Fischstäbchen, Thunfisch aus der Dose, Lachs aus der Kühlabteilung. Bei Lidl liegt Fisch in fast jeder Preisklasse im Regal. Doch was steckt wirklich in den Produkten, und wie nachhaltig ist der Fisch tatsächlich?
Fisch gehört für viele Menschen in Deutschland zum festen Speiseplan, Lachs ist dabei der beliebteste Speisefisch überhaupt. Verbrauchermagazine und Umweltorganisationen prüfen das Lidl-Sortiment deshalb seit Jahren immer wieder genau.
📌 Das solltest du über Lachs aus dem Supermarkt wissen Menschen in Deutschland essen im Schnitt rund 1,7 Kilogramm Lachs pro Kopf und Jahr. Damit ist Lachs der beliebteste Speisefisch überhaupt. Laut Foodwatch entkommen jährlich schätzungsweise 200.000 Zuchtlachse aus norwegischen Käfiganlagen in die freie Natur und bedrohen dort Wildlachsbestände. Nur etwa 42 Prozent der norwegischen Lachs-Aquakultur tragen das ASC-Siegel, während das weniger bekannte GGN-Siegel für rund 90 Prozent der Branche steht. Mehr als jeder zehnte Lachs in Norwegen weist laut Foodwatch Verletzungen oder Missbildungen auf. Die Tierrechtsorganisation Peta kritisiert bei Zuchtlachsen häufige Verhaltensstörungen sowie Pilz- und Parasitenbefall wie die sogenannte Lachslaus.
Lidls Fischstäbchen erhalten Top-Bewertung
Immer wieder landen Lidl-Eigenmarken in unabhängigen Tests. Meistens fällt das Urteil überraschend positiv aus, gerade mit Blick auf den niedrigen Preis. Bei einem Test von 19 Fischstäbchen-Sorten schnitten die „Ocean Sea 15 Fischstäbchen“ von Lidl mit der Gesamtnote „Gut“ ab.
Die Tester lobten sehr gute Inhaltsstoffe und eine überzeugende Sensorik. Mit 2,79 Euro pro 450 Gramm waren sie zugleich das günstigste Produkt im gesamten Test. Das teilte Lidl selbst mit.
Auch Lidl-Thunfisch besteht Öko-Test
Auch bei Thunfischkonserven konnte Lidl überzeugen. Die „Nixe Thunfisch Filets in eigenem Saft“ erhielten in einer aktuellen Öko-Test-Ausgabe die Bestnote „Sehr gut“. Besonders wichtig war den Testern dabei die Kontrolle auf Methylquecksilber-Rückstände, ein Problem, das viele Thunfischprodukte betrifft.
Mit 1,29 Euro pro Dose gehörten die Filets zu den günstigsten Produkten im Test. Sie tragen zudem in allen über 3.250 Lidl-Filialen dauerhaft das MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei. Das berichtet das Portal „firmenpresse„.
ARD-Test überrascht bei Lidl-Lachs
Beim Lachs zeigt sich ein differenzierteres Bild. Die ARD-Verbraucherredaktion testete sechs Räucherlachse aus dem Supermarkt, sowohl im Labor als auch im Geschmackscheck. Im Labor fand sich bei keinem Produkt eine auffällige Keimbelastung durch Listerien, Salmonellen oder E. coli.
Überraschend schnitt ausgerechnet das günstigste Produkt gut ab: Der Lidl-Lachs für 2,15 Euro pro 100 Gramm überzeugte Fischhändler und Spitzenkoch mit stabiler Struktur, nur die Rauchnote fiel etwas zu intensiv aus. Deutlich schlechter bewertet wurde dagegen der teurere konventionelle Lachs von Deutsche See, den die Tester als matschig beschrieben. Das zeigt ein Test von „ARD Markt„.
Norwegens Lachszucht sorgt für Kritik
Mindestens 80 Prozent des Lachses in deutschen Supermärkten stammen aus Aquakulturen, ein Großteil davon aus Norwegen. Genau diese Zuchtanlagen stehen seit Jahren im Fokus von Verbraucherschützern. Die Organisation Foodwatch bezeichnet die Branche in einem aktuellen Bericht als „Industrie außer Kontrolle“.
Laut dem Report stirbt jeder vierte junge Lachs bereits während der Aufzucht. Im vergangenen Jahr verendeten demnach rund 100 Millionen Tiere noch vor der Schlachtung, hauptsächlich durch Infektionskrankheiten. Jeder zweite Lachs im deutschen Supermarktregal stammt Foodwatch zufolge aus Norwegen, wie die „Tagesschau“ berichtet.
Lidl setzt auf eigene Zertifizierung
Ein Massenausbruch von 27.000 Lachsen aus einer norwegischen Zuchtfarm heizte die Debatte zuletzt zusätzlich an. Lidl reagierte laut Berichten der „Frankfurter Rundschau“ und verwies auf eigene Standards für nachhaltigen Fischeinkauf. Eine Unternehmenssprecherin erklärte, man habe sich zum Ziel gesetzt, dass alle dauerhaft gelisteten Fischprodukte entweder ein Bio-Siegel tragen oder nach MSC, ASC, GLOBALG.A.P. oder BAP zertifiziert sind.
Lachszuchtbetriebe müssten Lidl demnach regelmäßig ihre ASC-Zertifizierung bestätigen, das gelte auch für den Lieferanten Mowi. Verliere ein Betrieb sein Siegel, würden die betroffenen Produkte nicht mehr vermarktet, so das Unternehmen. Foodwatch hält solche Siegel dennoch für unzureichend, weil sich die Herkunft oft nicht bis zur konkreten Zuchtfarm zurückverfolgen lässt.
Beim Blick ins Lidl-Regal zeigt sich also ein zwiespältiges Bild. Fischstäbchen, Thunfischkonserven und selbst der günstige Räucherlachs überzeugten in aktuellen Tests. Bei der Lachsindustrie insgesamt bleiben dagegen grundsätzliche Fragen zu Tierwohl und Rückverfolgbarkeit offen, die kein einzelner Produkttest auflösen kann.
In einer ganz anderen Kategorie punktet Lidl dagegen immer wieder. Der Discounter gewinnt zum 10. Mal eine besondere Auszeichnung.
