Wladimir Putin regiert Russland seit über zwei Jahrzehnten. Kaum ein Politiker der Welt polarisiert so stark wie der Kremlchef. Jetzt äußert sich ein ehemaliger Weggefährte zu Putins innerem Zustand.
Michail Chodorkowski kennt das System Putin von innen. Der frühere Oligarch lebt heute im Londoner Exil. Seine Einschätzungen zur aktuellen Lage in Russland sorgen bei vielen Menschen für Diskussionsstoff.
📌 Michail Chodorkowski: Chodorkowski war Chef des russischen Ölkonzerns Jukos und zeitweise einer der reichsten Männer Russlands. Er wurde 2003 festgenommen und verbrachte rund 10 Jahre im Gefängnis. 2005 wurde er wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt. In einem zweiten Verfahren wurde er 2010 wegen Veruntreuung und Geldwäsche verurteilt. Dadurch verlängerte sich seine Haftzeit. 2013 wurde er dann jedoch begnadigt. Er gehört zu den bekannten Kritikern von Wladimir Putin und der russischen Regierung.
China hält Putins Kriegsmaschine am Laufen
Chodorkowski macht einen entscheidenden Faktor für Putins Durchhaltevermögen aus. Ohne China könnte Russland den Krieg nicht fortsetzen. „Solange China Russland weiter beliefert, kann sich die Lage endlos verschlechtern und Putin den Krieg dennoch weiterführen“, sagte er dem „Handelsblatt“.
Trotzdem erkennt der Ex-Oligarch einen Wandel im Land. Die russische Bevölkerung reagiere ungeduldig auf den Krieg. Länger als zwei Jahre würde sie einen Krieg nicht tolerieren, so seine Einschätzung.
Countdown läuft seit ukrainischen Angriffen
Lange gelang es Putin, den Krieg von der Bevölkerung fernzuhalten. Diese Strategie funktioniert laut Chodorkowski nicht mehr. „Aber seit den ukrainischen Angriffen auf russische Ölraffinerien und Warenlager in diesem Jahr läuft der Countdown“, sagte der Exil-Russe.
Die Zustimmung zum Krieg sei seitdem zwar gestiegen. Gleichzeitig schrumpfe jedoch der Rückhalt für Putin in der Bevölkerung. Sollten die militärischen Aktivitäten nach 2027 andauern, würden Putins Zustimmungswerte noch deutlicher sinken, prognostiziert Chodorkowski.
Kreml bekam Angst vor Oppositionspartei
Ein Beispiel für den wachsenden Unmut liefert die Oppositionspartei Jabloko. Zunächst war sie zur Wahl zugelassen, ihre Umfragewerte lagen bei zwei bis drei Prozent. Das änderte sich plötzlich rapide.
„Dann aber schossen ihre Zustimmungswerte innerhalb von zwei Wochen so hoch, dass der Kreml echte Angst bekam“, sagte Chodorkowski. Die Werte hätten durchaus auch auf 25 Prozent ansteigen können, schätzt der Ex-Oligarch. Das sei vielleicht in einer Demokratie nicht viel, „aber für eine Diktatur ist das ein sehr starkes Signal“, so Chodorkowski weiter.
Kurz darauf wurde Jabloko von der Wahl ausgeschlossen. Putin und sein System reagierten damit auf die wachsende Kritik. Die Parlamentswahl in Russland vom 18. bis zum 20. September 2026 gilt nun als reines Referendum über seinen Kriegskurs.
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