Wer im Aldi-Regal nach Schokolade greift, landet oft bei Moser Roth. Der Name klingt edel, fast ein wenig nach Manufaktur. Mit Aldi bringen ihn die wenigsten Kunden in Verbindung. Dahinter steckt eine Geschichte, die weit vor die Discounter-Zeit zurückreicht.
Tatsächlich ist Moser Roth eine Marke mit echtem Stammbaum. Sie wurde bereits 1902 geschützt, lange bevor es Aldi überhaupt gab. Die Wurzeln liegen in Stuttgart, mitten im süddeutschen Schokoladenhandwerk des 19. Jahrhunderts. Genau diese Herkunft erklärt, warum der Name so gar nicht nach Billig-Regal klingt.
📌 Fakten zu Moser Roth Um 1910 beschäftigte die ursprüngliche Firma Roth rund 550 Mitarbeiter und galt als größte Schokoladenfabrik Stuttgarts. Die historische Fabrik stand an der Heilbronner Straße, auf dem Gelände befindet sich heute das sogenannte Geno-Haus.Moser Roth erhielt 2007 eine Auszeichnung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Storck produziert für Aldi nicht nur Moser Roth, sondern auch die Schokoladenmarken Choceur und Chateau. Von den einstigen Stuttgarter Schokoladenfabriken wie Eszet, Haller oder Waldbaur existiert heute nur noch Ritter Sport.
Die Konkurrenten Moser und Roth
Alles beginnt 1841 mit dem Konditormeister Wilhelm Roth jr. Er gründet in Stuttgart eine kleine Schokoladenfabrik in der Kronenstraße. Wenige Jahre später zieht ein Konkurrent nach: Eduard Otto Moser eröffnet 1846 seine eigene Schokoladen- und Bonbonfabrik. Beide Betriebe wachsen zunächst getrennt voneinander.
1896 schließen sich die beiden Stuttgarter Unternehmen zusammen. Aus der Fusion entsteht die Firma, die sich fortan Moser-Roth nennt. Sechs Jahre später, im Jahr 1902, lässt sich das Unternehmen den Markennamen offiziell schützen.
Wie überstand die Fabrik zwei Weltkriege?
Um 1910 zählt Moser-Roth zu den größten Arbeitgebern der Branche in Stuttgart. Die Produktion läuft über Jahrzehnte erfolgreich weiter. Dann kommt der Bruch: 1942 wird der Betrieb aus politischen Gründen von der Reichsregierung stillgelegt. Zwei Jahre später brennt die gesamte Fabrik bei einem Luftangriff bis in den Keller nieder.
Nach dem Krieg beginnt eine wechselvolle Zeit. Der Stuttgarter Fabrikant Karl Haller sichert sich 1947 die Markenrechte. Ab 1948 lässt er in Stuttgart-Obertürkheim wieder Schokolade herstellen. Nach seinem Tod übernimmt die Melitta-Gruppe das Geschäft und führt die Produktion noch einige Jahre fort.
Rechte-Übernahme durch Aldi
Danach wandert die Marke mehrfach den Besitzer. Verschiedene Hersteller sichern sich zwischenzeitlich die Rechte an Moser-Roth. Seit 2002 gehören die Markenrechte schließlich dem Aldi-Konzern selbst. Damit wird aus einer traditionsreichen Stuttgarter Fabrikmarke offiziell eine Eigenmarke des Discounters.
Ab Juni 2007 übernimmt der Süßwarenhersteller August Storck die Produktion. Storck lässt die Schokolade über die eigens gegründete Moser-Roth GmbH herstellen. Der Produktionsstandort liegt im Berliner Bezirk Reinickendorf, weit weg von Stuttgart. Trotzdem bleibt der alte, geschichtsträchtige Name bis heute erhalten.
Verbindung zu Werther’s Original
Storck ist vielen Verbrauchern nur indirekt bekannt. Das Unternehmen produziert unter anderem die bekannten Werther’s-Original-Karamellbonbons. Auch Marken wie Merci und Riesen stammen aus demselben Haus. Für den amerikanischen Markt hat Storck den Namen Moser Roth deshalb bewusst wiederbelebt, wie „Food Republic“ berichtet.
Seit 2007 läuft Moser Roth dort als exklusive Aldi-Marke. Das Sortiment reicht von zartbitterer Schokolade mit 85 Prozent Kakaoanteil bis zu milder Vollmilchschokolade. Dazwischen gibt es Sorten mit Orange, Mandel oder einem Hauch Chili. Die Bandbreite wirkt fast wie bei einem Edelhersteller.
Warum erinnert die Verpackung an Lindt?
Manchen Kunden fällt die optische Nähe zu einer bekannten Schweizer Marke auf. Farblich und in der Prägung der Tafeln ähnelt Moser Roth durchaus der Lindt Excellence Milchschokolade. Das Portal „Küchenfibel“ bezeichnet die Aldi-Marke daher als eine Art Lindt-Alternative für den kleinen Geldbeutel. Ganz zufällig dürfte diese Anlehnung kaum sein.
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Hinter den Moser-Roth-Tafeln steckt übrigens nicht nur Storck. Aldi lässt unter dem Namen auch Produkte anderer Hersteller fertigen. Dazu zählen etwa die Stollwerck GmbH sowie die Rübezahl Schokoladen GmbH. Auch Krüger und Viba Sweets tragen ihren Teil zum Sortiment bei.
Wie schneidet Moser Roth im Test ab?
Trotz des günstigen Preises überzeugt die Marke regelmäßig in Vergleichstests. Die Stiftung Warentest bewertete die Moser-Roth-Edelbitterschokolade in ihrem geschmacklichen Urteil bereits mit „sehr gut“. Damit landete sie auf Augenhöhe mit deutlich teureren Marken wie Hachez oder Lindt. Ein Preis von unter einem Euro pro Tafel macht das Ergebnis noch bemerkenswerter.
Seit 2018 trägt die Moser-Roth-Schokolade zudem das Fairtrade-Siegel. Aldi Süd wirbt damit aktiv für seine Eigenmarke. Wer heute zu Moser Roth greift, kauft also mehr als nur eine günstige Tafel. Er kauft ein Stück Stuttgarter Schokoladengeschichte, verpackt unter neuem Firmenmantel.
