll das Ganze funktionieren und was ändert sich für Kaufland-Kunden?
📌 Die Schwarze Soldatenfliege (Hermetia illucens) Die Schwarze Soldatenfliege ist heute in Europa, Afrika, Asien sowie Nord- und Südamerika etabliert. Die proteinreichen Larven werden weltweit als umweltfreundliche Alternative zu Soja und Fischmehl in der Tierernährung genutzt. Die Larven können organische Abfälle wie Essensreste in extrem kurzer Zeit fressen und so biologischen Müll minimal reduzieren. Die ausgewachsene Fliege besitzt keine funktionierenden Mundwerkzeuge und lebt nur wenige Tage von den Fettreserven aus ihrer Larvenzeit. Da die erwachsenen Fliegen keine Nahrung aufnehmen, übertragen sie im Gegensatz zu Hausfliegen keine Krankheiten auf den Menschen.
Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen
Jedes Jahr werden in Deutschland hunderttausende Tonnen an Lebensmitteln vom Handel weggeschmissen. Die Entsorgung der Lebensmittelreste stellt Supermarktketten wie Kaufland, Rewe und Co. dabei vor Herausforderungen, besonders wegen der Plastikverpackungen der Produkte. Kaufland und dessen Umweltsparte PreZero wollen deshalb ein neues Konzept der Müllentsorgung einführen. So soll es ablaufen.
Zuerst soll aus den unverkäuflichen Lebensmitteln in speziellen Anlagen ein feiner Brei hergestellt werden. Dieser Brei soll dann als Nahrung für die Larven der Soldatenfliege dienen, welche für ihre schnelle Zersetzung von Essensresten bekannt sind. Sobald die Larven sich dann vollgefressen haben, will Kaufland die Fliegen selbst ernten und zu einem hochwertigen Insektenmehl verarbeiten, wie „echo24“ berichtete. Das hat zwei Vorteile.
Nach Angaben von Kaufland und PreZero sollen so rund drei Viertel der organischen Reste einer Filiale wiederverwertet werden. Gleichzeitig dient das hergestellte Insektenmehl als proteinreiche Nahrung für Tiere. Kundinnen und Kunden müssen deshalb keine Fliegen beim Einkaufen befürchten, der gesamte Prozess soll strikt von den Kaufland-Filialen getrennt sein. Kaufland setzt auch im Bereich Mode auf ein ganz eigenes Konzept.
