Ihm wird oft Narzissmus vorgeworfen. Eine Diagnose, die für einen Laien bei Trump sehr einleuchtend wirkt. Neid, Unsicherheit und das konstante Bedürfnis, für alles gefeiert zu werden, sind alles Eigenschaften, die auf Donald Trump zutreffen.
Psychiater und Psychotherapeut Manfred Lütz glaubt, dass diese Diagnose jedoch nicht zutrifft. Laut ihm sind es nicht diese Eigenschaften, die ihn so gefährlich machen. Seiner Meinung nach würde die Diagnose Narzissmus das Problem sogar verharmlosen.
📌 Eigenschaften von Narzissmus Grandiosität: Die Person überschätzt eigene Leistungen, Fähigkeiten und den eigenen Status. Sie erwartet, ohne entsprechende Taten als überlegen anerkannt zu werden. Bewunderung: Es besteht ein permanentes, übermäßiges Verlangen nach Lob, Bestätigung und Aufmerksamkeit. Mangelnde Empathie: Die Person kann oder will sich nicht in die Gefühle, Gedanken und Perspektiven anderer hineinversetzen. Anspruchshaltung: Sie hat das unumstrittene Gefühl, bevorzugt behandelt zu werden und Sonderrechte zu genießen. Ausbeuterisches Verhalten: Zwischenmenschliche Beziehungen werden oft genutzt, um eigene Ziele zu erreichen. Arroganz: Auftreten und Verhalten gegenüber anderen sind häufig hochmütig, herablassend oder überheblich.
Das macht Trump gefährlich
In dem „Stern“-Interview wird Lütz direkt gefragt, ob Trump den Kriterien für Narzissmus entspreche. Seine Antwort ist für viele wahrscheinlich überraschend: nicht ausreichend. Trump hat Erfolg und Freunde, beides spricht gegen die Diagnose. Trump verfüge laut Lütz über „geniale manipulative Fähigkeiten“ und sei sogar „clever“.
Trotz allem sei Trump „zutiefst unmoralisch“. Zwar habe er Auffälligkeiten, die auf Narzissmus hindeuten könnten, jedoch hielte Lütz es für unsinnig, „jemanden gestört zu nennen, der so erfolgreich ist“. Was ihn so gefährlich mache, sei die Tatsache, dass eine Therapie nichts an seinem Wesen ändern könnte. „Der Mann ist untherapierbar und wegen seiner krassen Amoralität brandgefährlich.“
Putin als Trumps Gegenstück
Lütz bewertet den russischen Präsidenten Wladimir Putin deutlich anders als den amerikanischen Präsidenten. Auch er sei nicht therapierbar, jedoch aus anderen Gründen als bei Trump. Während sich bei Trump alles um sich, seine Person und sein Ego drehen muss, ist Putin an seine Ideologie gekettet. Er sei ein „kalter, nationalistischer Ideologe, der unbeirrbar und ohne Rücksicht auf Verluste das russische Imperium wiederherstellen möchte“.
Genau das soll laut Lütz der Grund sein, weswegen es so kompliziert sei, mit ihm zu verhandeln.
