Sommer im Süden, Herbst im Norden: Wetter in Deutschland zeigt sich gespalten

Am 1. September ist der meteorologische Sommer offiziell vorbei. Doch wirklich herbstlich wird es nur in Teilen Deutschlands. Während sich der Süden noch einmal spätsommerlich zeigt, weht dem Norden schon deutlich der Herbst entgegen.

Wir haben mit Meteorologe Georg Haas von „wetter.com“ gesprochen, um zu verstehen, warum das Wetter gerade so gespalten ist und was uns in den nächsten Tagen erwartet.

📌 Das wusstest du noch nicht über den Herbst Der Name kommt vom Ernten. Das Wort „Herbst“ stammt vom althochdeutschen „herbist“ ab, das mit „ernten“ und „pflücken“ verwandt ist. Ursprünglich bezeichnete es also nicht die Jahreszeit selbst, sondern die Erntezeit. Blätter verfärben sich wegen des Lichts. Wenn die Tage kürzer werden, bauen Bäume den grünen Blattfarbstoff Chlorophyll ab. Dadurch treten die vorher überdeckten gelben und orangen Farbstoffe in den Blättern hervor, rote Farbtöne entstehen sogar erst im Herbst neu. Tiere bereiten sich unterschiedlich vor. Manche Tiere wie Igel oder Siebenschläfer legen sich Fettreserven für den Winterschlaf an, andere wie Zugvögel verlassen Deutschland komplett und fliegen in wärmere Regionen, um dem Kälteeinbruch zu entgehen.

Wetter zeigt sich von zwei Seiten: Islandtief trifft Azorenhoch

Verantwortlich für diese Zweiteilung sind zwei große Wettermacher: das Islandtief im Norden und ein Keil des Azorenhochs, der von Süden hereinreicht. Beide Wetterphänomene fallen dabei in diesem Herbst besonders stark aus. „Die Drucksysteme sind stärker als normal“, erklärt Haas.

Die Luftdruckgegensätze zwischen beiden sind für diese Jahreszeit ungewöhnlich groß. Die Folge ist lebhafter bis stürmischer Wind, der genau diese Unterschiede auszugleichen versucht. „Der Wind, den man auch heute besonders spürt, der will die Gegensätze ausgleichen“, so der Meteorologe.

Sonne im Süden, Schauer im Norden

In der neuen Woche sind deshalb zwei unterschiedliche Wetterlagen zu beobachten. Im Süden dominiert oft die Sonne, es bleibt trocken und warm. Im Norden dagegen ziehen dicke Quellwolken durch, die Schauer und vereinzelt sogar kurze Gewitter an der Ostsee bringen können.

An den Küsten weht dabei lebhafter Westwind bei 19 bis 20 Grad, im Rest des Landes wird es mit 21 bis 26 Grad deutlich milder. Richtung Freitag zieht der Süden dann noch einmal spürbar an, am Oberrhein sind bis zu 32 Grad möglich. „Uns erwartet ein zu warmer Herbst im Süden“, bringt es Haas auf den Punkt. Auch wenn die Hitze nicht mehr die Dimensionen des Sommers erreicht.

Im Norden ist es bereits herbstlich

Der Grund für das kühlere, wechselhaftere Wetter im Norden liegt schlicht in der Geografie. „Da man im Norden Deutschlands näher am Islandtief ist, ist es da kälter“, erklärt Haas. Der Norden befindet sich damit bereits im Früherbst-Modus. Gewitter sind in den kommenden Tagen trotzdem eher die Ausnahme.

Sie entstehen laut Haas vor allem dann, „wenn es unten kalt und oben warm ist“, also wenn die Luft labil ist. Aktuell gibt es zwar im Westen und Norden etwas Höhenkaltluft, die für einzelne Schauer sorgt, im Süden dagegen ist die Luft stabil, sodass dort auch keine Gewitter aufziehen.

Wann beginnt eigentlich der Herbst?

Meteorologische beginnt der Herbst schon am 1. September, astronomisch und kalendarisch erst am 23. September. Der Grund für den früheren meteorologischen Start ist rein statistischer Natur. „Um die Statistiken monatlich sauber machen zu können, ist der meteorologische Anfang der Jahreszeiten immer ab Anfang des Monats“, so Haas.

Den wirklichen kalendarischen Herbstanfang markiert aber die Tag-und-Nacht-Gleiche im September, denn ab dann nimmt die Tageslänge deutlich spürbar ab. In diesem Jahr fällt dieser Tag auf den 23. September.

Blick über Freitag hinaus bleibt unsicher

Wie es nach Freitag weitergeht, ist derzeit noch offen. „Ab Samstag gehen die Wettermodelle auseinander“, berichtet Haas. Das US-amerikanische GFS-Modell sieht den Sommer dann auch im Süden vorbei, das europäische Modell erwartet dagegen weiterhin warmes Wetter.

Wahrscheinlicher sei „ein leichtes Pendel“ zwischen beiden Szenarien. „Bis Freitag wissen wir schon relativ viel“, meint Haas. Bei allem, was danach kommt, gilt weiterhin: „Was Langfristprognosen betrifft, muss man auf der Hut sein.“