Wer steckt wirklich hinter der Huthi-Miliz – und was treibt sie an?

Innerhalb weniger Tage überrannte die Huthi-Miliz die jemenitische Küste am Roten Meer. Damit sicherten sich die Kämpfer den Zugang zur strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab. Eine Blockade der globalen Handelsroute blieb vorerst aus. Dennoch ist die Botschaft unmissverständlich. Niemand kann die bewaffnete Gruppe heute noch ignorieren.

Ursprünglich nennt sich die Gruppierung Ansar Allah (Helfer Gottes). Ihren bekannteren Namen verdanken die Huthis ihrem 2004 getöteten Gründer Hussein al-Huthi. Mittlerweile lenkt dessen Bruder Abd al-Malik die Bewegung. Die Familie beansprucht eine gesellschaftliche Vormachtstellung, da sie ihren Stammbaum auf den Prophetenenkel Hasan ibn Ali zurückführt.

📌 Die Huthi-Miliz Die Huthi-Miliz (offiziell Ansar Allah, „Helfer Gottes“) ist eine schwer bewaffnete islamistische Bewegung und Rebellengruppe im Jemen. Ursprünglich als theologische Bewegung in den 1990er-Jahren gestartet, kontrolliert sie heute weite Teile des jemenitischen Nordens sowie strategisch kritische Schifffahrtswege am Roten Meer. Die Huthis gehören zur schiitischen Strömung der Zaiditen, die etwa ein Drittel bis 45 Prozent der jemenitischen Bevölkerung ausmachen.

Radikale Ideologie und iranisches Vorbild

Ideologisch wurzelt die Miliz im schiitischen Zaiditentum. Die Huthis dulden heute nur noch die dogmatische Lesart ihres Gründers. Laut der Expertin Marieke Brandt war er ein Verehrer der iranischen Revolution. „Politisch ist die Bewegung stark vom iranischen Anti-Imperialismus inspiriert“, erklärt sie.

Mit Unterstützung aus Teheran bauten die Huthis ihre Schlagkraft seit 2009 aus und rissen später die Kontrolle über den Norden des Jemens an sich. „Gleichzeitig haben sie gelernt, eigene Waffen aus kommerziell beschafften Komponenten zu bauen“, schildert Brandt. Im Inneren stützt sich das Regime auf eiserne Kontrolle.

Profiteure eines zersplitterten Landes

„Die eigentliche Herausforderung wäre für sie der Frieden, weil dann interne Konflikte ausbrechen würden und sie sich ihren gewaltigen innenpolitischen Problemen stellen müssten“, analysiert die Expertin. Nach einem blockierten Flug von Teheran nach Sanaa kündigten die Huthis eine Waffenruhe auf und eroberten weite Küstenstreifen.

Leichtes Spiel haben die Extremisten wegen der Schwäche ihrer Feinde. „Die Huthis haben vor allem deshalb Erfolg, weil ihre Gegner zu zerstritten sind und konstant unter ihren Möglichkeiten bleiben“, betont Brandt.

Trotz religiöser Unterschiede betrachten sich die Huthis und der Iran als Verbündete. Beide Seiten profitieren von dieser Partnerschaft durch Waffentransfers und geopolitischen Einfluss. Dennoch ordnen die jemenitischen Kämpfer ihre eigenen Ziele niemals komplett den iranischen Interessen unter.